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Choralandacht | 25.07.2015 | 07:50 Uhr

All morgen ist ganz frisch und neu (eg 440)

Musik 1: Chorfassung. (WDR-BüroArchiv-Nr. 007, All Morgen ist ganz frisch und neu Track 18 Chor, mp3, Strophe 1,)

All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu; sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag.

Kinderstimme:

„Wie fröhlich bin ich aufgewacht

wie hab ich geschlafen so sanft die Nacht.

Hab Dank du lieber Vater mein

dass du hast wollen bei mir sein

Behüte mich auch diesen Tag

dass mir kein Leid geschehen mag“ (1)

Autor: Guten Morgen! So vertrauensvoll kann ein Tag beginnen. Man spürt dem fröhlichen Kindergebet nicht ab, dass es aus dem Jahr 1947 stammt, also unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg entstanden ist. Eine heile Kinderwelt in einer heillosen Zeit. Fröhliches Aufwachen nach sanftem Schlaf, statt nächtlichen Bombenangriffen. Ein Vater, der da ist und sein Kind beschützt nicht vermisst, gefallen, versehrt oder als gebrochener Mann heimgekehrt.

Vertrauensvoll und fröhlich klingt auch das Morgenlied, das Sie zu Anfang hörten. Es singt von Gottes Gnade und Treue. Jeden Morgen ist sie ganz frisch und ganz neu. Sie findet kein Ende, den ganzen lieben langen Tag nicht. Darauf ist Verlass.

Musik 1: Choral: (1. Strophe): All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu. Sie hat kein Ende den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag. (WDR-BüroArchiv-Nr. 007, All Morgen ist ganz frisch und neu Track 18 Chor, mp3, Strophe 1,)

Autor: Ein Mut machender Text - eine fröhliche Melodie. Erst spät sind sie zusammen gekommen, 350 Jahre nach ihrer Entstehung. Sie kommen zusammen in einer besonderen Zeit: Im Jahre 1927 haben Wilhelm Thomas und Konrad Ameln Text und Melodie zusammengefügt und in einer Sammlung von Morgenliedern herausgegeben. Die beiden Männer waren eng mit der Jugendbewegung verbunden. Jugendbewegung: Auch nach dem ersten Weltkrieg schien es vielversprechend und verlockend zu sein, sich in eine Gegenwelt hineinzuträumen. Gemeinsam wollen sie leben und arbeiten; naturverbunden in großer Harmonie, und miteinander singen: eine naturverbundene, singende Volksgemeinschaft fröhlicher Menschen gemeinsamen Erlebens und gemeinsamen Arbeitens. Die Älteren werden sich noch an die Lieder erinnern, die den Geist dieser Zeit atmen. Zum Beispiel dieses hier:

Sprecher: „Wer nur den lieben langen Tag ohne Plag ohne Arbeit

Vertändelt, wer das mag, der gehört nicht zu uns.

Wir stehn des Morgens zeitig auf,

hurtig mit der Sonne Lauf

sind wir, wenn der Abend naht,

nach getaner Tat

eine muntere, fürwahr

eine fröhliche Schar“

Autor: Das Lied „All Morgen ist ganz frisch und neu“ stimmt einen ähnlich optimistischen, harmonischen Ton an wie die Jugendlieder und das Kindergebet aus den Nachkriegszeiten des vergangenen Jahrhunderts.

Text und Melodie des Liedes „All Morgen ist ganz frisch und neu“ sind nicht nur deutlich älter als die Jugendbewegung des 20. Jahrhunderts. Sie führen uns bis in die Zeit der Reformation zurück. Sie atmen auch einen anderen Geist: Wir verlassen die fröhlich singende Volksgemeinschaft und ihr jugendlich gestimmtes Lebensgefühl. Wir verlassen die kindlich-heile Gegenwelt der Aufbaujahre.

Wir begegnen der spätmittelalterlichen Welt mit ihren Epidemien, Kriegen und Glaubensstreitigkeiten, in deren Schoß ein neuer Glaube aufbricht. Dieser neue Glaube schaut schweren Zeiten ins Angesicht und stellt sich den Härten des Daseins.

