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Kirche in WDR 2 | 13.11.2013 | 05:55 Uhr

Anderswo ist alles anders

Vor ein paar Wochen hatte ich endlich Urlaub. Es war schon länger klar, dass es diesmal in die Vereinigten Staaten gehen sollte. Für meine Frau und mich das erste Mal. Als es endlich so weit war, schienen die Vorzeichen aber gar nicht gut zu sein: Präsident Obama stand kurz davor, einen Einmarschbefehl nach Syrien zu geben. Und unsere Freunde und Bekannten wussten durch die Bank, dass man in den Staaten ja bekanntlich jederzeit mit einer aggressiven Kriegsbereitschaft zu rechnen habe und wir uns bei der Einreise schon mal auf mehrstündige Leibesvisitationen einstellen sollten.

Als wir an Ort und Stelle nach sage und schreibe zehn Minuten die Pass- und Gepäckkontrolle absolviert hatten, begannen für uns zwei Wochen, in denen Syrien eine eher untergeordnete Rolle spielte. Wenn es überhaupt zur Sprache kam, dann besorgt. Am meisten interessierte man sich für die armen Menschen, die dort täglich sterben, und man sprach von der Angst, Amerika könne schon wieder in einen Krieg stolpern, der am Ende ja doch keine Lösung sei. Viel wichtiger als all das schien allen Leuten, denen wir so begegneten, aber die Frage zu sein, wo wir denn eigentlich herkämen und wie man uns weiterhelfen könne.

Etwa zeitgleich machten übrigens Kollegen von mir ihren soundsovielten Urlaub in Israel. Wenige Tage vor ihrer Abreise wussten nicht nur „Bild“, sondern auch mehrere andere deutsche Blätter zu melden, dass in Jerusalem und Tel Aviv alle Gasmasken ausverkauft seien – wegen angeblich bevorstehender Luftangriffe. Und dass alle Grenzen nach innen und außen mehr oder weniger abgeriegelt seien.

An Ort und Stelle wurde rasch klar, dass davon keine Rede sein konnte. Und als meine Kollegen auf die wahnwitzige Idee verfielen, mitten in der Krise mit einem stinknormalen Linienbus von Jerusalem nach Bethlehem ins palästinensische Autonomiegebiet zu fahren, war das vor allem eins: nämlich kein Problem. Anfügen könnte ich noch, dass zur gleichen Zeit eine andere Kollegin als allein reisende Frau Urlaub im Iran gemacht hat.

Der Mensch, so heißt es in der Bibel, sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an. Damit ist nicht gesagt, dass das, was vor Augen ist, falsch ist. Die Entscheidungen von Regierungen, die sogenannte große Politik und der Inhalt von Zeitung, Fernsehen und Internet sind selbstverständlich Realität. Aber sie bilden trotz ihrer erdrückenden Allgegenwart immer nur einen Teil der Wirklichkeit ab, und vielleicht nicht mal den wichtigsten.

Wichtig ist: Menschen sind überall auf der Welt vor allem daran interessiert, dass sie ohne unerträgliche Erschwernisse ihren Alltag in den Griff kriegen und darüber hinaus ein Stück vom Glück für sich behalten dürfen. Eben deshalb ist der erdrückenden Mehrheit der Menschen überall auf der Welt wichtig, dass es den anderen genauso geht – egal ob den Nachbarn oder Menschen von weit her. Bilder von hasserfüllten Gesichtern und Fäuste schwingenden, brüllenden Massen sind die Ausnahme und nie die Regel, auch wenn sie immer zur besten Sendezeit kommen. Im Herzen sieht es anders aus: nämlich so, dass du und ich und alle anderen in Frieden miteinander leben können. Dass das so selten klappt, ändert nichts daran, dass es jeder will.

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