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katholisch

Hörmal | 31.05.2018 | 07:45 Uhr

Zum Niederknien

Mein Bruder hat sich verlobt. Anfang des Monats hat er seiner Freundin den Heiratsantrag gemacht. Ich bin voll stolz. Aber zugleich bin ich über etwas gestolpert, von dem er mir erzählte, als er das gemacht hat: Mein Bruder ist dabei nämlich auf die Knie gegangen. Ich habe mal meinen Papa gefragt, der hat das nicht gemacht und ich auch nicht. Vielleicht ist mein Bruder einfach romantischer veranlagt.

Aber ich erinnere mich noch, dass ich mich schon gefragt hatte, ob ich das jetzt tun solle, als ich meiner jetzigen Frau bei einem Spanier in Münster die entscheidende Frage stellte. Aber ich denke, ich hätte die ganze Situation mit einem ironischen Spruch eh kaputt gemacht, wenn ich da unten gekniet hätte.

Und mal ehrlich: mich berührt das immer peinlich, wenn so was in einer TV-Show passiert und die Frau so konfrontiert wird ... die Arme ...

Das ist eben schon eine krasse Geste. Auf die Knie gehen. Sich demonstrativ klein machen. Die Geste ist uralt. Früher durfte man bestimmten Personen nur auf Knien begegnen: Königen, Bischöfen und den ganzen Großkopferten. Vielleicht bin ich zu sehr Demokrat oder einfach nur zu stolz, dass ich mir eigentlich sage: So schnell gehst Du nicht auf die Knie.

Wobei: Es gibt da eine Ausnahme. Und ich gestehe, dass es lange brauchte, bis ich da auf die Knie ging und zwar bei der Heiligen Messe. Und da spreche ich jetzt als Katholik.

Auf die Knie gehen kommt ja in vielen Religionen vor, im Islam knien die Muslime mehrmals am Tag. In der katholischen Kirche ist das immer dann, wenn „der Herr – also Gott – zugegen“ ist, wie es da heißt: Also im gewandelten Brot und Wein.

Und genau da hatte ich jahrelang meine Probleme. Es lag nicht am Stolz – vielleicht ein bisschen – es lag eher an der Theologie.

Ich finde nämlich zum einen, dass Gott mich in meinem Leben unheimlich aufgerichtet hat. Schon von klein auf hatte ich dieses Gefühl, dass Gott keiner ist, der mich in die Knie zwingen will und der auch keine Demutsgeste von mir fordert, wie ich das im Kommunionunterricht eingetrichtert bekam. Hinzu kam, dass ich dann irgendwann noch mal genauer in der Bibel las und sah, dass Jesus nicht nur sagt: Ihr findet mich in Brot und Wein. Sondern auch: Ihr findet mich in dem Gefangenen, in dem schutzlos ausgelieferten, im Kranken, im Sterbenden. Und weil ich es nie übers Herz bekam, vor einem Obdachlosen zu knien, meist noch nicht mal, ihn so zu behandeln, als sei hier Jesus anwesend, verkniff ich mir dann auch das Knien in der Messe.

Je älter ich wurde, umso mehr wurde es mir dann aber doch wieder ein Anliegen, hin und wieder zu knien. Und das mache ich jetzt ganz freiwillig. Denn ich weiß mittlerweile, dass die innere Haltung auch mit äußerer Haltung zu tun hat. Und diese Geste, auf die Knie zu gehen, hilft mir, zu begreifen, dass es Dinge gibt, die größer sind als ich. Und das ist Gott für mich. Und es tut meinem Stolz keinen Abbruch, das auch zu zeigen durch diese Geste.

Heute ist Fronleichnam und wenn Katholiken öffentlich auf die Knie gehen, dann passiert das bei diesem Fest. Denn da wird das Brot, der Leib Christi durch die Straßen getragen in einer goldenen Monstranz mit Weihrauch und so. Und die Leute, die knien davor. Ich weiß von Gesprächen mit Freunden, dass das auf viele befremdlich wirkt. Das sieht so unterwürfig aus. Manchmal gespielt, manchmal überfromm. Aber: ich find es mittlerweile gar nicht mehr peinlich, auch öffentlich auf die Knie zu gehen – wie gleich auf dem Roncalliplatz am Dom in Köln. Es gibt halt Dinge im Leben, die sind zum Niederknien.

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