Sprecher: Der Dichter des Textes war der Reformator und Prediger Johannes Zwick. Geboren ist er 1496 in Konstanz. Er schließt sich der Reformation an und entscheidet sich 1522 – gerade ist er Priester in Riedlingen geworden – zu heiraten. Er wird durch kaiserliche Entscheidung abgesetzt, obwohl er sich mit der Gemeinde gut versteht. 1525 wird er als Pfarrer in Konstanz und führt dort gemeinsam mit seinem Bruder Konrad und mit den Brüdern Ambrosius und Thomas Blarer die Reformation ein. Auf friedliche Weise. Er schreibt Glaubensbücher, Lieder und Gebete und fördert den Gemeindegesang, ja er bricht eigentlich dem Gemeindegesang im süddeutschen und schweizerischen Raum Bahn. Der Liederdichter Ambrosius Blarer schreibt über ihn:

Sprecher: „Seine Lehre und Predigt war ganz rund und gesund, hell und klar, ordentlich und verständlich abgeteilt, einfältig, weit von aller unnütziger spitziger oder zänkischer Dingen Fürgebung.“ (2)

Autor: Johannes Zwick erkrankte 1542 an der Pest. Er war in Bischofszell für einen an Pfarrer eingesprungen, der selbst an der Pest verstorben war. Ein Chronist berichtet

Sprecher: „Als er etwas Zeit da oben war, wurde er auch an der Krankheit krank. Also ritt Doktor Jörg Vögeli zu ihm hinauf, ein Arzt. Aber Zwick starb. Der Vögeli kam wieder mit großem Frohlocken, sagte, er habe erst recht gelernet sterben, legte sich auch nieder an der Krankheit, sagte Gott dem Herrn großen Dank um seine Gnad, sagte: Der Herr hat mich ein Stück Seligkeit lassen sehen. Ist also wohl getröstet und, wie man sagen möchte, mit Freuden gestorben. Das alles geschah im Oktober.“ (2)

Autor: „All Morgen ist ganz frisch und neu.“ Dieses Gedicht umfasst ursprünglich acht Strophen. Heute stehen vier davon in unserem Gesangbuch. In der ersten Veröffentlichung, drei Jahre nach seinem Tod, trug der Text den Titel.

Sprecher: „Christlicher ganz Trostlicher Unterricht, wie man sich zu ainem säligen Stärben bereiten sölle“. (3)

Autor: Ein tröstlicher Unterricht, das ist für einen Theologen der Reformation immer ein Unterricht aus der Bibel. So ist es nicht verwunderlich, dass auch dem Morgenlied „All Morgen ist ganz frisch und neu“ ein Bibelwort zu Grunde liegt. Es steht im Alten Testament bei den Klageliedern Jeremias.

Sprecher: „Die Güte des Herrn ist’s, dass wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat doch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.“ (Klagelieder 3,22-23)

Sprecher: Johann Walter hat die Melodie, auf die wir „All Morgen ist ganz frisch und neu“ singen, eigentlich für Martin Luthers Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ komponiert. Aber Luthers Weihnachtslied ist bis heute mit Luthers eigener Melodie verbunden.

Wie würden wohl umgekehrt die Worte von Johannes Zwick mit Luthers Melodie klingen?

Sprecher, unterlegt mit

Musik 2, (Orgel – Melodie „Vom Himmel hoch“), Strophe 2: O Gott, du schöner Morgenstern, gib uns, was wir von dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, laß uns an Gnad kein Mangel han. (WDR-Archiv Nr. 39)

Gott selbst ist der Morgenstern. Sein Licht soll vom Himmel her leuchten in denen, die ihn darum bitten. Eine gute Nachricht kommt hoch vom Himmel her auf den harten Boden der Welt. Vom Himmel her soll die Botschaft für die ganze Welt auch uns erreichen, deshalb nehmen die Worte unseres Morgenliedes jetzt die Form des Gebets an: „Gib uns, was wir von dir begehrn; all deine Licht zünd in uns an.

