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Das Geistliche Wort | 09.04.2017 | 08:35 Uhr

„YOUNG MISSION“

Runter vom Sofa und rein ins Leben!

Dieses Anliegen hat Papst Franziskus beim letzten Weltjugendtag in Krakau den Jugendlichen ans Herz gelegt! Er will keine "Sofa-Jugendlichen, sondern junge Menschen mit Schuhen, noch besser mit dicken Boots an den Füßen". Er will junge Menschen, die Spuren in ihrem Leben für eine bessere Welt hinterlassen. Er will sie zu Missionaren machen. Was das bedeutet, konnte ich als Jugendpfarrer des Erzbistums Paderborn erfahren, beim Weltjugendtreffen in Rio de Janeiro 2014 und immer wieder im Jugendhaus meines Bistums in Hardehausen, dessen Leiter ich bin.

Guten Morgen, lieber Hörerinnen und Hörer,

heute am Palmsonntag lädt der Papst die Jugend der Welt wieder ein in ihren Heimatländern zusammenzukommen. Das ist ein Weltjugendtag im Kleinen, auf Bistumsebene. Papst Johannes Pauls II. hatte damit schon vor über 30 Jahren angefangen. Heute ist es Papst Franziskus. Er ruft den Jugendlichen bei ihren Treffen einen Vers aus dem Loblied Marias zu:

Sprecher:

„Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.“

Von Maria kann man gerade nicht behaupten, dass sie das Sofa, also ein bequemes Leben bevorzugt hat. Vielmehr hat sie sich auf das Abenteuer mit Gott eingelassen. Man könnte sagen: Ihre Mission ist es, Ja zu sagen zur Menschwerdung Gottes, Ja zu sagen, dass Jesus als der Retter der Armen und Unterdrückten geboren wird. So sagt Maria verheißungsvoll:

Sprecher:

„Denn er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.“

Wer sich für diese Verheißung einsetzt, der zeigt wirklich Größe.

Doch es gibt bis heute auch Stimmen in dieser Welt, die Größe mit Macht und Profit verwechseln, die ihre Größe gerade auf Kosten der Armen und Schwachen aufbauen. Es gibt Stimmen, die sich Größe verschaffen, weil sie durch Terror Menschen Angst einjagen, weil sie auf Kosten der Flüchtlinge Politik betreiben, weil sie die Unsicherheit der Menschen ausnutzen und weil sie die Wahrheit mit Füßen treten. Deshalb brauchen wir umso mehr Menschen die echte Größe zeigen – wie sie Maria auszeichnet –, die diesen Stimmen nicht das Feld überlassen, die Spuren von Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Friedfertigkeit hinterlassen. Ich denke zum Beispiel an Mutter Theresa, Mahatma Gandhi oder Dietrich Bonhoeffer.

Musik 1: „Meine Seele preist die Größe des Herrn…“ T. u. M. Albert Frey (Magnificat)

Maria wurde Großes zugetraut und sie zeigte Größe. Das meint wohl der Papst, wenn er auf Maria verweist. Konkret lässt sich das beschreiben mit dem, was der Papst mehr als 3 Millionen Jugendlichen in Rio de Janeiro genau vor drei Jahren beim Weltjugendtag zurief, an dem ich mit Jugendlichen aus dem Erzbistum Paderborn teilnahm:

Sprecher:

„Bist du bereit in die revolutionäre Welle des Glaubens hineinzugehen?“ – „Ich möchte euch sagen, welche Wirkung ich vom Weltjugendtag erhoffe: Ich hoffe, dass es einen Wirbel gibt!“

Das Große, das der Papst sieht, entspricht den Wellen an der Copacabana. Sie sollen zu Wellen jugendlichen Schwungs in der Kirche und in der Welt werden. Der Papst erhofft sich von der Jugend, dass sie die Kirche und die Welt kräftig durcheinanderwirbeln. Er erhofft sich von der Jugend den nötigen Schwung und eine gewisse Leichtigkeit. Und damit wollte der Papst, dass die Jugend sich ein mischt und Verantwortung übernimmt. Als weiteres rief er den Jugendlichen zu:

Sprecher:

„Ihr seid die besten Missionare eurer eigenen Altersgruppe“ – „Wisst ihr, welches das beste Mittel ist, um die Jugendlichen zu evangelisieren? Ein anderer Jugendlicher.“

Diese Worte haben damals bei den Jugendlichen und mir deutliche Spuren hinterlassen. Wir haben uns gefragt, was wir tun können, damit der Glaube bei jungen Menschen wieder eine größere Bedeutung bekommt.

