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Kirche in WDR 5 | 28.08.2014 | 06:55 Uhr

65 Jahre Gründung der Bundesrepublik Deutschland

Guten Morgen, verehrte Hörerinnen und Hörer!

In diesem Jahr ist es 65 Jahre her, dass die Bundesrepublik Deutschland gegründet wurde und parallel dazu die DDR. Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz in Kraft; am 14. August wurde der erste Bundestag gewählt.

Viele Politiker, die an der Wiege der Bundesrepublik standen, waren Christen. Es waren Frauen und Männer, die für ihre politische Überzeugung Verfolgung und Exil auf sich genommen hatten. Es waren Menschen, die für ihre christliche Überzeugung leiden mussten. Jetzt wollten sie auf christlicher Grundlage das neue Gemeinwesen bauen. Darum beginnt das Grundgesetz mit den Worten: „In Verantwortung gegenüber Gott und den Menschen …“ (Präambel des Deutschen Grundgesetzes).

Heute möchten manche das tilgen; es scheint nicht mehr zeitgemäß, einen Staat auf eine Verantwortung gegenüber Gott zu bauen. Ich meine jedoch, wir brauchen Gott heute mehr denn je.

Die gleiche Überzeugung hat ein großer Denker der Antike, dessen Fest die Kirche heute feiert. Aurelius Augustinus, ein hoch gebildeter römischer Bürger aus Nordafrika, hatte nach einem bewegten Leben zum christlichen Glauben an Gott gefunden. Über manche Umwege war er vom Heidentum in eine christliche Sekte geraten, die man heute „radikal und fundamentalistisch“ nennen würde. Erst die Begegnung mit dem großen Kirchenlehrer Ambrosius von Mailand hatte ihn der Kirche zugeführt. Dort wurde er Priester und schließlich Bischof im Nordafrikanischen Hippo. Augustinus lebte in einer unruhigen Zeit. Das römische Reich wurde durch die Völkerwanderung erschüttert, die Westgoten hatten 410 Rom erobert und zerstört, kurz vor seinem Tod wurde auch Hippo von ihnen belagert. Vor diesem Hintergrund schrieb er seine Bücher namens „De civitate Dei“ – zu Deutsch: „Vom Gottesstaat“. In den Ohren von heute klingt dieser Begriff wie eine Provokation: Gottesstaat klingt nach Theokratie statt Demokratie. Dabei ging es Augustinus eher um eine bewusste Trennung von politischer und kirchlicher Macht. Jedoch suchte er nach einer Durchdringung des „Reiches Gottes“, von dem die Bibel spricht, auch im Diesseits – und das sah er im Einsatz jedes Christen angelegt. Er entwickelte darin die Idee, dass sich allein in den Christen, die nach Gottes Geboten leben, der Gottesstaat zeigen kann und nicht in einer politischen Struktur. Der Staat konnte nach seiner Ansicht sowohl Gott gewollte zeitliche Ordnungsmacht wie auch ein Reich des Bösen sein, das von widergöttlichen Kräften beherrscht wurde. Diese Zwiespältigkeit ließ Augustinus dem Staat gegenüber vorsichtig sein. Und er vollzieht damit einen wichtigen Schritt: Die Kirche besteht gänzlich unabhängig von der staatlichen Macht.

Die Gründung der Bundesrepublik vor 65 Jahren wirkt in manchem wie eine Illustration zu den Ideen des Augustinus. Mit Hilfe der Alliierten wird im Westen ein demokratischer Staat ins Leben gerufen, der heute noch als stabile Demokratie das vereinte Europa wesentlich mit trägt und prägt.

Die Herausforderung für die Christen bleibt jetzt, unseren Staat so zu prägen, dass er bei aller Unabhängigkeit möglichst viel von dem verwirklicht, was die Menschen in Würde, in Freiheit und Gerechtigkeit leben lässt. Einen Gottesstaat kann es auf Erden nicht geben. Aber von Gottes Güte und Menschenfreundlichkeit kann viel in unserem Staat lebendig sein, wenn seine Bürger, wenn gläubige Menschen daran denken, dass das, was in ihm geschehen soll, „in Verantwortung gegen Gott und gegenüber den Menschen geschieht“.

Gläubige Christen wissen daher um ihre Verpflichtung, sich in das Leben der Gemeinschaft einzubringen und auch Politik mit zu gestalten. Sie haben es dabei nicht immer leicht.

Doch ich bin dankbar für das vielfältige Zeugnis, das Frauen und Männer auch heute bewusst und sichtbar geben, die sich für das Wohl der Menschen unseres Landes und der internationalen Gemeinschaft einsetzen.

Aus Paderborn grüßt Sie Weihbischof Matthias König.

Copyright Voerschaubild: wikipedia

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