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Kirche in WDR 2 | 07.08.2015 | 05:55 Uhr

Alle elf Minuten verliebt

Was mir in diesem Sommer an allen Ecken und Enden begegnet, ist ein Werbeplakat der Partnerbörse Parship mit dem Slogan „Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über Parship“. Das klingt nicht nur, als ob es mit dem Verlieben ginge wie mit der der Stoppuhr beim Intervalltrainig. Sondern das suggeriert auch, dass sich Portale wie Parship inzwischen zur bevorzugten Form der Anbahnung von Liebesbeziehungen gemausert haben.

Ehrwürdige Institutionen wie der Schiebeblues auf der Klassenfete, der gemeinsame Kinobesuch, die Parkbank oder gar der Augenkontakt im Restaurant sind natürlich mega-out in einer Zeit, da aller Augen fest auf Laptop oder Smartphone gerichtet sind. Es konnte nur eine Frage der Zeit sein, bis der technologische Fortschritt auch die Liebe zwischen zwei Menschen erobert. Auf Parship beginnt der Weg ins Glück mit einem wissenschaftlichen Fragebogen, der aus 80 Fragen und 400 Antwortmöglichkeiten besteht. Mit den Mitteln der Transaktionsanalyse werden dann 32 Merkmale meiner Partnerschafts-Persönlichkeit ermittelt. Das ist etwas komplizierter als Blumen zu schenken, aber dafür ist der Erfolg phänomenal. Wie gesagt: alle 11 Minuten.

Nimmt man das Ernst, würde es rein rechnerisch bedeuten, dass sich im Jahr rund 48.000 Personen per Parship verbandeln. Da es in Deutschland aber laut Statistischem Bundesamt jährlich 380.000 Eheschließungen und nochmal so viele andere frisch geschlossene Partnerschaften gibt, läge die Trefferquote nur bei 3,1 %. Das klingt schon weniger sensationell. Doch ungeachtet dieser mageren Ausbeute hat Parship inzwischen immerhin 11 Millionen registrierte Mitglieder.

Solche Rechenspielchen sind natürlich lediglich der Beweis dafür, was man mit Statistiken alles machen kann. Mir geht es eigentlich um etwas anderes. Es ist doch eine merkwürdige Gesellschaft, in der man immer noch erbittert über die Homo-Ehe streitet, Sexualität auf bestimmten Internetseiten auslebt und passende Partnerschaften bei Parship sucht. Nur eins scheint überhaupt nicht mehr wichtig zu sein: sich daran zu freuen, dass sich immer und im-mer wieder Menschen ineinander verlieben – ohne Rücksicht auf Alter, Geschlecht oder Her-kunft, und bloß, um füreinander da und miteinander glücklich zu sein.

„Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn, so dass auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen und Ströme sie nicht ertränken können.“ Das ist weder Parship noch Porno, sondern steht überraschenderweise in der Bibel. Sie preist nämlich nicht nur, wie man meinen könnte, die viel zitierte Nächstenliebe, sondern die Liebe ganz urwüchsig und weltlich: als seelisches und körperliches Elementarereignis zwischen zwei Menschen. Und als Wunder Gottes, mit dem alles Glück auf Erden überhaupt erst anfängt. Wie schön, dass dafür Parship nicht zwingend benötigt wird.

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