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Kirche in WDR 2 | 05.09.2015 | 05:55 Uhr

Auf Augenhöhe

Sie ist im Bereich der Flüchtlingsthematik mindestens so aktuell wie die Nachrichten von heute. Die Bibel. Ein Buch voller Flüchtlingsgeschichten. Allerdings mit Lerneffekt für mich. Hier ein Beispiel:

Naomi zieht mit ihrem Mann und ihren Kindern aus Israel in ein fremdes Land. Warum? Ganz einfach: In Israel gibt es nicht mehr genug zu essen für alle. Heute würde man sagen: Sie sind Wirtschaftsflüchtlinge. Also ab nach Moab. Dort angekommen stirbt kurz darauf Naomis Mann. Nun muss sie allein zwei Kinder versorgen. Das gelingt ihr ganz gut. Denn beide Söhne wachsen heran und heiraten schließlich. Zehn Jahre später sterben jedoch beide Söhne von Naomi. Sie ist allein mit ihren Schwiegertöchtern. Und alleinstehende Frauen haben es in der Zeit so richtig schwer. Ohne Mann ... da bleibt meist nur betteln. Deshalb schickt Naomi ihre Schwiegertöchter weg. Sie sollen noch einmal heiraten und von vorne anfangen. Sie sind jung genug, das hat gute Erfolgsaussichten. Eine Schwiegertochter geht, völlig verständlich, wie ich finde. Aber die andere, Rut, geht nicht. Sie lässt ihre Schwiegermutter nicht im Stich und nimmt in Kauf, am Existenzminimum rumzukrebsen. Also gehen beide zurück nach Israel – ohne genau zu wissen, was sie erwartet. „Ich bleibe dir treu“, sagt Rut. Das ist leicht gesagt, aber in der Praxis gestaltet sich das schon schwieriger. Denn nun ist Ruth die Ausländerin. Und muss, um sich und ihre Schwiegermutter über Wasser zu halten, die Reste auf den Feldern der reichen Bauern aufsammeln. Boas ist so ein Bauer. Und der verhält sich der sozial schwächer gestellten Ruth gegenüber anders, als die anderen Israeliten. Sinngemäß sagt er:

„Pass auf, du brauchst nicht mehr auf den anderen Feldern zu sammeln. Du bleibst auf meinem Feld, bei meinen Angestellten und du darfst dir so viel nehmen, wie du willst. Dich wird niemand wegschicken. Ich habe das so angeordnet. Ich beobachte dich schon lange und mir imponiert, wie du dich um deine Schwiegermutter sorgst.“

Er behandelt sie nicht wie eine minderbemittelte Person, die froh sein kann, dass der reiche Mann ihr etwas übrig lässt. Nein, er begegnet ihr auf Augenhöhe, schätzt ihre Leistung wert, interessiert sich für sie und gibt ihr so das Gefühl, nicht ein Mensch zweiter Klasse zu sein.

Ok, fairerweise muss man sagen, dass er sich auch ganz schön in die Dame verguckt hat und sie später heiratet, aber vorbildlich finde ich seine Vorgehensweise trotzdem.

Von Boas möchte ich mir eine Scheibe abschneiden. Gerade wenn es um die Flüchtlinge in meinem Umfeld geht. Sie sind geflüchtet. Aus gutem Grund! Sonst wären sie nicht hier! Und es sind keine Menschen, die ich großzügiger weise hier bei uns in Deutschland dulde und die froh sein können, dass ich ihnen ein bisschen was abgebe. Nein, es sind Menschen, die Hilfe brauchen und denen ich mit Respekt und Wertschätzung begegnen will. Und das hat noch nicht mal etwas mit konkretem Spenden oder anderen Hilfeleistungen zu tun. Diese Begegnung auf Augenhöhe ist Einstellungssache. Ich bin nicht mehr wert, weil es in Deutschland wirtschaftlich und politisch rund läuft. Ich bin dazu aufgefordert, anderen zu helfen, weil es in Deutschland gut läuft.

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