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Kirche in WDR 4 | 21.10.2014 | 08:55 Uhr

Armut vor Gott

Guten Morgen!

Ein kurzes, verlegenes Achselzucken und dann das verlegene Bekenntnis: Ich bin religiös eben unmusikalisch. Das ehrlich gemeinte Bekenntnis kommt leicht daher und hat etwas Entwaffnendes.

Was kann ich als Theologe und Seelsorger darauf erwidern, wenn einer mir so etwas mitteilt: Ich bin eben religiös unmusikalisch? Er deutet damit ja an, dass sei nun einmal so, ihm fehle die Antenne für das Religiöse, wie anderen die Antenne für die Musik fehle.

Religion scheint in dieser Redensart eine Sache des Talents zu sein und der Begabung. Und wenn man die nicht hat, dann hat man sie eben nicht. Wer unmusikalisch ist, der spiele tunlichst kein Instrument, und wer unreligiös ist, der spreche eben nicht über Gott. Das klingt plausibel und vernünftig. Aber wird hier Religion nicht falsch verstanden?

Mit Wahrheit und vernünftigem Anspruch hat die so verstandene Religion meiner Meinung nach wenig zu tun. Sie wirkt eher wie ein Bauchgefühl, eine Sache des Geschmacks, über die man schlecht streiten und rechten kann. Die Bemerkung, man sei religiös unmusikalisch, kommt zwar durchaus tolerant daher und will keinem seine religiösen Gefühle absprechen. Aber sich ernsthaft mit der Religion auseinanderzusetzen, das wäre wohl zu viel verlangt.

Nun gibt es ja nicht wenige, die von sich sagen, sie seien im eigentlichen Sinne des Wortes unmusikalisch. Ihnen fehle die Fähigkeit, Musik zu verstehen. Auch könnten sie nicht singen und kein Instrument spielen. Nicht einmal Noten lesen hätten sie gelernt. Musikpädagogen, die das hören, sind damit nicht einverstanden. Für sie gibt es keine unmusikalischen Menschen. Der Mensch, so sehen es die meisten Musiker, ist musikalisch durch und durch. Musik, davon sind sie überzeugt, gehört zum Menschen wie das Atmen, das Sprechen und das Gehen. Schon der Rhythmus des Herzens ist ja Musik. Nur muss die Musikalität, die da ist, entdeckt werden. Sie braucht Förderung, Unterstützung und Ausbildung. Selbst denen, die notorisch von sich sagen, sie könnten nicht singen, widersprechen die Musikpädagogen: Mit Übung und Selbstvertrauen kann man es schaffen. Denn Musik gehört zum Leben, ja Musik ist ein Wesenszug des Lebens.

Ich frage mich: Gilt dies nicht auch für die scheinbar religiös Unmusikalischen? Gibt es denn wirklich unreligiöse Menschen? Ist nicht auch die Religiosität ein Wesenszug des Lebens? Sie mag vielleicht nicht entwickelt sein. Auch sie braucht ja Übung also Förderung und Ausbildung. Aber gefördert und ausgebildet kann nur werden, was schon in der Tiefe da ist. Und das muss freigelegt werden.

Wie kann eine solche Förderung aussehen?

Leider gibt es Formen einer Religiosität, die das Fördern und Freilegen des Religiösen im Menschen verhindern und ihn abschrecken. Diese Formen kommen selbst nicht selten in einem frommen und religiösen Kleid daher, sind selbstsicher, eifernd und nicht selten intolerant. Sie sind nicht hörfähig und aufnahmebereit. Ihre Vertreter wissen immer schon alles. Ihr Gottesverhältnis ist ein Besitzverhältnis. Sie verfügen regelrecht über Gott, statt zu glauben, dass Gott auch in anderen Menschen wirkt und anders wirkt, als sie es sich vorstellen können. Der Glaube selbst nämlich ist nie Besitz, nie Eigentum. Der Glaube will immer wieder neu gesucht, gewagt und entdeckt werden. Wer meint, er hätte ihn schon, der hat ihn wohl noch nicht wirklich. Eigentlich geht es beim Glauben um eine Haltung; die Jesus im Evangelium auch als Armut bezeichnet. In der Bergpredigt nennt Jesus die erste Seligpreisung: Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich. Weil sie die erste Seligpreisung ist, ist sie wohl auch die wichtigste, auf der alles andere gründet. Armut vor Gott ist genau das Gegenteil von Glaubensbesitz, der nicht mehr sucht und fragt, der Religiosität erstickt und nicht fördert. Ich bin davon überzeugt: In der Armut vor Gott könnten die religiös Unmusikalischen und die religiös Musikalischen eine tiefe Gemeinsamkeit finden, indem sie beide nach Gott suchen.

Aus Köln grüßt sie Prälat Josef Sauerborn

Copyright Vorschaubild: Public Domain CCO Pixabay

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