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Kirche in WDR 5 | 18.11.2014 | 06:55 Uhr

Am seidenen Faden!

Es ließ ihn nicht mehr los. Doch da hätte er die letzten 30 Jahre ebenso gut segeln gehen können. Dabei hatte er nach dem Aufstellen seiner Relativitätstheorie noch so viel vorgehabt. Er wollte eine Antwort finden auf seine berühmte Frage: „Hatte Gott eine Wahl, als er die Welt erschuf?“

Von wem hier die Rede ist, liebe Hörerinnen und Hörer? Natürlich von Albert Einstein, der sich in späten Jahren auf die Suche machte, die Weltformel zu finden. Stapelweise Dokumente fand man nach seinem Tod im Jahr 1955. Die „vereinheitlichte Feldtheorie“ ließ sich nicht finden.Von ihm nicht und von vielen anderen seiner Zunft auch nicht. Hätten also viele Segeln gehen können.Bis, ja bis Anfang der 1970er Jahre ein Mann namens Edward Witten kühn erklärte, es lasse sich eine vereinheitlichte Theorie der Naturkräfte finden. Die Welt hänge an seidenen, weichen Fäden, von denen sie gebildet wird. An ihnen hängen die Quarks- und Gluonen-Teilchen. Und – ja, Sie hören richtig: Wir lebten in einer neundimensionalen Welt, nur merkten wir es nicht. Diese Dimensionen seien „kompaktifiziert“, d.h. die Fäden seien in mikrospkopischen Kugeln aufgewickelt.

Nun mal langsam am frühen Morgen… Die Theorie, von der wir hier reden, ist die sogenannte„Stringtheorie“. Und Edward Witten ist wohl einer der genialsten Mathematiker nach Einstein. - Sie kennen eine String-Gitarre? Also ein Instrument, das aus schwingenden Saiten besteht? Die Grundidee Wittens, die dieser Tage eine Wiedergeburt erlebt, ist ganz einfach: Alles Materielle besteht aus Teilchen, die an schwingenden Saiten hängen. Je nach der Vielfalt der Schwingungen werden vielfältige Teilchen und Kräfte gebildet, geschaffen, kreiert. So entsteht etwa die Schwerkraft aus den Schwingungen ringförmiger Strings usw. Ganz simpel. Ganz knifflig wird es dann, wenn es darum geht zu verstehen, dass die Strings in vieldimensionalen Räumen schwingen müssen, um die Vielfalt der Kräfte und Teilchen, die wir messen und beschreiben können, hervorzubringen. Da ist viel Fantasie gefragt. Und deswegen wurde die Theorie auch lange belächelt. Doch diese Stringtheorie scheint sich mehr und mehr als mathematisches Modell durchzusetzen. Sie bringt fruchtbare, neue Theorien für die Teilchenphysik und die Kosmologie. Sie kann Prognosen wagen, die vor ein paar Jahren noch kein physikalisches Institut an einer Universität dieser Welt aufzustellen wagte.

Schon Einstein ahnte damals, dass der Schlüssel zur Weltformel darin liegt, neue zusätzliche Raumdimensionen anzunehmen. Heute ahnt man, dass es sich um Dimensionen handelt, die an seidenen, weichen Fäden aufgewickelt sind. –

Ich muss sagen: Ich bin begeistert von solchen Theorien, die sich für die Praxis und den Fortschritt der Menschheit als brauchbar und hilfreich erweisen. Doch Einsteins Frage wird auch heute nicht beantwortet, ob Gott überhaupt eine andere Wahl hatte, als den unumkehrbar notwendigen Abläufen der Natur zu gehorchen. Diese Frage ist und bleibt trotz aller neuen Theorien, die die Gehirne dieser Welt hervorbringen und untermauern, eine Glaubensfrage. Gott hat diese Welt geschaffen. Diese Welt war und ist sein Wille. Das hat wohlauch Einstein nicht ganz abgestritten. Ob Gott anders konnte? Diese Antwort hängt am seidenen Faden. Glaube ich, dann konnte er anders. Er musste diese Welt nicht schaffen! Glaube ich nicht, dann konnte er gar nicht! Auch dann musste er ja die Welt nicht schaffen. Sie wäre nach der Stringtheorie sowieso da – so wie sie ist. Und so stellt sich für mich die Frage: Mein Leben heute…: Woran hängt es? Ich möchte jedenfalls keine zwangsläufig abgespulte Notwendigkeit, kein genetisches Zufallsprodukt der Schöpfung sein, sondern gewollt, geliebt und gewünscht.

Dieses ist das Plus meines Glaubens an den Schöpfergott, der mich nicht willkürlich abspult oder in eine mathematische Notwendigkeit rein presst, sondern mich als Mensch will. Ganz weich. - Gott hat noch mehr Dimensionen… Das glaubt Ihr Pfarrer André Müller aus Gladbeck.

Vgl. Albrecht Fölsing, Albert Einstein, Frankfurt 5 2013.

Vgl. ebd.

Vgl. Carl Friedrich von Weizsäcker, Die Einheit der Natur, München 2 1972.

Vgl. insgesamt Tobias Hürter, Die Zeit, 2/2014.

Copyright vorschaubild: Gisela Giardino CCBY-SA 2.0 flickr

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