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Kirche in WDR 2 | 09.01.2016 | 05:55 Uhr

am Tisch

„Der beste Platz ist immer noch am Küchentisch“. So mein alter Freund Klaus neulich bei uns zu vorgerückter Stunde. Wir hatten was zu feiern, die Wohnung voller Gäste, zwei Stehtische im Flur, Couchtisch, Esstisch, selbst die kleinen Beistelltische am Fernsehsofa waren hergerichtet. Alle verfügbaren Stühle hatten wir in bunter Mischung arrangiert, Platz genug für rund 30 Gäste, auch wenn’s eng wird. In lockeren Gruppen an all den verschiedenen Tischen müssten eigentlich alle Platz finden. So war der Plan. Doch weit gefehlt. Gäste sind ja selbständig – und eh wir uns versahen, gab’s zwei große Runden. Eine um den Esstisch und irgendwie immer weiter durchs Wohnzimmer und eine in der Küche. Stühle wurden gerückt, alle Ordnung war dahin – und alle aßen, tranken und quatschten in großer Runde. Klaus war sich sicher: „Der beste Platz ist immer noch am Küchentisch“. Und wenn man auf der Kante sitzt oder im Türrahmen lehnt – dabei sein ist alles.

Stimmt schon: Tische haben was Verbindendes. Und zusammen essen sowieso. Was mir auffällt: Unsere Wohnungen haben sich schon lange verändert. Bei meinen Schwiegereltern gab’s noch eine Durchreiche. Die einzige Verbindung zwischen Küche und Esszimmer. Man öffnete von beiden Seiten die Türen und dann konnte man den nächsten Gang durchreichen zum Tisch. Was vorher in der Küche geschah, blieb im Verborgenen. Die Küche war kein Showroom für die neuesten Geräte aus Edelstahl, sondern hier wurde einfach gekocht. Das war Alltag. Und das Essen am Tisch hatte seinen eigenen Platz. Bei uns zuhause haben wir heute ein Wohn-Ess-Zimmer mit einer großen Flügeltür zur Küche, die fast immer offen ist. Alles ist durchlässig und flexibel. Der neuste Trend bei manchen Freunden: die Wohnküche. Aber modern. Da sitzt man dann auf schicken Barhockern an einer Theke. Das ist mehr so für Zwischendurch, oder um sich mal alleine was zu machen. Eine Art Fastfood-Bereich in der eigenen Wohnung. Kein Wunder, dass unsere Gäste auf der Féte spontan die Stühle rückten und in zwei großen Runden zusammensitzen wollten. Das tut gut. Im Alltag gibt’s das kaum noch.

Tatsächlich sind Arbeits- und Schulzeiten flexibel geworden. Mal kommt unsere Tochter nach sechs Stunden Schule schon nach Hause, mal erst nachmittags um vier. Meine Frau arbeitet Teilzeit, aber jeden Tag anders. Bei uns wird deshalb abends gekocht. Dann sitzen wir am Esstisch, erzählen, was so los war, sprechen die wichtigsten Sachen ab, quatschen, lachen, diskutieren Probleme, die wir irgendwie lösen müssen. Das ist Familienzeit, manchmal hart erkämpft.

Früher? Ach, früher. Da gab‘s feste Zeiten, feste Orte und feste Rollen. Mutter kochte, und die Familie saß pünktlich am Tisch. Für manche klingt das im Rückblick ganz idyllisch. In Wirklichkeit war es streng geregelt. Der Hausherr hatte das Sagen und die Hoheit über den Braten. „Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst…“ – wo der Satz fiel, war klar, dass es irgendwann kracht. Nein, so idyllisch war das nicht. Trotzdem finde ich, lässt sich aus der alten Zeit etwas herüber retten. Es war geordneter und deshalb erholsamer. Ich glaube, es geht nur um Zeit und Ort. Nicht aneinander vorbeigehen, „ich mach mir schnell noch ein Brötchen und bin dann weg“, nicht alles zwischen Tür und Angel besprechen, sondern zusammen an einem Tische sitzen, das tut einfach gut.

Stimmt schon: Der beste Platz ist immer noch am Tisch. Und in Ruhe zusammen essen, trinken und reden, das ist ein Segen.

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