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Kirche in WDR 2 | 29.11.2013 | 05:55 Uhr

Anders machen

Könnte ich mein Leben noch einmal leben, dann würde ich das nächste Mal riskieren mehr Fehler zu machen. Ich würde mich entspannen, lockerer und humorvoller sein als dieses Mal. Ich kenne nur sehr wenige Dinge, die ich ernst nehmen würde. Ich würde mehr verreisen und ein bisschen verrückter sein.

Gelesen habe ich diesen Text vor zwei Jahren in einem Kalender für die Fastenzeit. Geschrieben hat ihn eine dreiundachtzigjährige Frau. Im Alter blickt sie auf ihr Leben zurück und zieht Bilanz. Eine ganze Reihe Dinge sind es, die sie anders machen würde. Ein paar sind bei mir hängen geblieben.

Vor kurzem wollte ich die Gedanken noch mal nachlesen und habe festgestellt; der Text wird oft zitiert und - gerne auch ein wenig verändert.

Das fängt beim Verfasser an: Da wird er mal einem argentinischen Schriftsteller zugeschrieben, mal einem alten Mönch oder einem 85jährigen Iren, der – so wörtlich – den Tod vor Augen hat. Auch ohne drastische Zuspitzung ist die Botschaft klar: Das Leben ist endlich. Mach, was dir wichtig ist.

Aber was? Da gibt es viele Ideen. Z.B Fehler machen. Hier sind sich alle Autoren einig. Der eine will sie riskieren, die andere will bewusst „versuchen“, Fehler zu machen. Auch das „ich will nicht mehr alles so ernst nehmen“ steht im Ranking des alternativen Verhaltens weit oben.

Als weitere Favoriten lese ich: „Ich würde mehr barfuß laufen. Ich würde mehr Berge erklimmen, mehr Flüsse durchschwimmen und mir mehr Sonnenuntergänge anschauen.“

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden. Dieser Satz aus dem Alten Testament steht über dem Text. Und er passt zum Monat November mit seinen Gedenktagen. Die Begrenztheit des Lebens wird zur Aufforderung, es in die Hand zu nehmen. Das, was wir machen, zu prüfen und zu überlegen, was wir gerne anders machen würden. Denn interessant wird es,

wenn aus dem „ich würde gerne“ ein „ich werde“ wird.

Meine Cousine hatte im vergangenen Jahr ein sogenanntes Burn-out, war plötzlich k.o. und lustlos. Ein typisches Erschöpfungssyndrom hat der Arzt gesagt. Wenn sie da raus wolle, müsse sie ihre Ansprüche runterschrauben. Also weniger putzen, auch mal Fastfood essen, den Kindern und dem Mann mehr zumuten. Auch mal „nein“ sagen, wenn sie mal wieder mehr arbeiten soll.

Ein Bekannter hat seine demente Frau in einem Heim untergebracht, nach vielen Jahren der Pflege. Selbst wenn er mal frei hatte, war er telefonisch immer erreichbar, und irgendwann auch immer häufiger krank. Trotzdem hat er bis heute ein schlechtes Gewissen, dass er seine Frau abgeschoben hat. Meint sich rechtfertigen zu müssen vor Nachbarn und Bekannten.

Von unterschiedlichen Erfahrungen berichten diejenigen, die sich vom zeitraubenden Perfektionismus verabschieden. Sie riskieren Fehler oder liefern mal was Durchschnittliches ab. Einer stellt fest, dass er dafür sofort bestraft wird: Anerkennung und Bestätigung werden weniger. Der andere macht die erstaunliche Entdeckung, dass es gar nicht auffällt.

Wer sich verändert, macht manchmal überraschende Erfahrungen, findet unerwartet Bestätigung und wird oft gebremst. Das lehrt das Leben.

Und doch meine ich, es lohnt sich, nach dem Besseren, dem Eigenen zu suchen, anzuecken, sich manchmal durch zu beißen. Um dann mit Stolz zurückzublicken auf eine andere Liste, über der steht: „ich hab’s getan“.

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