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Kirche in WDR 3 | 22.05.2017 | 07:50 Uhr

Allein aus Gnade

O-Ton-Collage: Das ist, wenn man nett ist auch und wenn jemand Fehler macht oder so auch, man einfach nicht böse wird, sondern sehr nett ist. / Kinder wünschen sich das, aber auch normale Menschen, auch Eltern und Gott auch, Jesus auch, eigentlich jeder will, dass andere zu einem so sind.

Autor: Gnädig nämlich. „Allein aus Gnade“ können wir leben. Sagt Martin Luther. Gnade? Wie jetzt? Das war doch das, was vor Gericht ganz gut zu gebrauchen ist. Nach dem Motto: Gnade vor Recht. Oder wie die Kinder sagen: nicht böse werden, wenn jemand Fehler macht.

Das sieht Tobias, 24 Jahre alt und Heroin abhängig, anders. Als Haftentlassener, Vater – und vor allen Dingen: clean, sagt er:

O-Ton Tobias: Gnade hat für mich in erster Linie nichts mit dem Gericht zu tun. Gnade ist vielleicht ein Wort, das vor Gericht verwendet wird, das der vielleicht früher gehen kann. Aber für mich ist das keine richtige Gnade.

Autor: Richtige Gnade? Na ja, meistens meint man da ja noch irgendetwas was Gutes, was man nicht im Griff hat, bzw. nicht selbst gemacht hat, was einem passiert. Also noch mal eine andere Nummer als Glück. Weil: Gnade gibt jemand. Man kann sie nicht erwarten, sie steht einem nicht zu. Man bekommt sie geschenkt. Für Christen: von Gott. Nach 7 Jahren Konsum von Heroin sagt der heute clean lebende Tobias:

O-Ton Tobias: Ich erkenne Gnade jeden Morgen, wenn ich meine Tochter ansehe. Einfach daran, dass ich jeden Tag mich meines neu gewonnen Lebens erfreuen darf.

Autor: Beim Anblick eines Kindes auf die Idee zu kommen, das könnte etwas mit Gnade zu tun haben. Ok. Kann man drauf kommen. Zumal nach einer Befreiung aus dem Teufelskreis der Drogenabhängigkeit. Weil er weiß, wovon er spricht, sagt Tobias:

O-Ton Tobias: Also, ich habe für mich angefangen an was zu glauben, was höher ist als ich selbst. Früher war ich mir selbst der Nächste und ich war für mich die höchste Instanz. Und ich habe angefangen, darauf zu hören, was auch für andere Leute wichtig ist…, oder überhaupt erstmal zu merken, dass es was gibt, was größer und was wichtiger ist als ich.

Autor: Darum geht´s. Am Ende zu erleben: das ist nicht mein Ende. Am Ende meiner Kräfte, meiner Bemühungen, meines ganzen Willens zu erleben: Ich kann es nicht, schaffe es nicht. Ich brauche etwas, jemanden, Gott. Funktioniert natürlich nicht, wenn ich the master of my universe bin. Funktioniert natürlich nicht, wenn ich Gott bin.

Ich bin Mensch. Und brauche das. Das bedeutet Gnade und so wirkt sie. Dass manchmal etwas geschieht, dass ich etwas geschenkt bekomme, was ich nicht machen kann. Zum Beispiel am Ende, der ein Anfang wird, wie bei Tobias. Oder, weil´s einfach wunderbar ist, wie dieser Himmel jetzt leuchtet.

Gnade machst Du. Gott. Klar gilt das nicht nur für Drogenabhängige, Alkoholiker, oder verzückte „Indenhimmelstauner“. Als Christ glaube ich: das gilt für alle, die den alten Traum aufgeben, mehr als ein Mensch sein zu wollen. Und bei allem Unvermögen eine leise Sehnsucht spüren, es möge doch – um Gottes Willen – irgendwie „anders“ sein, „anders“ gehen. Durch Gottes Gnade.

O-Ton Tobias: Wenn jemand sieht, dass es auch anders geht, gezeigt kriegt, dass es auf der Welt noch was anderes gibt, wenn jemand ein unglaubliches Geschenk, das keinen materiellen Wert hat, erhält: das ist für mich Gnade.

Autor: In diesem Sinne verabschiedet sich Pfarrer Jönk Schnitzius, Seelsorger im Wuppertaler Jugendgefängnis.

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