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Kirche in WDR 5 | 10.07.2018 | 06:55 Uhr

Von der eigenen Mitte

Guten Morgen!

Eine Szene auf einer Strandpromenade am Meer: Da geht eine alte Frau vor mir her. Sie trägt einen dunkelgrünen Mantel. Plötzlich steigt sie auf ein Mäuerchen und läuft darauf weiter, die Arme nach rechts und links ausgebreitet. Mal schwankt sie zur einen, mal zur anderen Seite, balanciert sich immer wieder aus. Irgendwann steigt die Frau von der Mauer und geht auf der Promenade weiter.

Für eine Weile hatte die alte Frau die sichere Komfortzone verlassen und sich auf dem Mäuerchen ausprobiert. Ihr eigenes Laufen in Unsicherheit getestet und den Test für sich bestanden.

Wenn ich an die Szene am Meer denke, fällt mir ein Spruch ein. Dieser Spruch begleitet mich seit vielen Jahren in unterschiedlichen Situationen. Er stammt von Jeremias Gotthelf, einem Dichter aus dem 19. Jahrhundert. Der Spruch lautet:

Schwer ist es, die rechte Mitte zu treffen:

das Herz zu härten für das Leben,

und es weich zu halten für das Lieben.

Immer wieder geht es darum, mit Schwierigkeiten umzugehen. Beispiele lassen sich in jedem Menschenleben finden. Ich nenne nur Zeiten von Krankheit, Verlust, innerer Leere. Ja, da müssen Menschen aktiv werden, um in finsteren Talsohlen durchzuhalten, um Kraft zu haben, Schwierigem zu widerstehen oder sich gesund abzugrenzen. Da müssen Menschen ihr Herz stark machen und dabei aufpassen, es nicht zu verhärten.

Denn andererseits fragt das Leben nach Weichheit, Milde und Güte. Danach, Liebe zu empfangen und Liebe zu geben. Liebe in einem umfassenden Sinn. Auf dieser Lebensseite finden sich die Schönheit der Sonnenaufgänge und üppige Sommerbäume, klebrige Kinderhände, die Freude am Rudern, am Fußballspielen, an der Musik von Mozart. Mitmenschlichkeit und Lachfalten.

Das Herz weich zu halten für das Lieben, schreibt Jeremias Gotthelf.

Meist durchdringen sich die Lebensfelder. Meist ist das Leben nicht so oder so, schwarz oder weiß. Doch ist jeder Mensch herausgefordert, sich immer wieder neu im Leben auszubalancieren, wie die alte Frau auf dem Mäuerchen am Meer. Sich abzuhärten und weich zu halten und in all dem die eigene Mitte nicht zu verfehlen. Die eigene Mitte als Kraftort, als Zentrum.

Ich bin in deiner Mitte, spricht Gott in der Bibel in Bildern und Gleichnissen.

Ich wohne in dir und begleite dich, wohin du auch gehst und was auch immer du erlebst. Ich gebe dir Ruhe. Ich gebe dir in dir Stabilität und Kraft. Ich bin für dich da.

Aus Coesfeld grüßt Sie Petra Fietzek

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