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Kirche in WDR 3 | 09.10.2018 | 07:50 Uhr

Was für ein Brief

Guten Morgen!

Als junger Student war ich für einige Monate weit weg im Ausland. Damals gab es nur eine einzige Möglichkeit, mit zu Hause in Kontakt zu kommen: Briefe zu schreiben. Internet gab es nicht; telefonieren war viel zu teuer. Ich schrieb meine Briefe auf extra dünnem leichtem Luftpostpapier. Viele Tage waren sie unterwegs, manchmal Wochen, bis sie die Empfänger erreichten. Und wenn ich selbst Briefe bekam: Wie habe ich mich darüber gefreut!

Wenn ich heute im Ausland unterwegs bin, dann erreichen meine Nachrichten per Email, SMS, Whats-App die Empfänger fast in derselben Sekunde und Antwort erhalte ich oft sofort. Das ist schon toll, wie wir heute miteinander in Kontakt sein können, fast egal, wo in der Welt wir uns aufhalten.

Aber ich freue mich auch, wenn ich einen handgeschriebenen Brief bekomme oder wenn jemand eine schöne Karte für mich ausgesucht hat und sie mir schickt. Îch merke: Da denkt jemand an mich; da hat sich jemand Zeit genommen, um mir zu schreiben; da möchte mir jemand etwas erzählen; vielleicht in einer schwierigen Situation helfen. Da mag mich jemand; da bin ich für einen anderen wichtig. Briefe können etwas in mir bewegen, verändern.

Das alles ging mir durch den Kopf, als ich gelesen habe, dass heute Weltposttag ist. Der Tag soll an die Gründung des Weltpostvereins im Jahr 1874 erinnern.

Auch in der Bibel sind uns im Neuen Testament über zwanzig Briefe überliefert. Besonders der Apostel Paulus hat unermüdlich Briefe an seine Gemeinden geschrieben. Ein Zeichen dafür, wie sehr ihm die Menschen in diesen Gemeinden am Herzen liegen.

Einer dieser Briefe sticht aus den anderen etwas hervor. Es ist der einzige private Brief von Paulus, der uns erhalten ist. Er ist sehr persönlich. Zwei Männer stehen im Mittelpunkt dieses Briefes. Der eine ist Philemon, Empfänger des Briefes, Mitglied einer christlichen Gemeinde, wohlhabend und einflussreich.

Der andere ist Onesimus. Er ist Sklave des reichen Philemon. Doch er ist abgehauen von seinem Besitzer und bei Paulus gelandet, wird ihm ein guter Freund. Onesimus hatte wie Philemon zum christlichen Glauben gefunden. Und er hatte es mit der christlichen Freiheit wörtlich genommen: Er wollte nicht mehr Sklave sein, sondern in Freiheit leben.

Paulus setzt sich mit seinem Brief an Philemon für ihn ein. Und er meint: Onesimus selbst soll diesen Brief überbringen. Paulus schreibt an Philemon: „Dein Sklave Onesimus ist nun Mitchrist und Bruder geworden. Und so sollst du ihn in Zukunft behandeln.“

Dieser Brief muss dem Empfänger zu Herzen gegangen sein, er hat etwas bewegt und bewirkt. An anderer Stelle erfahren wir, dass Philemon Onesimus die Freiheit geschenkt hatte.

Was ist das doch für eine unglaubliche Botschaft, die in diesem kleinen Brief steckt! Paulus wagt zu hoffen, dass die gesellschaftlichen Unterschiede durch den Glauben ihre Bedeutung verlieren. Der eine: ein wohlhabender und einflussreicher Mann. Der andere: ein Sklave. Doch durch den Glauben sind sie Geschwister, vor Gott gleich.

Geschwister sein – vor Gott gleich. Bei aller Unterschiedlichkeit. Diesen Brief möchte ich im Kopf und im Herzen haben, wenn wir anderen begegnen - nicht nur am Weltposttag.

Das meint: Ihr Dietmar Arends, Landessuperintendent aus Detmold.

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