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Hörmal | 30.10.2016 | 07:45 Uhr

Apfelbäumchen

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich noch heute ein Apfelbäumchen pflanzen“. Das soll Martin Luther gesagt haben, vor etwa 500 Jahren. Der gelehrte Mönch wollte seine Kirche verändern. Er kämpfte gegen die Autoritäten und für Reformen. Eine ganze Bewegung hat er angestoßen. Seither gilt Martin Luther als Begründer der Evangelischen Kirche. Bestimmt kam ihm manchmal alles festgefahren und ausweglos vor. Dann war er ein Freund klarer Worte und starker Bilder. So wie dem von dem Apfelbäumchen. Noch einen Baum pflanzen, wenn schon klar ist: Morgen ist alles vorbei? Ein trotziges Bild. Denn wer weiß schon, was morgen wirklich kommt? Soll ich mich von irgendeiner Angst bestimmen lassen? Warum eigentlich? Dann lieber hoffen. Dann lieber etwas tun. Einen Baum pflanzen. Noch heute.

Wenn ich die Worte „noch heute“ bei google eingebe, spuckt die Internetsuchmaschine erstaunliche Funde aus: Ich kann „noch heute“ eine Frau treffen, „noch heute“ einen Kredit bekommen, und soll unbedingt „noch heute“ einen Termin vereinbaren. Das klingt, als gäbe es ganz schön viel Hoffnung für Kurzentschlossene. Oder für Verzweifelte?

Die eigene, kleine Welt kann ja wirklich ins Wanken geraten. Man muss ja nicht gleich an einen Börsenkrach oder eine Naturkatastrophe denken. Weltuntergang, das geht auch kleiner.

Was, wenn die Firma, in der mein Freund arbeitet, wirklich von dem neuen Investor übernommen wird? Der würde vieles anders machen. Wäre dann noch Platz für den Computerfachmann, Anfang 50? Das eigene Leben kann ganz schnell erschüttert werden. Oder was ist mit den Nachbarn, deren kleine Tochter den schweren Unfall hatte? Plötzlich ist alles ganz anders. Hoffen und Bangen, mühsam wieder auf die Beine kommen. „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich noch heute ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Der Satz stellt sich gegen alles, was das Leben erschüttern kann. Wer noch heute einen Baum pflanzt, der glaubt, dass morgen schon alles anders werden kann.

Ob Luther den Spruch mit dem Apfelbäumchen wirklich gesagt hat, weiß man nicht. Das erste Mal belegt findet man ihn 1944. Mitten in den Wirren des zweiten Weltkrieges. Wahrscheinlich wurde dieser Satz Luther einfach in den Mund gelegt. Wenn das stimmt, haben das wohl Menschen gemacht, die verzweifelt waren, aber auf keinen Fall die Hoffnung aufgeben wollten. Würde ja passen.

In einem Jahr ist es soweit: In Wittenberg, wo Martin Luther gelebt und gewirkt hat, wird man am 31. Oktober 2017 ein großes Fest feiern: 500 Jahre Reformation. Bis dahin sind dort 500 Bäume neu gepflanzt worden. An verschiedenen Standorten entlang der Wallanlagen der Stadt entstehen die Grünflächen des sogenannten Luthergartens. Rot-Ahorn, Feldahorn, Linde, Blumen-Esche, Trompetenbaum … und Obstbäume sind vertreten. Kirchen aus aller Welt waren eingeladen, die Patenschaft für einen der 500 Bäume zu übernehmen. Entsprechend bunt sieht es aus. In Wittenberg entsteht so ein wachsendes und lebendiges Denkmal.

Unter den Bäumen können Menschen spazieren gehen und nachdenken, was Hoffnung gibt. Oder was sie – trotz allem - heute noch tun wollen!

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