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Hörmal | 09.12.2018 | 07:45 Uhr

Advent

Früher bekam ich Anfang Dezember immer Kopfschmerzen. Weihnachten – das war für mich der Horror. Das Fest mit den 1000 Erwartungen. Nicht das jemand von mir erwartet hätte, dass ich eine Gans aus dem Ofen zaubere– nein, dafür kennen mich alle zu gut. Aber ich sollte mitspielen bei dem Theater. Meine Rolle – die konnte ich nur erahnen. Irgendwas mit Frieden – mit wir sind eine heilige Familie – heute streiten wir uns mal nicht.

Nicht, dass ich aus chaotischen Verhältnissen komme, alles ganz normal gewesen bei uns zu Hause. Vater, Mutter, Kind 1 und Kind 2. Aber trotzdem – alles sollte perfekt sein und ging dann meist daneben. Irgendwann gab es dann doch den obligatorischen Streit. Über Politik oder den Fleck auf der guten Tischdecke. Das überflüssige Geschenk oder die ewigen Geschichten aus dem Krieg. Ihr wisst ja gar nicht ...

Natürlich wussten wir nicht. Heute würde ich gerne wissen. Damals wollte ich nicht. Als Jugendliche waren mir die Kriegsgeschichten schnuppe. Nein, sie nervten!

Später, als ich älter war, sind dann oft am 1. Feiertag Freunde angereist oder Freundinnen. Die hatten sich zu Hause so gestritten, dass sie kurzerhand abgereist waren.

Heute habe ich keine Kopfschmerzen mehr – aber meine Eltern sind auch tot. Ich habe eine eigene Familie und Weihnachten ist bei uns herrlich unperfekt. Es gibt kein festes Ritual – wir sind da ganz spontan. Für mich findet das eigentliche Weihnachten ohnehin im Gefängnis statt. Wenn ich am 2. Weihnachtsfeiertag dort in den Gottesdienst gehe. Und wir dann alle zusammen vor Gott stehen – die von draußen und die von drinnen. Wenn mir die Tränen kommen, weil ich spüre wie nackt und bedürftig wir sind, wir alle, die Ehrenamtlichen und die Mörder, die Drogenkranken und die Bediensteten, die Kollegen und die Hochstapler. Und ich selbst. Mittendrin. Hier ist mein Weihnachten. Hier höre ich sie die Botschaft: Gott ist Mensch geworden. Hier verstehe ich sie: Gott ist nahe. Hier versteh ich, weil ich es spüre.

Vielleicht müssen Sie Ihr Weihnachten auch überarbeiten, schauen was an Ritual wichtig und was überflüssig ist, was sie brauchen, um sich selbst nahe zu kommen, um ihre Blöße zu erkennen, ihr angewiesen sein auf den, in dessen Namen wir diesen ganzen Zirkus hier veranstalten. Nein, ich habe nichts gegen den Zirkus. Aber das andere ist eben auch wichtig. Die Nähe Gottes zu spüren. Und das kann überall passieren. Auch im Advent. In der U-Bahn. Auf dem Weihnachtsmarkt. Am Arbeitsplatz oder auf dem Amt. Manchmal passiert es auch Heilig Abend, nachdem die Gans verputzt ist, die Pakete aufgerissen, die Umtauschaktionen geplant und die erste Flasche Wein getrunken. Man kann sie nicht planen, die Ankunft Gottes im eigenen Leben. Aber man kann sie erwarten, man kann mit ihr rechnen. Sie passiert. Und das Schöne ist: Manchmal sogar an Weihnachten.

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