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Kirche in WDR 4 | 07.12.2015 | 08:55 Uhr

Advent ist hier und jetzt

Guten Morgen! Sind Sie schon richtig wach? Sind Sie schon ganz da? Darum geht es nämlich jetzt im Advent. Da sein. Bereit sein. Gegenwärtig sein. Hier und jetzt. Hellhörig werden für Worte aus einer anderen Wirklichkeit. Gott ankommen lassen in meinem Leben. Nicht so einfach. Wie mach' ich das? Bei einem Taufgespräch sitze ich kürzlich einem Mann in den so genannten "besten Jahren" gegenüber. So ein richtiger Manager-Typ, dem seine Arbeit offensichtlich über den Kopf wächst, der einfach zu viel Stress hat. Er hat sich völlig verzettelt, sagt er. Und klagt: "Ich habe für nichts mehr Zeit. Aber nächstes Jahr werde ich weniger Termine haben“, meint er, "nächstes Jahr wird alles einfacher und besser. Da nehme ich mir mehr Zeit für meine Familie und für mich.“ Gegenwärtig sein. Hellhörig werden für die Worte aus einer anderen Wirklichkeit. Gott ankommen lassen in meinem Leben. Die Frau des Managers guckt so, als ob sie ihm kein Wort glaubt. Vermutlich sagt er das jedes Jahr. Ich sage: „Verschieben Sie Ihr Leben nicht auf morgen oder gar übermorgen. Nächstes Jahr wird überhaupt nichts besser werden, wenn Sie nicht sofort etwas ändern.“

Ein paar Tage später treffe ich eine ältere Dame, sechsundsiebzig Jahre alt und körperlich und mental ziemlich gut drauf, wie man so sagt… „Nein“, meint sie, „zum Seniorennachmittag will ich nicht gehen, da sind ja nur alte Leute. Dafür bin ich noch zu jung.“ Weil ich die Dame gut kenne und auch um ihre einsamen Momente weiß, antworte ich ziemlich unverblümt: „Wenn man sich zu überhaupt nichts mehr aufraffen mag, denke ich, dann ist man doch schon ziemlich alt.“ Gelächelt hat sie da; sie hat mich wohl verstanden.

Und dann noch die Begegnung mit einem jungen Mann. Er war mal mein Konfirmand. Nach seiner Konfirmation habe ich ihn nie wieder in der Kirche gesehen. Ganz sicher kein Einzelfall.

„Wenn ich mal älter bin“, meint er entschuldigend, „wenn ich mal älter bin, kann ich ja immer noch kommen.“

„Die lange Bank ist des Teufels liebstes Möbelstück“, habe ich mal gelesen. Wenn ich andauernd alles aufschiebe – morgen ist ja auch noch ein Tag – dann ist irgendwann nicht nur die Sache erledigt, sondern auch ich selbst. Deshalb plädiere ich für eine neue Wertschätzung des Augenblicks, des Jetzt und des Hier, für eine Würdigung der Gegenwart, die, so glaube ich, Gott uns besonders ans Herz legen will. Jetzt ist der Augenblick, den ich gestalten kann. Die Zukunft und die Vergangenheit - darauf habe ich keinen oder nur begrenzt Einfluss. Aus der Gegenwart kann ich etwas machen.

Die alten Griechen hatten dafür zwei Bilder. Die fortlaufende Zeit, die nannten sie „chronos“. Das ist die Zeit, die man auf der Uhr ablesen kann. Den Augenblick, das Hier und Jetzt, die nannten sie „kairos“. Und diesen „kairos“ stellten sie sich als einen Mann vor, einen Mann mit Glatze, nur eine einzige Locke auf dem kahlen Kopf. Daher auch unsere Redewendung: „Eine Gelegenheit beim Schopfe packen…“

Die Bibel überliefert an mehreren Stellen, dass Jesus gesagt hat: „Haltet euch bereit!“ „Bleibt wach!“ Damit ist wohl genau dies gemeint: Leben jetzt und hier. Leben nicht auf übermorgen verschieben. Gegenwärtig sein, den Augenblick, die Gelegenheit ergreifen. Damit wir unser Leben nicht verpassen. Damit wir die Begegnung mit Gott nicht verpassen.

Wenn mir also jetzt einfällt, dass ich wieder mal entrümpeln müsste – meinen Terminkalender, mein Gewissen oder einfach meinen Keller, dann schiebe ich das lieber nicht auf die lange Bank. Wenn ich unbedingt wieder einmal jemanden anrufen will, dann tu ich das sofort. Wenn eine Bitte um Entschuldigung ansteht – am besten gleich. Wenn ich von jemandem weiß, der ein gutes Wort braucht – gebe ich es ihm jetzt… Den Advent gestalten, nicht nur als Wartezeit auf Weihnachten, auf die Geburt Gottes in der Welt, sondern als aktive Zeit, in der ich Gottes Ankunft in der Welt entgegen gehe. Hellwach und gegenwärtig. Ihr Pfarrer Michael Opitz aus Düsseldorf.

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