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Kirche in WDR 5 | 14.12.2017 | 06:55 Uhr

Von Gotteserfahrung

Guten Morgen!

Ignatius von Loyola war ein spanischer Edelmann. Aus baskischem Adelsgeschlecht stammend, lebte er im 16. Jahrhundert in höfischer Umgebung. Als junger Mann meldet sich Ignatius beim Militär. Vier Jahre später verletzt ihn eine Kanonenkugel schwer am Bein. In seiner langen Krankheitszeit liest Ignatius Bücher und Schriften, die von ganz anderen Lebensentwürfen erzählen. Von Menschen auf der Suche nach Gott. Das ist nicht weniger abenteuerlich, nur ganz anders, als er bisher gelebt hatte.

Ignatius von Loyola denkt über sein Dasein nach. Immer mehr entdeckt er Gott in sich selbst und in dem, was ihm begegnet. Der Verwundete wandelt sich. So sehr, dass er zu einem der bedeutendsten Ordensgründer wird: dem Orden der Jesuiten.

Ein Satz von Ignatius von Loyola fällt mir immer wieder ein. Er lautet:

Gott, du umarmst mich mit der Wirklichkeit.

Das ist eine starke Behauptung. Das bedeutet, dass Gott mit dem, was geschieht, zu tun hat. Und zwar nicht nur im Geschehenlassen, sondern als Umarmung. Das heißt: gut gemeint, liebevoll und persönlich.

Gott, du umarmst mich mit der Wirklichkeit.

Dem kann ich in guten Zeiten zustimmen. In Zeiten, in denen ich mich gesund fühle, die Welt nicht allzu friedlos ist und es denen, die ich liebe, gut geht. Ja, beim Blick über blühende Felder, in den Sternenhimmel, ja, da kann ich mich von Gott umarmt fühlen.

Was aber, wenn das Kartenhaus zusammenbricht? Wenn das Leben unbarmherzig erscheint und Krisen einbrechen? Umarmt Gott dann auch mit der Wirklichkeit?

Ein Beispiel:

Eine Frau hat jahrelang Schmerzen und entschließt sich zu einem orthopädischen Eingriff. Sie durchlebt die Zeit im Krankenhaus und kommt für ein paar Wochen in eine Rehaklinik. Dort fühlt sie sich durch das Laufen auf Krücken und die Schmerzmittel schwach und ausgeliefert. Sie hat keine Lust zu lesen, Musik zu hören und hakt einen Tag nach dem anderen ab. Um sie herum Kranke in den Speisesälen, auf den Fluren.

Aber – und damit hat sie gar nicht gerechnet - in der Mitte des weiten Aufenthaltsbereichs der Klinik steht ein schwarzer Flügel, das Instrument, das sie liebt und auf dem sie seit ihrer Jugend eigene Melodien spielen kann. An einem Tag humpelt die Frau auf Krücken zu dem Flügel. Zu ihrer Überraschung lässt sich der Deckel zur Tastatur öffnen. Sie stellt ihre Krücken zur Seite, setzt sich auf den Stuhl, legt die Hände auf die Tasten und spielt. Nicht laut und hämmernd, sondern leise. Wie für sich. Sie spielt ohne Noten einfach das, was sie bewegt: ihren Schmerz, ihre Hilflosigkeit. Beim Spielen richtet sich ihr Körper auf. Ihre Finger beginnen, von Freiheit zu erzählen, von der Schönheit des Lebens, von der Liebe zu ihrer Familie. Die Frau schaut durch die Fenster in den grauen Winterhimmel, vergisst die Krücken, die Therapien.

Als sie ihr Spiel beendet, ist es still im Raum. Dann klatschen Menschen. Sie sieht in frohe Gesichter. In der folgenden Zeit spielt die Frau immer wieder auf dem Flügel. Für sich und für andere.

Als die Frau mir vor kurzem von ihrem Erlebnis erzählt hat, kam mir wieder der Gedanke: Gott, du umarmst uns mit der Wirklichkeit.

Manchmal so völlig unerwartet, so wie nebenbei und zugleich so befreiend.

Aus Coesfeld grüßt Sie Petra Fietzek

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