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Kirche in WDR 2 | 06.12.2014 | 05:55 Uhr

Artig sein?

Heute ist Nikolaustag und es gibt da ein Wörtchen, das gehört zu diesem Tag wie die geputzten Schuhe vor der Türe: „artig“ heißt das Wörtchen. Das klingt etwas altbacken und ich glaube, ich höre dieses Wort, wenn überhaupt nur einmal im Jahr, nämlich zum Nikolausfest. Ob sie alle auch „schön artig“ waren, fragt der Nikolaus die Kinder landauf, landab.

Und diese Frage nach dem „artig“-Sein hat das Fest schon vor Jahrhunderten zum großen Erziehungsfest werden lassen. Pädagogische Optimierung im christlichen Gewand. Die Braven, die Artigen beschenkt der Nikolaus mit seinen Gaben und für die Bösen, die Unartigen sorgt Knecht Ruprecht.

Wobei: Der Stern von Knecht Ruprecht sinkt ja seit Jahren. Seine Rute packt er zumeist gar nicht mehr aus. Natürlich, weil die Rute längst als pädagogischer Super-Gau verschrien ist. Aber vielleicht auch – so frage ich mich – weil die Unartigen auf dem Rückzug sind?

Lehrer und Eltern mögen mir widersprechen mit ihren Erfahrungen aus der erzieherischen Nahkampfzone. Aber seit Jahren treibt Jugendforscher die Frage um: Ist die junge Generation nicht ein wenig zu artig? Zu angepasst?

Der Soziologe Klaus Hurrelmann zum Beispiel hat vor kurzem versucht zu ergründen, warum die Jugend von heute eher ideologiefrei und angepasst erscheint, als aufmüpfig und kritisch. Hurrelmann zeichnet das Bild einer Generation, die permanent unsichere Zeiten erlebt: Terroranschläge wie der 11. September, rasanter technischer Wandel, Wirtschaftskrisen, Umweltkatastrophen wie Fukushima: Nichts scheint mehr sicher, vor allem nicht der Arbeitsplatz. Und daher passt sich diese Generation immer wieder der veränderten Ausgangslage an – wie ein gut funktionierendes Lernsystem. Dabei kommen die Stromlinienförmigen weiter als die, die permanent gegen den Strom schwimmen. Artig-Sein ist quasi die Überlebensstrategie: Was brauche ich, was bringt mich weiter?

Ich frage mich, ob das nur gut ist: Das ist doch ein irrsinniger Artigkeits-Druck, der auf dieser Generation lastet. Gegen solch einen Druck scheint mir die Rute von Knecht Ruprecht ein Zuckerschlecken zu sein.

Vielleicht ist es ja mal an der Zeit, das Nikolausfest etwas gegen den Strich zu bürsten. Vielleicht ist es wertvoll zu erfahren, dass Nikolaus sicherlich ein guter Mann war, aber nicht immer und in allem artig. Schon allein dass er Christ war, hatte ihn nicht weitergebracht, sondern ins Gefängnis – die Christen wurden damals noch verfolgt. Aber auch die vielen kleinen und großen Wunder, die von ihm berichtet werden, erzählen davon, dass dieser heilige Mann die Zustände nicht hinnehmen wollte, wie sie waren. Nikolaus hatte alles daran gesetzt, sie zu bessern. Und das ist das Gegenteil von artiger Angepasstheit: Eine Überzeugung haben, für diese Überzeugung auch mal einstecken können und danach streben, die Umstände zum Besseren zu wenden. Wenn also schon Pädagogik im christlichen Gewand, dann gehört für mich dazu die Überzeugung, dass die „Unartigen für die gute Sache“ auch hoffen können, einmal belohnt zu werden.

Copyright Vorschaubild: weisserstier CCBY 2.0 flickr

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