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Kirche in WDR 5 | 13.11. 2018 | 06:55 Uhr

„Nächstenliebe ohne Grenzen“

Der Mensch ist ein Rudeltier. Er möchte nämlich irgendwo dazu gehören. Zu einer Gruppe. Das gibt ihm Sicherheit. Menschen können allein nicht überleben. In der Gruppe lernen sie Sozialverhalten. Das ist die eine Seite.

Die andere ist: Gruppen grenzen sich voneinander ab. Sie rotten sich zusammen und grenzen dabei andere aus. Im Rudel fühlen sie sich einfach stärker. Das gilt für alle, vom Fanclub über den Schützenverein bis zu den Kirchen: Man definiert sich. Definieren heißt wörtlich übersetzt: Grenzen ziehen. Gruppen grenzen ab und aus. Das gibt ihnen Identität. Je weniger einer weiß, wer er ist, desto mehr braucht er die Gruppe. Wer gar kein Selbstbewusstsein hat, bezieht seine Identität exklusiv aus der Gruppe. Die ihm dann sagt, wer er ist und was er tun soll.

Darum gibt es so viele Kriege. So viel Abgrenzung und Streit. So viel Rechthaberei und Dummheit. Nur darum! Denn Menschen ziehen Identität aus ihrer Nationalität, aus dem Familienclan, aus einer Gruppe. Die wird manchmal religiös überhöht. Auch Religionsgemeinschaften können so zum Rudel werden. Wenn man meint, den einzig wahren Zugang zum einzig wahren Gott zu haben. Das endet immer in Rechthaberei. In Definitionen und Dogmen. In Mord und Totschlag. Gott braucht keine Krieger und keine Verteidiger. Er braucht niemanden, der ihn beschützt.

Dieses Rudeldenken, das kommt noch aus der Frühzeit der Menschen, es steckt wohl in den Genen: Identifikation durch Abgrenzung. Es fängt schon bei den Rangeleien der Kinder an. Es ist bei Politikern anzutreffen, wenn die Partei wichtiger wird als das Gewissen. In Betrieben und Behörden, in der Kirche: Wer Karriere machen will, muss sich dem Rudel anpassen – und häufig genug seine Courage an den Nagel hängen. Nationalismus zum Beispiel ist letzten Endes die Anbetung der Gene: Verwandte sind dann Freunde, Fremde sind Feinde. In der Gruppe fühlt man sich stark – so etwas war in der Frühzeit der Evolution überlebenswichtig.

Als Mensch bin ich aber nicht nur ein Teil der Natur. Ich bin zur Kultur berufen. Zu einer Kultur der Menschlichkeit! Natur bedeutet: Der Stärkere siegt. Kultur heißt: Der Stärkere gibt nach! Natur bedeutet: Der Stärkere setzt sich durch. Kultur heißt: Der Stärkere beschützt den Schwachen! Natur bedeutet: Zuerst komme ich und meine Familie! Kultur bedeutet: Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du! Von Natur aus wird es immer wieder Kriege geben. Kultur ist das Rezept für den Frieden! Christsein geht sogar noch darüber hinaus: Liebe deine Feinde!

Deshalb will ich meine Identität nicht nur in der Abgrenzung sehen. Ich habe Würde, weil ich Mensch bin. Und nicht nur, weil ich zu irgendeinem Volk gehöre, zu einem Verein, zu einer Religion oder Konfession. Ich bin ein Menschenkind, und Gott ist der Vater aller Menschen. Das gilt für alle – universal!

Diesen Universalismus musste sogar Jesus lernen. Er hat sich zunächst verstanden als Teil seines Volkes. Er sagt: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“ Deshalb will er mit einer ausländischen und andersgläubigen Frau, deren Tochter krank war, nicht einmal sprechen. Er weist sie schroff ab. Doch die Frau bittet hartnäckig weiter. Sie akzeptiert die Abgrenzung einfach nicht. Deshalb bekommt sie, was sie wünscht: Ihre Tochter wird gesund. Und noch mehr. Jesus sagt zu ihr: „Dein Glaube ist groß.“ (vgl. Mk 7,31-37)

Das erste, das mir auffällt, ist: Jesus lernt. Und braucht dazu die Hilfe einer Frau. Er hat keine Angst mehr vor Andersgläubigen. Weil Gott der Vater aller Menschen ist.

Auch ich lerne mehr durch das Fremde als durch das Eigene. Wer nur im eigenen Saft schmort, wer außer seiner Nachbarschaft und seinem Verein seit Jahrzehnten nichts und niemanden mehr kennen gelernt hat, der wird provinziell, engstirnig. Deshalb ist es gut, in andere Länder zu reisen, Sprachen zu lernen. Multi-Kulti ist heilsam: Dadurch verliere ich meine Angst vor dem Fremden. Und werde tolerant. Dass Nächstenliebe keine Grenzen kennt, meint Pfarrer Stefan Jürgens aus Münster.

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