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Kirche in WDR 5 | 17.06.2016 | 06:55 Uhr

„Alltag und Wort Gottes im Gespräch“

17. Juni 1953: Aufstand in der DDR

Guten Morgen!

Der 17. Juni ist in der Geschichte Deutschlands ein denkwürdiger Tag. Am 17. Juni 1953 und am Tag zuvor standen Menschen auf und protestierten gegen die Zustände in der damaligen DDR. Selbständige kleinere und mittlere Unternehmen sollten höhere Abgaben zahlen, um den Staatsaushalt zu finanzieren. Dieser war angespannt, weil die Einnahmen die Ausgaben nicht decken konnten. Zu hoch waren die Kosten für die militärische Aufrüstung und die hohe Besatzungs- und Reparationsausgaben. Die DDR-Verantwortlichen hatten in ihrer Wirtschaftspolitik auf die Schwerindustrie gesetzt, darüber aber die Produktion von Lebensmitteln und Konsumgütern vernachlässigt. 1952 waren die Ernten schlecht und es kam zur Ernährungskrise. Das erhöhte den Druck der Bevölkerung auf die Regierung. Diese ließ sich so sehr von der Ideologie leiten, dass sie selbst die von den USA an Europa gegebene Unterstützung durch den sog. Marshallplan ablehnte. Durch ihn wurden Rohstoffe, Lebensmittel, andere Waren und Kredite in Höhe von etwa 13 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Heute wären das etwa 140 Milliarden Euro. Der Aufstand gegen diese Politik, die den Menschen das Leben schwer machte, wurde am 17. Juni 1953 blutig niedergeschlagen.

Auch 26 Jahre nach der Wiedervereinigung bleibt der 17. Juni 1953 ein denkwürdiger Tag. Er erinnert daran, was geschieht, wenn Menschen zu Nummern werden und keine Gesichter mehr haben; wenn Staatshaushalte gerettet werden, ohne darauf zu schauen, wie es in den Haushalten konkreter Menschen aussieht.

Erinnerungen allein machen zwar die Welt noch nicht besser. Das gilt 1953, das gilt auch heute. Als z. B. vor einem Jahr die 23.000.000 Glockenschläge im Erzbistum Köln und darüber hinaus daran erinnerten, dass zwischen dem Jahr 2000 und 2015 23.000.000 Menschen ihr Leben auf der Flucht vor Terror, Krieg, Gewalt und Armut verloren haben, wurde davon niemand lebendig. Der Besuch von Papst Franziskus im Flüchtlingslager von Moria auf der Insel Lesbos vor zwei Monaten verbesserte auch nicht automatisch das Leben der 600.000 Flüchtlinge, die seit Beginn des vergangenen Jahres über diese Insel Lesbos nach Europa gekommen sind.

Trotzdem brauchen wir Menschen, die uns erinnern. Erinnerungen bewahren davor, Wichtiges zu übersehen, blind zu werden für das, was Menschen brauchen und was den Menschen möglich ist.

Jesus sagt: „Das Auge gibt dem Körper Licht. Wenn ein Auge gesund ist, dann wird dein ganzer Körper hell sein.“ (Mt 6, 22).

Mit dem hellen, dem wachen Auge ist nicht nur das Auge gemeint, mit dem der Mensch das Äußere sehen kann. Es geht auch um das Herz, um das innere Auge des Menschen. Es geht um das, was der Mensch wahrnimmt. Es geht um die Art und Weise, wie der Mensch die Wirklichkeit sieht.

Wer sich nicht erinnert, lernt nicht aus der Geschichte und wird blind für die Gefahren und für die Chancen des gegenwärtigen Lebens. Ein finsterer Blick auf die Wirklichkeit führt dazu, Menschen zu übersehen und sich die Welt passend zu machen. Die Geschichte lehrt: Wir können die Menschen, die sich gegen Unterdrückung und Gewalt, gegen Armut und Ausbeutung wehren, nicht mundtot machen. Meine Beziehung zu Jesus Christus sagt mir: Wir können es nicht und wir dürfen es nicht. Wir durften es nicht 1953 in der DDR. Wir dürfen es gegenwärtig nicht in Europa.

Sich heute einfach mal an Vergangenes zu erinnern, dazu ermutigt Sie P. Manfred Kollig aus Münster.

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