Musik 2: Fortsetzung „Meine Seele preist…“

Mit einer damals neu gegründeten Jugendbewegung YOUNG MISSION haben wir im Jugendhaus Hardehausen versucht eine Antwort darauf zu geben, wie der Glaube eine neue Bedeutung bekommen kann. Wir ließen uns anstecken von der Idee des Papstes, dass unsere Kirche eine junge Mission benötigt, also Jugendliche, die Wirbel machen, die sich für eine bessere Welt einsetzen. – Doch mit unserer Idee sind wir anfangs auf Unverständnis gestoßen. Fühlen sich doch noch einige Zeitgenossen an die unrühmliche Missionierung in den Entwicklungsländern seit dem Beginn der Neuzeit erinnert. Oder wir werden betrachtet, als ob wir daherkommen und die Wahrheit gepachtet hätten. – Wir Interessanterweise verbinden die jugendlichen Teilnehmer am Weltjugendtag in Rio mit dem Begriff Mission eine ganz andere Erfahrung. Sie haben in Brasilien eine missionarische Kirche erlebt, die sich für Straßenkinder und Aidswaise einsetzt, die junge Menschen buchstäblich von der Straße aufliest. Sie verbinden damit die Erfahrung, dass junge engagierte Christen Gleichgesinnte suchen, die auf eine neue Art und Weise ihrem Glauben Ausdruck verleihen möchten. Eine so verstandene Mission drängt sich nicht auf. Vielmehr hat sie den Anspruch, eine attraktive und einladende Kirche zu sein – und das gilt auch hier in Deutschland.

Seit dem Weltjugendtag in Rio hat die jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer uns eine Welle erfasst, die eine ungeahnte Dynamik entfaltet. Das Logo der Jugendbewegung YOUNG MISSION in Hardehausen zeigt daher auch eine große Welle. Denn so wie eine Welle angestoßen werden muss, so benötigen nicht nur die Jugendlichen von Rio, sondern wir alle immer wieder auch Erfahrungen und Ereignisse, die uns anstoßen und in uns etwas in Bewegung bringen, die uns mitreißen. Daher haben einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Rio sich etwas Neues überlegt. Sie wollen mit sogenannten Young Mission Glaubensevents erfrischend anders sein. Was diese Events sind, davon berichten einige Jugendliche, zuletzt von einer Veranstaltung in Unna:

O-Ton (4. Young Mission Weekend in Unna, 0.00-1.10 Min. (44 sek.)

Ich bin David und bei diesem Young-Mission-Weekend hier in Unna bin ich im Welcome- und Orgateam. Und jetzt stehen da noch so letzte Vorbereitungen an, wo wir das Licht nochmals ‘en bisschen einstellen und auch noch mal so die Kleinigkeiten machen, damit auch wirklich alles so 100% perfekt läuft heute Abend.

Wir waren hier mit 50 Leuten zu Gange dieses ganze Wochenende hier vorzubereiten. Es musste die Katechese, die Vigil Feier vorbereitet werden. Hier musste alles aufgebaut werden hier in Unna also das Pfarr – der Katharinentreff und die Kirche, damit’s hier für alle auch so schön aussieht und das hier die Gäste auch schön empfangen werden können.

Mit einem Welcome-Team werden die jugendlichen Teilnehmer schon gleich an der Eingangstür begrüßt. „Schön, dass Du da bist!“ ist zu hören – und sogleich erhalten die Jugendlichen schon einen alkoholfreien Cocktail in die Hand. Livemusik spielt in der Eingangshalle. Der erste Eindruck ist nämlich entscheidend. Mit einem Flashmob werden die Jugendlichen auf die Welle des Glaubens eingestimmt. Das geht so: Die Jugendlichen tanzen mit Händen, Füßen und dem ganzen Körper wie eine Welle. Spätestens jetzt wird die Stimmung locker und fröhlich. Kontakte findet man in dieser Stimmung schnell. Es ist schön zu sehen, dass Kirche sich wieder über Menschen wirklich freut, es ihnen zeigt und ausspricht. Das Welcome-Team leistet da ganze Arbeit.

O-Ton (8. Young Mission Weekend in Hardehausen 0-48 sek.)

Am meisten freue ich mich bisschen gemischt auf die Party einerseits und andererseits auf, ja, die Menschen also auf – ich freue mich schon darauf mich ‘en bisschen mehr mit manchen Leuten zu unterhalten.

Das Wochenende ist für mich ganz besonders, weil ich hier viele wiedertreffe, die ich halt vorher auch schon getroffen habe und ich empfinde da ganz viel Freude bei, Lebensfreude auch. Es hebt ab, dass ich hier sein kann, wie ich bin, dass ich meinem Glauben nachgehen kann mit anderen, die auch daran Freude haben, und das bringt für mich ganz viel Stärke und Kraft nach dem Wochenende.

Der Abend beginnt in der Kirche mit einer Lichterfeier und einem Glaubensgespräch. Jugendliche erzählen aus ihrem Leben, was Gott für sie bedeutet und wo sie vielleicht auch Schwierigkeiten haben: Wenn Gottesdienst langweilig sind, altbacken daherkommt und Sexualität überbewertet wird. Da gehört viel Mut zu, sich vor hunderten von jungen Menschen zu outen, zu erzählen, was einem der Glaube an Gott bedeutet. Diese Glaubenszeugnisse sind immer wieder beeindruckend und berührend. Ich finde das großartig und das macht Mut! Einige Jugendliche erzählen beeindruckt:

O-Ton (4. Young Mission Weekend in Unna, Maria Löblein, ab 1.48-2.20 (32 sec.)

