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katholisch

Kirche in WDR 5 | 29.01.2014 | 06:55 Uhr

Grenzen überschreiten wie Paulus

Liebe Hörerinnen und Hörer!

„Wenn du singst, sing nicht allein, steck andere an, singen kann Kreise ziehn. Zieh den Kreis nicht zu klein!“ So heißt es in einem neuen geistlichen Lied. Immer wieder, in all den verschiedenen Strophen fordert das Lied dazu auf: Wenn du sprichst, sprich nicht allein! Wenn du hörst, wenn du weinst, wenn du lachst: tu es nicht allein. Denn Sprechen, Hören, Weinen und Lachen – all das kann Kreise ziehn.

Wie das geht? Hab doch den Mut, dein Leben mit anderen zu teilen. Das Lied ist ein Impuls, sich nicht abzukapseln, sich vielmehr auf neue Menschen hin zu öffnen. Das mag im Einzelfall schwer fallen, aufs Ganze gesehen ist es notwendig, damit eine menschliche Gesellschaft funktionieren kann. Ohne den persönlichen Austausch unter den Menschen kann weder eine gute Idee weitergegeben werden noch kann sie im Menschen wachsen. Mehr noch: Ohne den Austausch ist gegenseitige Annahme nicht möglich und damit auch kein Friede.

Zieh den Kreis nicht zu klein. Das könnte geradezu ein Wort aus dem Munde Jesu sein. Dem Matthäus-Evangelium zufolge gibt Jesus seinen Aposteln den Auftrag: „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern!“ (Mt 28,19) Die junge Kirche hat sich mit diesem Auftrag des Herrn zunächst schwer getan. Es ist eben einfacher, im vertrauten Kreis zu bleiben, als sich auf andere Menschen und neue Gegebenheiten einzulassen. War das Evangelium wirklich für alle Menschen bestimmt, auch über Israel hinaus? Und wenn schon, mussten diese Menschen dann nicht erst den Umweg über den jüdischen Glauben nehmen, sich beschneiden lassen, um dann Christ zu werden?

Es war der Apostel Paulus, der mutig die Grenzen zu den anderen Völkern überschritten hat. Er entfaltete ein kaum zu beschreibendes missionarisches Bewusstsein und schreckte auch vor Konflikten mit Autoritäten wie etwa mit dem Apostel Petrus nicht zurück. Im Zuge seiner Missionsreisen besuchte er die ganze damals bekannte Welt. Er gründete Gemeinden in der heutigen Türkei also in Kleinasien und in Europa, in Griechenland und hielt zu ihnen Briefkontakt, bis er schließlich den Märtyrertod vermutlich um das Jahr 66 in Rom erlitt.

Wenn Paulus diesen Mut nicht gehabt hätte, das Evangelium über die Grenzen Israels hinaus zu tragen, sähe die Kirche und die Welt heute vermutlich ganz anders aus. So aber konnte das Christentum wachsen und sich ausbreiten.

Wir wissen heute, dass missionarisches Tun der Kirche nicht bedeuten kann, anderen Menschen den Glauben an Jesus Christus aufzuzwingen, schon gar nicht mit Gewalt. Wohl aber ist es im Sinne Jesu, allen Menschen die unbedingte Liebe Gottes zu bezeugen – unabhängig wo sie leben und was sie glauben. Gott wendet sich all seinen Geschöpfen zu und hat ihr Heil und Lebensglück im Auge. Also: Zieh den Kreis nicht zu klein. Auch heute sind Grenzüberschreitungen im Sinne des Paulus nötig: Als Zeugen und Zeuginnen der Liebe Gottes ist es wichtig auf andere Menschen zuzugehen, denn die Botschaft vom liebenden Gott geht alle an!

Etwas davon kann ich schon sichtbar machen, wenn ich zu anderen Menschen freundlich bin. Ich werde heute ganz sicher wieder vielen Menschen begegnen. Manche sind mir sympathisch, andere nicht. Mit den Einen tue ich mich leicht, mit den Anderen schwer. Aber das muss nicht mein Verhalten ihnen gegenüber bestimmen. Vielleicht kann es mir gelingen, heute wenigstens auf einen Menschen zuzugehen, der bisher nicht zu dem Kreis meiner Vertrauten und Sympathisanten zählte. Es bedarf ein bisschen Mut, Grenzen auf den Nächsten hin zu überschreiten – aber vielleicht gelingt so, bei aller Verschiedenheit der Menschen, mehr Verständigung und Frieden zu fördern. Das wäre schon ein kleiner Akt der Nächstenliebe. Der Apostel Paulus jedenfalls hat das gekonnt. Er hat so Menschen zusammengeführt, die sich sonst fremd geblieben wären.

Ich bin Pfarrer Heinz-Josef Löckmann und wünsche ihnen, dass auch Ihr Tun heute Kreise zieht.

Text: Hans-Georg Surmund, zitiert nach: Lobt den Herrn. Neues Schwerter Liederbuch, hrsg. von PSM Pastoralverbund Schwerte, Medien GmbH, Nr. 369.

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