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Kirche in WDR 2 | 01.04.2014 | 05:55 Uhr

Armer Anfang ist schwer

Vor einigen Monaten stolperte ich über eine Notiz in der Westdeutschen Zeitung:

„Jedes dritte Kind in Wuppertal ist arm“. Besonders viele Kinder von Alleinerziehenden und aus Zuwandererfamilien seien betroffen. „Kinderarmut“ umfasse den Mangel an regelmäßigen Mahlzeiten und Kleidung, genauso wie das Fehlen von Betreuung und Bildung.

Die Zeitungsmeldung legte ich bei Seite. Ihr Inhalt aber holte mich vor ein paar Tagen noch mal ein: Mitarbeiter eines internationalen Begegnungszentrums erzählten mir, dass ihnen Polizisten aus dem Quartier besorgt über Kinder berichteten, die im Müll nach Essbarem suchten. Ich finde es schon unfassbar, dass alte Menschen, die diese Gesellschaft aufgebaut haben, in der Abenddämmerung verstohlen nach Plastikflaschen in Abfalleimern stochern müssen. Die Vorstellung, dass Kinder nur ein oder zwei Mahlzeiten am Tag bekommen und offensichtlich hungrig ebenso den Müll durchwühlen, finde ich unerträglich. Wo leben wir?

In einem der reichsten Länder der Erde, das zu Beginn des Jahres noch von allen internationalen Ratingagenturen Bestnoten für seine wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit erhielt. Offenbar sind wir aber nicht in der Lage, allen schulpflichtigen Kindern selbstverständlich Frühstück und Mittagessen anzubieten bzw. armen Kindern eine gleichwertige Teilhabe in unserer Gesellschaft zu ermöglichen. Dafür ist kein Geld da.

Im Gleichnis vom „reichen Kornbauern“, sagt Jesus: „Niemand lebt davon, dass er viele Güter hat.“ Der Bauer hatte nämlich nach einer guten Ernte, die (betriebswirtschaftlich weitsichtige Idee, die alten Lagerhallen abzureißen und neue, grössere zu bauen. „Niemand lebt davon, dass er viele Güter hat.“ Ein merkwürdiger Satz – damals wie heute. Sozialromantisch vielleicht, weltfremd allemal: Wovon sonst lebt der Mensch? Von Luft und Liebe? Von Hartz IV? Von Gott?

Umgekehrt stimmt doch eher: Wer viele Güter hat, lebt besser und länger.

Unser ganzes Bemühen ist in den vergangenen Jahren in die Aufrechterhaltung eines ökonomischen Systems gegangen, das krank ist. Seit Jahren bauen die „reichen Kornbauern“ immer größere Scheunen. Über 30 Prozent Kinderarmut im eigenen Land wird dabei (buchstäblich) „in Kauf“ genommen. Die Statistik aber hat Gesichter.Diese abgehängten Kinder sind Opfer.

Das „kranke“ System aber bleibt heilig. Ständig repariert und gestützt. Für Wenige in der Welt profitabel. Für die meisten Menschen ein Fluch. Wer es grundsätzlich in Frage stellt, wird grundsätzlich in Frage gestellt. Diese Erfahrung machte bereits der Nazarener vor 2000 Jahren.

Eine radikale Orientierung am Willen Gottes müsste zu einer radikalen Veränderung unseres Denkens und Handelns führen. Es könnte beispielsweise bedeuten: Wir investieren nicht mehr ins System, sondern in die Verbesserung der Lebenssituation benachteiligter Kinder. Hier, genauso wie in den Entwicklungsländern.

ARMER ANFANG IST SCHWER ist eine Kunstaktion des internationalen Begegnungszentrums „Alte Feuerwache“ in Wuppertal. Die Einrichtung will darauf aufmerksam machen, dass Armut kein Schicksal ist. Die betroffenen Kinder haben es ungleich schwerer, im Leben klar zu kommen. Ihre Geschichten können uns daran erinnern, dass wir nicht davon leben, „viele Güter zu haben“, sondern davon, viele Güter zu teilen.

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