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Hörmal | 22.10.2017 | 07:45 Uhr

36 Sklaven

Im Urlaub will auch ich nicht mit unbequemen Wahrheiten behelligt werden. Aber ich hatte das ja selbst gewählt: Vor einem Monat war ich in Lissabon. Und meine Frau und ich hatten eine ausgefallene Stadtführung gebucht: Mit einem Immigranten aus Togo: „Auf den afrikanischen Spuren in Portugals Hauptstadt“.

Wir waren eine kleine, buntgemischte Gruppe: zwei afroamerikanische Frauen aus New York, ein junges Paar aus Saudi Arabien und meine Frau und ich aus Köln.

Naky hieß der Guide und Naky war überaus engagiert: Wir durften kreolische Küche probieren und gingen an Plätze in der Stadt, in der schon seit Jahrhunderten Afrikaner lebten. Richtig gehört: Seit Jahrhunderten. Was ich auch nicht wusste: Im 16. Jahrhundert war jeder 10. Einwohner in Lissabon afrikanischer Herkunft. Und das hatte einen einfachen Grund: Sklaverei.

Portugal war eine der ganz großen Nationen, die mitmischten im Sklavenhandel von Afrika nach Lateinamerika. Lissabon war das Drehkreuz.

Ich gebe zu: Sklaverei ist ein unbequemes Urlaubsthema, aber noch mehr war es das, was Naky uns irgendwann ins Gesicht sagte, uns aus New Yorker, Saudi Arabien und Köln: „Auch Euer Lebensstil verdankt sich der Arbeit von Sklaven.“

Das saß! Naky hat mich getroffen in meinem Lissabon-Urlaub. Zu Hause wollte ich mehr erfahren über Sklaverei heute. Es gibt da so eine Website, die heißt slaveryfootprint.org. Und auf der habe ich viel zu dem Thema gefunden. Schätzungsweise gibt es heutzutage rund 27 Mio. Sklaven, bzw. Zwangsarbeiter. Eine irre Zahl. Übertragen auf Deutschland wäre das Pi mal Daumen jeder Dritte Bundesbürger.

Und dann konnte ich auf slaveryfootprint.org noch ausrechnen lassen, wie viele Sklaven ich mit meinem Lebensstil für mich arbeiten lasse. Da geht es um meine Wohnsituation, meine Ernährung, mein Freizeitverhalten, meine Kleidung und meine technischen Vorlieben. Das hat mich geschockt: Ich kam auf 36 Sklaven, die für mich arbeiten. Ohne dass ich das mitbekomme. Ehrlich gesagt, ohne dass ich das mitbekommen will. Wer will sich schon als Sklavenausbeuter verstehen? Aber allein für mein Smartphone, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Zwangsarbeiter in eine Coltanmine gestiegen.

Aus Coltan wird nämlich das seltene Metall Tantal gewonnen, das in jedem Smartphone vorkommt. Und geschürft wird Coltan oft unter unmenschlichen Bedingungen – eben Sklavenarbeit!

Das ist eine unbequeme Wahrheit und ich bin froh, dass Naky sie mir gerade in meinem Urlaub ins Gesicht gesagt hatte.

Was ich dagegen tun kann? Hinsehen! Das ist das erste. Und im Rahmen meiner Möglichkeiten handeln. Das katholische Hilfswerk Missio hat sich zum Beispiel diesem Thema verschrieben: Sklaverei und Coltan in Smartphones. Missio hat überall im Land Sammelstellen für gebrauchte Handys aufgestellt. Denn anstatt die einfach wegzuschmeißen, kann das Metall oft noch mal recycelt werden. Das hilft, dass nicht immer Neues abgebaut werden muss. 19.000 Handys haben die von Missio bereits gesammelt!

Übrigens gibt es genug Sammelstellen für alte Handys, mit ein paar Klicks leicht im Internet zu finden.

Ok., das ist natürlich etwas mit Aufwand verbunden, aber besser als mit der unbequemen Wahrheit zu leben: Für mich sind hochgerechnet 36 Sklaven tätig.

Link zur Website: www.slaveryfootprint.org/

Kurzzusammenfassung zum Thema in deutscher Sprache: www.globalmagazin.com/blog/slavery-footprint-zaehle-deine-sklaven/

Link zur Handysammelaktion von Missio: https://www.missio-hilft.de/de/aktion/schutzengel/fuer-familien-in-not-weltweit/handy-sammeln/

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