Das Glaubenszeugnis hat mich schon angesprochen. Ich fand’s cool, dass dort ein Mädchen war, das 17 Jahre alt war, das – sprich – so alt war wie ich. Dementsprechend konnt‘ ich da auch viel nachvollziehen und es war einfach interessant.

Ich finde Kirche ist auch nicht einfach: Wir kommen hier zusammen und beten ein bisschen und dann geh ich wieder raus und dann komm ich nächste Woche wieder. Da muss zwischendurch irgendetwas passieren und – ja – ich glaube Kirche oder Glaube passiert auch ganz viel oder viel mehr sogar noch im Zwischenmenschlichen, im Alltag.

Zum Event gehört eine abendliche Lichterfeier. Sie ist ein echter Höhepunkt. Für die meisten Jugendlichen ist die Lichterfeier sehr berührend, weil sie die Größe der Liebe Gottes spüren, weil sie erfahren, dass unser Glaube eine Kraftquelle für ihr Leben ist. Danach klingt der Abend mit einer fröhlichen Party aus. Die Jugendlichen tanzen und feiern, weil sie gut drauf sind. Es ist so, als ob sich ein Ventil öffnen würde. Ja, es ist schön hier zu sein und tolle Menschen kennen zu lernen. Glaube und Leben gehören wie selbstverständlich zusammen. Am nächsten Tag folgen noch eine Katechese und ein feierlicher Abschlussgottesdienst mit inspirierender Musik. Einige Jugendliche ziehen ein positives Resümee:

O-Ton (8. Young Mission Weekend, ab 0:59-1.21 (13 sec.)

Es ist sehr modern gehalten aber es ist echt schön dafür als es ist – es strahlt ‘ne sehr große Ruhe aus.

Und für mich ist die Vigil immer so ‘en Highlight auch aufgrund der Lieder und aufgrund der Stimmung oder der Atmosphäre, die da ist.

Mittlerweile blicken wir schon auf dreieinhalb Jahre zurück mit Young Mission Glaubensevents. Ursprünglich sind wir ganz klein mit 60 Teilnehmern angefangen. Bei unserem letzten Treffen kamen schon gut 300 Jugendliche im Jugendhaus Hardehausen zusammen. Die Glaubensevents hinterlassen Spuren. Nicht wenige spüren, dass Gott für sie eine Mission hat, dass sie einen wichtigen Beitrag leisten können für eine junge Kirche und eine bessere Welt und sagen das auch:

O-Ton: 4. Young Mission Weekend in Unna, 4.51-5.25 (34 sek.)

Wir haben uns ja lange darauf vorbereitet und dafür – es hat genau meine Erwartungen getroffen.

Besser hätt‘ es nicht laufen können.

Der Gottesdienst gerade hat mir noch mal gezeigt, dass es sehr viele Jugendliche gibt, die einen Glauben auch richtig feiern können, und ich finde, wenn’s so weitergeht, dann wird die Kirche noch ganz jung und ganz modern.

Young Mission Glaubensevent – für mich ist das ein Aufbruch in eine gute Zukunft, in der Mission den helfenden und liebenden Kontakt zum Nächsten sucht. Der verstorbene brasilianische Erzbischof Dom Hélder Camara hat einmal Mission mit folgenden Worten umschrieben:

Sprecher:

Mission heißt aufbrechen,

sich auf den Weg machen,

alles lassen,

aus sich herausgehen,

die Kruste des Egoismus zerbrechen,

die uns in unser Ich einsperrt.

Mission heißt aufhören

sich um sich selbst zu drehen,

als wären wir allein der Mittelpunkt

der Welt und des Lebens.

Mission heißt sich nicht einschließen

in die Probleme der kleinen Welt,

zu der wir gehören.

Die Menschheit ist viel größer.

Mission heißt immer aufbrechen,

aber nicht Kilometer fressen.

Mission heißt vor allem

sich öffnen für die anderen

als Geschwister,

sie finden und ihnen begegnen.

Und wenn es nötig ist,

um sie zu finden und zu lieben,

die Meere durchkreuzen

und durch die Lüfte fliegen,

dann ist Mission aufbrechen

bis an die Grenzen der Erde.“

Musik 3: „I will follow you“, T. u. M. Christ Tomlin

Für eine so verstandene Mission möchte ich mein Leben gerne einsetzen. Ich will unsere Welt nicht den Unheilspropheten überlassen, sondern selber zu Propheten einer besseren, einer gerechteren, einer friedlicheren und fröhlicheren Welt werden. Nicht nur bei den Glaubensevents spüre ich: Nicht wenige Jugendliche setzen sich mit ihrem Glauben genau dafür ein und zeigen damit echte Größe! Deshalb unterstütze ich das Anliegen von Papst Franziskus: „Runter vom Sofa und rein ins Leben!“

Musik 4: Fortsetzung: „I will follow you”

Aus Paderborn verabschiedet sich Diözesanjugendpfarrer Stephan Schröder. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Palmsonntag.

*Anzeiger für die Seelsorge, Heft Nr. 10, 2008, S. 10, Mission – Dom Hélder Camara

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