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Kirche in WDR 3 | 28.02.2018 | 07:50 Uhr

„Work-Life-Balance oder: Mutmaßungen über einen Geschäftsmann“

Guten Morgen! Ein smarter Business-Typ mittleren Alters lehnt salopp an seiner schnittigen Limousine. Die dunkle Aktentasche über einer Schulter, am Ohr sein Smartphone, konzentrierter, nachdenklicher Blick. Dieses Werbeplakat einer Bank löst bei mir Fragen aus. Ob der Mann wohl hart arbeiten muss für sein Geld? Oder ist ihm der Wohlstand schon in die Wiege gelegt worden? Wem wird er das Geld bringen, das er in der Aktentasche hat? Der nächsten Bank? Zum Transfer auf’s Auslandskonto? Oder ordert er dafür gerade einen Sportwagen, als Überraschung für seinen Sohn, der heute 18 wird? Aber er hat so einen nachdenklichen Blick. Wen hat er an der Strippe? Den Börsenmakler für das nächste spekulative Finanzgeschäft? Weiß er, was ein Brot kostet? Wie man mit 800,- Euro im Monat über die Runden kommen muss?

Und wenn er gerade seinen Erziehungsurlaub beantragt? Sich endlich Zeit für die Kinder nimmt? Oder jetzt doch Gelegenheit findet, sich ehrenamtlich zu engagieren - in der Amnesty-Gruppe oder bei der Schuldnerberatung? Oder er nutzt die Pause, um seiner Frau wenigstens telefonisch zum Geburtstag zu gratulieren, denn heute früh war sie noch nicht auf, als er zur Arbeit fuhr… Oder er telefoniert mitten am Tag mit seiner alten Mutter und sagt ihr, dass er an sie denkt. Es könnte aber auch sein, dass er die Verabredung mit einem Freund absagt. Wieder einmal. Weil die Geschäfte drängen. Es gilt eben manchmal keine Zeit zu verlieren. Eigentlich wollten sie seit langem mal wieder bei einem Bier über Gott und die Welt reden. Aber das muss warten.

Was wäre, wenn er mich an der Strippe hätte? Was würde ich ihm sagen? Vielleicht: Ich find’s toll, wie du dich einsetzt im Beruf. Aber kann es sein, dass du immer auf der Überholspur unterwegs bist in deinem Leben? Komm zu dir selbst! Verkauf nicht deine Seele mit. Und sieh vor allem was noch in dir steckt, was da noch alles ist an unentdeckten Möglichkeiten in dir… Du sagst, das geht nicht, die Sachzwänge halt. Und ich hätte keine Ahnung vom Geschäftsleben. Hab ich auch nicht, jedenfalls nicht so wie du. Aber gerade, weil du Ahnung hast: Unterwirf dich nicht dem, was du die Sachzwänge nennst – sie haben schon viel zu viel Macht über dich und deinen Alltag! Gebrauche deinen wachen Geist und deine Phantasie, tu dich mit anderen zusammen. Wenn die Arbeit euch beherrscht, setzt dem etwas entgegen. Beeinflusst die Spielregeln. Du sagst doch sonst immer: Was man will, das schafft man auch. Du sollst ja gar nicht total aussteigen. Das wäre das gleiche Extrem, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Setz doch deine Kreativität, dein ganzes Talent ein, damit deine Strukturen anders werden. Damit noch Platz bleibt für mehr als Arbeit.

Und wenn ich einen dieser ganz mutigen Augenblicke hätte – man will ja nicht zu aufdringlich sein – dann würde ich ihm einen Satz von Jesus ans Herz legen: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt an seiner Seele?“ (Lukas 9,25)

(Ende WDR 4. Verabschiedung für WDR 3 +5:)

Einen möglichst stressarmen und druckfreien Tag wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Michael Opitz aus Düsseldorf.

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