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Kirche in WDR 3 | 27.08.2014 | 07:50 Uhr

1939 – 75 Jahre Ausbruch des Zweiten Weltkrieges

Guten Morgen, verehrte Hörerinnen und Hörer!

In der Brieftasche, die seit dem Tod meines Großvaters 1956 in unserer Familie aufbewahrt wird, stecken zwei Postkarten. Sie zeigen Ansichten seines sauerländischen Heimatdorfes, das er bereits in jungen Jahren verlassen hat, um in der Großstadt Arbeit zu finden. Diese Postkarten haben ihn, der bereits im Ersten Weltkrieg einrücken musste, offenbar überall hin begleitet, als er mit über 40 Jahren im Zweiten Weltkrieg noch einmal Soldat werden musste. Mir machen die Bilder deutlich, dass all die vielen Soldaten, von den Millionen den Krieg nicht überlebt haben, keine „Kampfmaschinen“ waren. Es waren Menschen, die an ihrer Heimat hingen und sie liebten. Es waren Menschen, denen solche Fotos Mut und Hoffnung gaben durchzuhalten, um wieder nach Hause zu ihren Lieben zu kommen.

Daran denke ich, wenn in der nächsten Woche am 1. September des 75. Jahrestages gedacht wird, an dem der schreckliche Zweite Weltkrieg entfesselt wurde. Fast alle ha-ben die heisere Stimme des deutschen Diktators im Ohr, der in die Mikrophone schrie: „Seit 5.45 Uhr wird zurück geschossen!“ Und wir hören den inszenierten Jubel mit, der diese Ankündigung begleitet.

Das Gedenken an den Beginn dieses verhängnisvollen „Weltenbrandes“ lässt mich sofort an jene denken, über die dieser furchtbare Krieg so viel Leid gebracht hat: über 70 Millionen Opfer. Es sind die Opfer der Willkür und des Völkermordes, es sind die unschuldigen Zivilisten, die Soldaten, die in den Kampf getrieben wurden, und die eigentlich Unbeteiligten, die zwischen die Fronten gerieten. Ein Meer von Tränen hat sich aufgetan von unermesslicher Tiefe.

Heute gedenkt die katholische Kirche der Heiligen Monika. Sie ist die Mutter des großen Kirchenlehrers Augustinus. In der Glaubensgeschichte gilt sie als die große Weinende unter den Heiligen. Weil ihr Sohn Augustinus krumme Wege ging, hat sie für ihn gebetet und unzählige Tränen um ihn vergossen. Ist es zu gewagt, in ihr auch all die Tränen der Mütter widergespiegelt zu sehen, die im Zweiten Weltkrieg und in all den Kriegen der Menschheitsgeschichte um Männer und Kinder geweint wurden? Oft waren es ja gerade die Frauen und Mütter, die die brutalen Konsequenzen der Kämpfe, der Zerstörung und der Not zu tragen hatten und versuchten, trotzdem ihre Familien durchzubringen.

Wir wissen aus der Nachkriegsgeschichte, dass diese so gebeutelten Frauen trotz ihrer Tränen nicht das schwache Geschlecht waren. Als „Trümmerfrauen“ haben sie einen wesentlichen Beitrag zum Wiederaufbau unserer Städte geleistet.

Es gibt Fotos von Paderborn, wo ich lebe, die zeigen, wie die Stadt nach den verheerenden Bombenangriffen vom Januar und März 1945 aussah. Wenn ich diese sehe, kann ich jene amerikanischen Autoritäten verstehen, die nach der Befreiung sagten: „Ihr könnt diese völlig zerstörte Stadt nicht wieder aufbauen; baut euch anderswo ein neues Paderborn“.

Dass die Menschen es dennoch anpackten und beim Wiederaufbau mit dem schwer beschädigten Dom mitten in der Stadt begannen, ist für mich immer noch ein Wunder. Hier wie an vielen Orten war es auch der starke Glaube an Gott, der den Leuten Kraft gab. Für viele Menschen heute fast unbegreiflich, hat dieser Glaube Energien geschenkt, eine zerstörte Welt neu zu errichten. Und das gilt auch im übertragenen Sinne. Viele von denen, die nach dem Krieg ein neues Miteinander der Völker in Frieden als Vision hatten, die sie antrieb, waren entschiedene Christen. Auch auf diesem Gebiet hat der Glaube an einen Gott der Liebe vieles möglich gemacht, was nach menschlichem Ermessen eigentlich unmöglich war. Er hat geholfen, Brücken zu bauen und den Mut gegeben, Hände versöhnlich auszustrecken und solch ausgestreckte Hände zu ergreifen.

Wir Heutigen vergessen all das leicht. Aber genau dafür sind Gedenktage da: Sie erinnern an Katastrophen, an Hass, an Krieg und Zerstörung; sie lassen Schmerz und Tränen wieder aufscheinen. Aber sie zeigen auch, was die Hoffnung auf eine bessere Welt für Kräfte verleiht. Und der Glaube!!

Einen guten Tag wünschen Ihnen Weihbischof Matthias König aus Paderborn.

Copyright Vorschaubild: wikipedia

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