Musik 3: Sänger(in) (3. Strophe): Treib aus, o Licht, all Finsternis, behüt uns, Herr, vor Ärgernis, vor Blindheit und vor aller Schand und reich uns Tag und Nacht dein Hand zu wandeln als am lichten Tag, damit, was immer sich zutrag, wir stehn im Glauben bis ans End und bleiben von dir ungetrennt (WDR-Archiv Nr. 139, Track 5, All_Morgen_ist_ganz_frisch.mp3)

Autor: An der letzten Grenze seines Lebens erkennt Johannes Zwick: Behütet sein – das brauchen wir Menschen alle, nicht nur, wenn es ans Sterben geht. Ob wir es uns eingestehen wollen oder nicht: Immer wieder sind wir angewiesen. Angewiesen darauf, dass Gott selbst uns trägt, und zwar durch das ganze Leben hindurch. Deshalb die Bitte: „Reich uns Tag und Nacht dein Hand“.

Eine überwältigende Perspektive: Im Glauben Stehen bis ans Ende, vereint mit Gottes Gnade und ungetrennt von seiner großen Treue. So soll es sein an meiner letzten Grenze. So soll es aber auch sein, wenn die Morgensonne lacht, das Aufstehen leicht fällt, das Tagesgeschäft locker von der Hand geht und wir uns, wenn der Abend naht und die Arbeit getan ist, miteinander des Lebens freuen. Bleiben Sie behütet – den ganzen lieben langen Tag. Ihr Dieter Beese aus Bielefeld.

Musik: Harfe solo, letzte Strophe mit Ausklang: All Morgen ist ganz frisch und neu. (Büro Archiv Nr. 10, Track 8)

(1)http://www.volksliederarchiv.de/kinderreime-1170.html, Großheppacher Liederbuch (1947), 17.05.2015.

(2)Ellsel, Reinhard: Lieder der Reformation aktuell ausgelegt, S. 106-114. Nachweis Blarer S. 109. Sterbebericht S. 110.

(3)König, Helmut: Wer nur den lieben langen Tag… Gedankenkreise um das Lied von Jens Rohwer und seine Verleger. In: Brachmann, Botho u. a. (Hrsg.): Die Kunst des Vernetzens. Festschrift für Wolfgang Hempel Berlin 2006 (Sonderdruck), S. 135-153. Nachweis Mundorgel: S. 136.

(4)Stalmann, Joachim: All Morgen ist ganz frisch und neu. In: Herbst, Wolfgang / Seibt, Ilsabe (Hrsg.): Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch Heft 18, S. 76-80. Nachweis Originaltitel: S. 76.

Musikinformationen:

Musik 1:

CD-Name: Wach auf, mein Herz, und singe

Track/-name: 18/All Morgen ist ganz frisch und neu

Komponist: Nikolaus Selnecker

Texter: Paul Gerhardt

Bearbeiter: Johann Crüger

Chor: Wilhelmshavener Vokalensemble

Leitung: Ralf Popken

Label: Edition Chrismon

LC-Nr.: 16005

Verlag: Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH, Hamburg

Musik 2

CD-Name: Singt, singt dem Herren neue Lieder

Track/-name: 21/Vom Himmel hoch, da komm ich her

Komponist: Martin Luther

Texter: Martin Luther

Interpret: Carl-Gustav Naumann (Orgel);

Helmut Gleim, Jürgen Irmscher (Hüfken-Orgel)

Label: Selbstvermarkter

Verlag: Ev. Kirche der Kirchenprovinz Sachsen

Musik 3

CD-Name: In dir ist Freude

Track/-name: 05/ All Morgen ist ganz Frisch und neu

Komponist: Johann Walter

Texter: Johannes Zwick

Interpret: Dorothea Rieger (Sopran); Heike Werner (Alt); William Lombardi (Tenor);

Markus Volpert (Bass); Jan Katzschke (Cembalo&Orgel);

Martin Wollin (Piano)

Label:JanzTeam Music

LC-Nr.:03583

Verlag:Janz Musikverlag

Best.Nr.:556225

Musik 4

CD-Name: Morgenstimmung – Klassische Musik zum Tagesbeginn

Track:8/All Morgen ist ganz frisch und neu

Komponist:Johann Walter

Texter:instrumental

Interpret:Anne-Sophie Bertrand (Harfe)

Label:KREUZ PLUS: Musik

LC-Nr.:06190

Verlag:Verlag Kreuz GmbH, Stuttgart

Best.Nr.:978-3-7831-2874-1

EAN:4014241828749

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