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Kirche in WDR 3 | 27.11.2017 | 07:50 Uhr

Wünschen

Ich glaube an Wünsche, und dass sie mit oder ohne Gott in unserer Welt wirken.“

Es war am Ende seiner Friedenspreisrede – da hat Navid Kermani vor zwei Jahren die Festgesellschaft in der Frankfurter Paulskirche mit diesen Worten zum Gebet aufgerufen. Kermanis Wunsch: Jeder solle doch für in Syrien entführte Menschen beten, mindestens gute Wünsche schicken: Jeder für sich, gemeinsam an diesem Ort. Darf man das, in einer nicht-religiösen Veranstaltung, über Glaubensgrenzen und Bekenntnisse hinweg zum Beten aufrufen? Passt das in unsere Gesellschaft, was z.B. in Amerika relativ normal ist? Der Schriftsteller und Orientalist Kermani, Kind von Einwanderern aus dem Iran, hat mit seiner Rede und deren Ende einmal mehr die deutsche Gesellschaft zum Nachdenken und Aufmerken gebracht. Heute wird Kermani 50 Jahre alt und erhält in Köln den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen. Mich als Christin und ähnlich alte Zeitgenossin hatte sein Aufruf in der Paulskirche positiv bewegt. Zumal er noch hinzufügte:

„Und wenn Sie nicht religiös sind, dann seien Sie doch mit Ihren Wünschen bei den Entführten. Was sind denn Gebete anderes als Wünsche, die an Gott gerichtet sind?“ Und er sagte: „Ich glaube an Wünsche, und dass sie mit oder ohne Gott in unserer Welt wirken. Ohne Wünsche hätte die Menschheit keinen der Steine auf den anderen gelegt, die sie in den Kriegen so leichtfertig zertrümmerten.“

Ich finde diese Worte von Kermani stark. Und ich hoffe darauf, dass das mit dem Wünschen nicht zu märchenhaft klingt. Grimms Märchen beginnen ja oft mit der Formel von den „Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat“. Nein, das darf nicht nur für Märchen gelten. Möge auch unsere Zeit eine Zeit sein, in der das Wünschen hilft. Mögen Menschen muslimischen, jüdischen, christlichen Glaubens mit allen Menschen guten Willens, ob sie an einen Gott glauben oder nicht, das Wünschen nicht verlernen. Mögen wir uns mit den Verhältnissen in der Welt nicht zufrieden geben und sie nicht achselzuckend aufgeben. Wünschen, dass es anders ist, das ist doch das mindeste. Das will ich nicht vergessen.

Für heute wünsche ich Ihnen einen guten Tag und Navid Kermani ein herzliches „vergelts Gott“ – Ihre Susanne Moll aus Aachen.

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