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Kirche in WDR 3 | 31.07.2017 | 07:50 Uhr

Aktiv-Multi-Kontur

Guten Morgen!

Vor kurzem machte ich die erste Aktiv-Multikontur-Erfahrung meines Lebens. Es war tatsächlich eine Erfahrung, denn es war beim Fahren in einem Auto, genauer gesagt beim Mitfahren. Zum ersten Mal im Leben saß ich in einem Aktiv-Multikontursitz der S-Klasse. Da geschah, was sich in einem Artikel über diese modernen Autositze so liest: „In Kurven blasen sich die seitlichen Wangen auf.“ Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Nicht ich blies in Kurven meine Wangen auf, sondern mein Sitz die seinen. Schon beim kleinsten Ruck meines Körpers nach links oder rechts beim Abbiegen schmeichelte sich ein Polster um meine Seite und hielt mich wie mit Zauberhänden fest. Zugegeben: Auch ich blies in der ersten Kurve ein wenig die Wangen auf. Allerdings vor Staunen. Das also ist Aktiv-Multikontur für den besseren Halt.

Die Kirchen müssten auch so ein Produkt entwickeln, überlegte ich beim Fahren: einen Aktiv-Multikontur-Gott sozusagen, der dem Leben den optimalen Halt gibt, vor allem auf kurvenreichen Strecken, wenn es einen hin und her reißt. Wenn das Schicksal nur die kleinste Wendung nimmt, bläst er die linke oder rechte Seitenwange auf und hält einen so fest, dass man sich fühlt wie in Abrahams Schoß. Mit so einem Gott würde man immer gut fahren.

So ein Gott passt nämlich in eine Welt, die alles wegschafft, was Widerstandskraft erfordert. Man muss keine Seiten mehr umblättern beim Lesen, man kann sie einfach weiterwischen. Man muss keine Tasten mehr drücken beim Schreiben, man kann die Buchstaben mit leisester Berührung auf dem Touchscreen antippen. Man muss keine Klinke mehr runterdrücken, die Tür öffnet sich automatisch. Das Leben ist dadurch leichter geworden, zweifellos. Aber diese Art Leichtigkeit des Seins bringt uns auch um Fähigkeiten. Im Aktiv-Multikontur-Sitz wird man nicht aktiv, man wird passiv. Man fühlt sich rundherum gehalten und ist darum versucht sich hängenzulassen. Es sind indes die Widerstände, an denen man lernt. Es sind die Widerstände, an denen man selbst widerständig wird.

Gott gibt meinem Leben Halt, so beschreiben viele ihre Glaubenserfahrung. Doch dieser Halt ist etwas ganz anderes als eine Aktiv-Multikontur-Erfahrung. Alle großen Vorbilder im Glauben, Paulus, Franz von Assisi, Martin Luther, Dietrich Bonhoeffer, Mutter Teresa, Dorothee Sölle durchlebten Zeiten, in denen sie sich verloren fühlten. Jesus selbst fiel im Garten Gethsemane vor seiner Festnahme zu Boden und schluchzte haltlos vor Todesangst. In diesen Erfahrungen, die sie umwarfen, in den Depressionen, die sie an allem zweifeln ließen, war kein Gott, der die Seitenwangen aufblies. Aber diese Momente waren es, die ihrem Glauben Kontur gaben. Ihr Kampf mit der Verzweiflung war eben nicht nur Niederlage, sie war auch Quelle ihrer Kraft. Gott ist kein Aktiv-Multikontur-Gott, er ist ein Gott, der stark macht, sich gegen die Fliehkraft zu stemmen und Erschütterungen auszuhalten. Im Garten Gethsemane rang Jesus am Boden liegend voller Verzweiflung mit Gott. Danach stand er auf, weckte seine Jünger und sagte: Steht auf! Lasst uns gehen. Und trat seinen Verfolgern entgegen.

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