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evangelisch

Hörmal | 08.01.2017 | 07:45 Uhr

Vertrauen

Ich mache das sonst nie. Ich telefoniere im Auto immer über die Freisprechanlage, nie direkt mit dem Handy am Ohr. Aber diesmal wusste ich mir nicht anders zu helfen. Er könne mich über die Freisprechanlage so schlecht verstehen, hatte mir der Anwalt gesagt, mit dem ich dringend eine Rechtsfrage zu klären hatte. „Sind Sie denn in 30 Minuten noch im Büro“, fragte ich „dann kann ich Sie von zu Hause aus anrufen?“ „Ja, gerne, aber bitte nicht später!“ Das wird klappen, noch fünfzehn Minuten, dann bin ich zu Hause, dachte ich.

Aber ich hatte die Kölner Verkehrslage unterschätzt, ein kilometerlanger Stau auf der Rheinufer-Str. Nichts ging mehr. Also, was soll’s. Bei diesem Schritttempo einige Minuten mit dem Handy am Ohr, das sollte doch wohl gehen. Wir konnten die offenen Fragen weitgehend klären, bis ich vor mir dann jenes Motorrad sah, das mir mit rotem Blinklicht anzeigte: Bitte folgen. So ein Mist, Polizei! Rechts raus fahren auf den Parkstreifen, Papiere bitte. „Sie wissen, warum ich Sie angehalten habe?“

„Jaja. Ich weiß, ich habe mit dem Handy telefoniert. Es war wirklich eine Ausnahme, glauben Sie mir, ich mache das sonst nie.“ „Ach wissen Sie“, sagte der Polizist, „das sagen alle, deshalb höre ich mir die Geschichten gar nicht mehr an, das macht 60 Euro und einen Punkt in Flensburg.“ „Ich kann Sie verstehen, ich war lange Jahre Gemeindepfarrer und habe mir so viele Geschichten angehört von Menschen, die Geld brauchten oder einen Lebensmittelgutschein. Und irgendwann habe ich auch aufgehört, alle Geschichten zu glauben.“

Ein Moment des Schweigens folgte. „Also, dann sind Sie ein Mann Gottes, dann muss ich Ihnen ja wohl glauben, was Sie sagen. Sind Sie mit 30 Euro Verwarnungsgeld einverstanden?“ „Ja natürlich, das ist sehr freundlich von Ihnen.“ „Das ist nur, weil ich Ihnen ja glauben muss, das mache ich sonst nie.“ Er hat mir geglaubt, er hat vertraut auf die Wahrheit meiner Worte, ohne mich zu kennen.

Mir hat sich durch diese Begebenheit nochmals eingeprägt, wie wichtig es ist, sich auf die Worte anderer verlassen zu können, nicht nur im Privaten, sondern auch im öffentlichen Raum, in der Politik. Wieviel Unwahrheit, Polemik, Lügen haben wir jüngst im amerikanischen Wahlkampf erlebt und wieviel davon werden wir im Bundestagswahlkampf in diesem Jahr erleben?

Studien bestätigen, mehr als die Hälfte der Bevölkerung glaubt nicht mehr, was in der Politik versprochen wird. Dieser Vertrauensverlust ist wohl die heftigste Niederlage unserer Demokratie. Andere, am rechten Rand, haben diese Politikverdrossenheit für sich ausgenutzt. Und es scheint unwichtig, dass ihre Parolen, Behauptungen und Versprechen mit Lügen durchtränkt sind.

Jesus hat einmal gesagt: „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist von Übel.“ Ich übersetze das so: Eure Worte sollen sich auszeichnen durch Klarheit und Wahrheit. Das sollte der Maßstab für die politische Auseinandersetzung im kommenden Wahlkampf sein. Denn es steht viel auf dem Spiel, letztlich sogar das Vertrauen in die Demokratie.

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