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Hörmal | 05.02.2017 | 07:45 Uhr

Agathas Brüste und ne ernste Frage

Zu den wohl süßesten Früchtchen christlicher Gebäckfrömmigkeit gehören die Agathaküchlein. Im Herbst war ich auf Sizilien und konnte die Originale verputzen. Ein Gebäck zu Ehren der Heiligen Agatha. Die Brioche aus Frankreich ist mit den Agathaküchlein verwandt, aber nur in Catania auf Sizilien hab ich sie bislang prall gefüllt mit Vanillepudding genossen. Auf die Form kommt es an: halbierte Teigkugeln mit einem Nippel drauf.

Die Agathaküchlein erinnern eindeutig an Brüste. Und so süß und verboten die Kuchenbrüste auch locken, dahinter steht das Andenken an eine Märtyrerin. Ihre Todesumstände gaben den Küchlein die Form. Agatha von Catania starb vor über 1.700 Jahren, heute ist ihr Gedenktag. Der Legende nach weigerte sich die Tochter aus gutem Hause aus Glaubensgründen, im Bordell der Stadt zu arbeiten. Ihr Körper war ihr heilig. Darauf ließ der Statthalter von Catania ihr die Brüste mit einer Zange zerreißen und dann abschneiden. Agatha starb aber nicht daran. Die Legende erzählt weiter, über Nacht sei der Heilige Petrus persönlich erschienen in ihrer Gefängniszelle und habe ihre Wunden an den Brüsten geheilt. Erst der Gang über glühende Kohlen brachte ihr schließlich den Tod, im Jahr 250 nach Christus.

Heute, an ihrem Gedenktag, wird in Catania, im Süden Siziliens, mit großen Prozessionen an das Martyrium der Stadtpatronin gedacht. Gleich drei Kirchen erinnern an die Stationen ihres Leidens und ich bin sicher, es wird reichlich Agathaküchlein geben. Ich gestehe: ich verfolge diese Märtyrertraditionen meiner Kirche meist mit einer Mischung aus Schauder und Amüsement – zumal wenn damit Leckereien verbunden sind. Aber meist irritieren mich mehr die Folterszenen in Kirchen. Das wirkt auf mich immer wie aus der Zeit gefallen.

Fakt ist aber: Noch nie starben so viele Menschen für ihren Glauben wie in unserer Zeit. Und es hat in der ganzen Kirchengeschichte noch nie so viele christliche Märtyrer gegeben wie heutzutage. Früher galt einmal der Satz: „Märtyrerblut ist Christensamen.“ Dass Christen für ihren Glauben einstehen, das gehört also zur DNA des Christentums. Immer wieder beeindruckte, dass da welche bereit waren, das eigene Leben zu geben – auch für solche vermeintlich naiven wie utopischen Werte wie Nächstenliebe.

Zum Glück musste ich für meine christlichen Überzeugungen bislang nur mäßig eintreten. Das hat vor allem damit zu tun, dass ich hierzulande in guten Verhältnissen lebe. Und unter diesen Umständen war meine Zeugenschaft nicht allzu sehr gefordert. Bis jetzt jedenfalls.

Offen gestanden: Am 9.11., am Tag der Wahl von Donald Trump schaute ich morgens in den Spiegel und ertappte mich bei der Frage, ob ich es wohl noch erleben werde, dass ich für meine Überzeugungen einmal mit mehr einstehen werden muss, als mit ein paar Worten im Radio und ein bisschen Einsatz in der Kirchengemeinde. Der Blick in den Spiegel war ganz schön unbequem. Vielleicht war die Frage auch übertrieben. Aber sie stand mir erstmals vor Augen: Wärst Du dazu bereit? Gibt es etwas, wofür Du dein Leben einsetzen würdest?

Und – ich habe nicht heroisch „ja klar“ gesagt. Beim Blick in den Spiegel geht das nicht.

Es gibt so Fragen, die liegen schwerer im Magen als ein Agathaküchlein und die kann man auch nicht einfach wegstecken, wenn sie einmal im Raum stehen. Ich hoffe aber, dass ich, wenn es drauf ankommen sollte, den richtigen Geist habe zu entscheiden, was zählt.

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