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Kirche in WDR 2 | 03.02.2016 | 05:55 Uhr

6. Gebot

Sie sah wirklich gut aus. Mannomann! Dunkle, lockige Haare, gute Figur, schönes Gesicht. Ein bisschen jung für ihn. Aber was für eine Ausstrahlung! Wenn sie ihn ansah, wusste er kaum, was er tun oder sagen sollte. Eine tolle Frau! Wenn er nur an sie dachte, kribbelte es in seinem Bauch. Das Gefühl hatte er schon lange nicht mehr gehabt. Hatte gar nicht gedacht, dass er dieses Gefühl noch mal erleben würde. Aber jetzt war es da. Es beflügelte ihn richtig. Machte ihn glücklich, wie er es seit Jahren nicht gekannt hatte.

Und nun hatte er die Möglichkeit, sie wiederzusehen. Sie häufiger zu treffen. Es ergab sich fast von allein. Ganz problemlos. Ganz unauffällig. Er malte sich aus, was alles möglich sein könnte. Wie sie sich allmählich kennenlernen und immer mehr Gemeinsamkeiten entdecken würden. Musik, Filme, Vorlieben. Wie sie langsam zueinander finden würden.

Mann, mit dieser Frau könnte ich echt noch mal von vorne anfangen! Alles neu erleben. Die Nächte durchdiskutieren. Oder durchfeiern. Mit ihr wäre echt noch mal alles möglich. Wirklich alles. Irgendwann könnten wir dann auch wieder sesshaft werden. Ein Haus bauen. Noch mal Kinder kriegen. Glücklich sein.

So wie er es schon mal erlebt hatte. Mit der Frau, die er geheiratet hatte. In dem Haus, in dem sie jetzt wohnten. Mit den Kindern, die gerade schliefen. Das alles könnte noch einmal von vorne beginnen. Mit voller Intensität. Und vollem Genuss. Mit einem kompletten Neustart. Und wenn es dann gut ist, wenn ich das alles voll ausgekostet habe, dann müsste ich doch auch in Ruhe alt werden können, dachte er.

An der Stelle brach er ab. Er wusste, er würde es nicht tun. Wahrscheinlich würde es gar nicht funktionieren. Sie war einfach zu jung für ihn. Und außerdem: Er könnte das nicht. Nicht weil er sich nicht trauen würde. Oder weil er feige wäre. Für ihn war die entscheidende Frage: Was würde ich aufgeben? Und was hätte ich zu gewinnen?

In dem Moment, wo er sich diese Frage stellte, merkte er: Das war es nicht wert. Das, was er hatte, war viel zu kostbar, um es auf’s Spiel zu setzen. Nur um irgendwann zu merken, dass vielleicht doch nur die Hormone mit ihm durchgegangen waren. Und dass er einen Riesen-Fehler gemacht hatte, der nie wieder gut zu machen war. Einen Fehler, den er jetzt gar nicht zu machen brauchte, weil ihm klar wurde, was er alles hatte. Wie gut es ihm ging. Wie kostbar sein derzeitiges Leben war. Und das seiner Familie.

Ist es langweilig, sich so zu entscheiden?

Ja, dachte er, vielleicht wirkt es ein bisschen uncool. Aber es sorgt dafür, dass du weißt, was du hast und wo dein Platz ist.

Genau dafür ist ja auch das 6. Gebot da: Du sollst nicht ehebrechen. Dieses Gebot sagt dir: Frag nicht immer nur, was du kriegen kannst. Und was du noch alles mitnehmen könntest. Was noch möglich sein müsste in deinem Leben.

Dieses Gebot zeigt dir, was du hast. Wie wichtig das ist. Wie wertvoll. Nicht wiederzubringen, wenn du’s einmal verloren hast.

Sich daran rechtzeitig zu erinnern, ist nicht uncool. Sondern enorm wichtig. Das war ihm jetzt klar.

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