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Kirche in WDR 4 | 03.04.2017 | 08:55 Uhr

Wenn das Leben schwer wird …

„Na, wie geht’s?“ – Die banale Frage kann für manche Leute zum Davonlaufen sein. Sie wollen nicht lügen, aber auch nicht anderen zur Last fallen. Deshalb drucksen sie herum und weichen aus. Vielleicht ist aber auch das Eingeständnis einfach nur schwer: Nein, es geht nicht gut. Es geht sogar richtig schlecht, zum Davonlaufen!

Dabei kann es richtig gut tun, mal das ganze Elend rauszulassen, hemmungslos auszusprechen, was wirklich los ist. Für mich ist Hiob dazu ein Vorbild. Ich bin heilfroh, dass seine Worte durch die Bibel weitergetragen werden. Als der berechtigte Aufschrei derer, denen das Leben zu schwer wird:

„Mein Leben ist nur noch ein Hauch, nie mehr schaut mein Auge Glück.“, ruft Hiob im Alten Testament. Der Mann hatte aber auch wirklich alle Schicksalsschläge erlitten, die man sich ausmalen kann. Er will aufgeben: „Ich mag nicht mehr. Ich will nicht ewig leben!“

So spricht jemand, dem heute eine Depression bescheinigt würde. Wie aktuell doch die Bibel sein kann. Sie spricht aus, was Menschen heute fühlen: Alles ist zu viel, das Leben eine totale Überforderung. Einen solchen Hiob von heute traf ich ausgerechnet in der Passionszeit nach einem Gottesdienst. Es war eine Frau. Und sie sprach mich nach der Predigt an, in der es um Hiob ging. „Sie sprechen mir aus der Seele.“ Ihr tat es gut – diesen Aufschrei zu hören. Dass da mal jemand sagt, sagen darf, wie hundelend es ihm geht.

Im Alltag kommt das selten vor. Da muss jeder funktionieren – am besten multi-tasking. Das Smartphone in der Hand, jederzeit bereit, auf neue Anfragen zu reagieren. Beruf, Familie, Privatleben – volles Programm. Betretenes Schweigen, wenn mal tatsächlich jemand am Ende ist und aussteigen muss. Die Zahl der „Burn-Out-Erkrankten“ ist enorm gestiegen. Aus meiner seelsorglichen Arbeit weiß ich, wie viele heute vom Leben überfordert sind. Sie halten äußerlich durch, innerlich aber geht‘s ihnen miserabel.

Hiob kann da befreiend wirken. Da schreit jemand heraus, dass das Leben nicht zu ertragen ist. In der Bibel. Im Gottesdienst. Von wegen religiöse Vertröstung! Nackte Realität: Das Leben ist manchmal unerträglich. Jede von uns trifft vieles, was nicht zu „verpacken“ ist. Mal überfordert der Beruf, mal gerät das private Leben aus den Fugen. Es gibt Verletzungen, Niederlagen, Schicksalsschläge, alte Wunden aus der Vergangenheit. All das mit sicher selber auszumachen – das geht auf Dauer nicht.

Wie gut täte es, wenn wir uns nicht ständig etwas vormachten – als wäre alles so einfach. Glücklich, wer Menschen hat, denen so etwas anvertraut werden kann, ganz ungeschminkt.

Ich bin froh, so ein paar Leute zu haben. Aber natürlich gibt’s auch Zeiten, wo die nicht da sind. Oder wo es nicht geht, ihnen etwas anzuvertrauen. Dann mache ich es wie Hiob - und wende mich an Gott. Da weiß ich, dass ich nicht nett sein muss, dass ich alles losdonnern kann. Gott hält das aus. Und mir tut es gut.

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