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Kirche in WDR 4 | 19.01.2015 | 08:55 Uhr

"Arme Welt" oder "liebe"?

Guten Morgen! In dieser Woche möchte ich mit Ihnen über Bilder nachdenken. Vielleicht denken Sie jetzt: "Was für ein Blödsinn, im Radio über Bilder reden!"

Ich kann Sie beruhigen. Ich möchte nicht über Gemälde sprechen. Über Farbproportionen zum Beispiel, versteckte Linien oder darüber, in welch hintergründiger Beziehung die abgebildeten Gegenstände zu einander stehen. Nein, ich möchte mit Ihnen über Bilder aus dem Alltag nachdenken. Momente, in denen wir etwas sehen und den Eindruck haben, da steckt was dahinter. Dinge die mir aufgefallen sind und von denen ich oft ein Foto gemacht habe.

Ein Foto habe ich zum Beispiel auf einem Spaziergang durch mein Wohnviertel gemacht.

Da sind manche Hauswände besprüht mit irgendwelchen Zeichen, die ich nicht verstehe. Doch dann: An einer Häuserwand standen neben einem Lüftungsschlitz diese zwei Worte: "Arme Welt". Ich habe mich gefragt, warum sprüht jemand diese zwei Worte auf eine Häuserwand? Was hat diesen Menschen dazu veranlasst, seine eher negative Weltsicht hier zu veröffentlichen?

"Arme Welt." "Recht hat der!", war mein zweiter Gedanke. Musste ich doch neulich beim Arzt wieder zwei Stunden warten, obwohl ich einen Termin ausgemacht hatte. Die Gebühren für die Müllabfuhr sind in diesem Jahr auch wieder gestiegen. Haben Sie in letzter Zeit mal versucht, den Telefonanbieter zu wechseln?

Probieren Sie es bloß nicht, Sie können fest damit rechnen, acht Wochen ohne Telefon und Internet auskommen zu müssen! Deutschland ist ja eh eine Servicewüste: Diese Schlangen vor den Supermarkt-Kassen. Als ob wir nicht schon genug Staus auf unseren Autobahnen hätten. Ja wirklich "Arme Welt"!

Auf dem Rückweg von meinem Spaziergang kam ich noch einmal an dieser Hauswand vorbei und ärgerte mich weiter über unsere "Arme Welt". Ich wandte den Blick von der Wand ab und im Weitergehen sah ich: Auch auf der gegenüberliegenden Hauswand war etwas aufgesprüht. Gleicher Schrifttyp. Nur ein Wort, kleingeschrieben: "liebe"! Mehr nicht.

Was war das denn nun wieder, "liebe"? Ja, geliebt wird auch heute noch. Liebe gibt es auch in dieser "Armen Welt"... Doch macht diese Liebe nicht alles ganz anders? Kann meine Welt denn völlig arm sein, wenn es da jemanden gibt, der mich liebt? Und macht meine Liebe zu anderen Menschen diese Welt nicht reicher? Und verändert die Liebe Gottes zu uns Menschen nicht alles?

Im Johannes Evangelium heißt es so: "Denn so sehr hat Gott diese Welt geliebt: Er hat seinen einzigen Sohn hergegeben, damit keiner verloren geht, der an ihn glaubt. Sondern damit er das ewige Leben erhält." (Johannes 3,16 Basis Bibel)

Gott schickt sein eigenes und einziges Kind in unsere Welt. Seinen wertvollsten Besitz. Damit es uns einen Weg zeigt: raus aus der Armut - der äußeren wie der inneren. Raus aus dem Unfrieden. Damit demonstrierte Gott seine Liebe zu uns. Wie kann da unsere Welt arm sein?

Und ich frage mich nochmal, worüber rege ich mich eigentlich auf? Dass ich beim Arzt gewartet habe? Danke, dass es hier überhaupt einen Arzt gibt! Dazu ist der noch gut ausgebildet und er behandelt mich!

Müllgebühren? Gut, dass da jemand meinen Müll weg fährt und er nicht stinkend vor meiner Wohnung liegt. Warten auf den neuen Telefonanbieter? Wie gut, dass wir überhaupt telefonieren können und Zugang zum Internet haben. Eine Schlange im Supermarkt? Wie großartig ist es, dass die Regale in unseren Supermärkten so voll sind und mein Einkaufswagen ebenso. Staus auf Autobahn? Wie schön ist es, dass wir überhaupt Autobahnen haben, auf denen wir bequem von A nach B kommen und Autos, die uns überall schnell hinbringen. Ja, wir Deutschen können auf hohem Niveau jammern, auf sehr hohem Niveau.

Arme Welt? Nein, nicht bei uns! Da sieht in anderen Regionen unserer Welt ganz anders aus.

Gehen Sie doch heute mal mit offenen Augen durch Ihren Tag. Und versuchen Sie mal, nicht die "Arme Welt" zu sehen. Achten Sie auf die Liebe. Und vielleicht entdecken Sie dann ja auch Spuren von Gottes Liebe im Alltag.

Das wünscht Ihnen Ihr Pastor Heddo Knieper aus Herne, gerne.

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