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Kirche in WDR 4 | 29.08.2014 | 08:55 Uhr

25 Jahre Fall der Mauer

Guten Morgen, verehrte Hörerinnen und Hörer!

Ich hätte nie gedacht, das zu erleben! Noch wenige Wochen vor dem Epoche machenden Ereignis vor 25 Jahren hatte die heisere Stimme Erich Honeckers noch getönt: „Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf!“

Und nun das: Am 9. November 1989 hatte eine missverstandene Äußerung von Günter Schabowsky den Todeswall, der Deutschland trennte, durchlässig gemacht. Der Funktionär der SED verkündete neue Reiserichtlinien und hatte auf Rückfrage geäußert, diese gälten ab sofort. Noch in derselben Nacht strömten tausende von Menschen in den Westen.

Die Bilder von weinenden, fassungslosen DDR-Bürgern, die zu Fuß, im Trabbi oder im Wartburg nach Westberlin gelangt waren, die hilflosen Gesichter der DDR-Grenzer, die Freude im Westen, wo Sektkorken knallten und die Nacht zum Tage wurde - das wird keiner vergessen, der es gesehen hat.

Ich habe diesen Moment verpasst, denn ich hatte eine Fortbildung. Internet, Handy und andere Kommunikationsmittel gab es noch nicht, die einen sofort informiert hätten. Erst am nächsten Tag erfuhr ich aus dem Radio, was geschehen war und konnte es kaum glauben. Ich weiß noch genau: die folgenden Tage habe ich viel vor dem Fernseher gesessen und die Entwicklung verfolgt, die unglaublichen Bilder nicht zu verpassen gesucht. Als ich auf der Autobahn in eine Heerschar von Autos mit DDR-Kennzeichen eintauchte und am kommenden Sonntag die ersten DDR-Bürger in meiner Gemeinde in der Messfeier waren, da war mir längst klar: ich war Zeuge eines großen geschichtlichen Ereignisses geworden.

„Den Sozialismus in seinem Lauf, halten weder Ochs und Esel auf“ – dieser Satz war Geschichte geworden. Und ich weiß nicht, welcher Ochs und welcher Esel von Honecker gemeint war: War es sogar ein Wink gegen die Christen – eine Anspielung auf den Stall von Bethlehem? Auf Ochs und Esel, die in der Weihnachtsnacht Zeugen wurden für das Christusereignis? Es hätte jedenfalls etwas, wenn der Atheist Honecker an diese beiden Tiere gedacht hätte. Denn aufgehalten wurde der Sozialismus entscheidend durch Christen und ihr Zeugnis.

Ich denke zunächst an den kürzlich heilig gesprochenen Papst Johannes Paul II. Allein seine Wahl 1978 hat den eisernen Vorhang durchlöchert. Die Besuche in seiner Heimat Polen haben dort den Menschen Mut gegeben, gegen das kommunistische Regime aufzustehen. Die Worte seiner ersten Polenreise 1979: „Habt keine Angst! Öffnet, reißt die Tore auf für Christus!“ hallten nach im gesamten Ostblock.

Und im Wendejahr 1989 waren es auch Christen, die in der DDR beim friedlichen Um-sturz in der ersten Reihe demonstrierten. „Wir erwarteten Aufrührer und es kamen Menschen mit Kerzen“. So soll ein fassungsloser Stasi-Offizier es gesagt haben, als die Montagsdemos in Leipzig begannen. Die Kirchen waren damals Sammelpunkte für alle, die es in dem Zwangssystem des anderen deutschen Staates nicht mehr aushielten. Friedensgebete sammelte Gläubige und Ungläubige und gaben ihnen den Mut, mit Kerzen – den Symbolen der Hoffnung – auf die Straße zu gehen. Darin steckte so viel Kraft, dass diese Bewegung in einem Maße anschwoll, der die Panik der Regierenden unendlich steigerte.

Bis heute ist es fast ein Wunder, dass dies alles ohne Blutvergießen verlaufen ist. Bis heute ist es ein Wunder, dass diese Bewegung der Freiheit sich so rasch über ganz Osteuropa ausgebreitet hat.

Ich kann es eigentlich immer noch nicht fassen. Darum bin ich dem Herrn der Geschichte, meinem Gott unendlich dankbar für dieses Wunder, das gläubige Menschen mit bereitet haben. Mein Glaube, dass dieser Gott auch weiterhin für Erstaunliches sorgen kann, wird dadurch immer wieder neu gestärkt.

Einen guten Tag wünscht Ihnen Weihbischof Matthias König aus Paderborn.

Copyright Vorschaubild: wikimedia

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