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Choralandacht | 16.09.2017 | 07:50 Uhr

Auf, Seele, Gott zu loben (eg 690)

Musik 2: Instrumental

Autor: „Jetzt bleib mal auf dem Teppich!“ Das bedeutet umgangssprachlich: ruhig zu bleiben, die Bodenhaftung zu behalten, keine Höhenflüge zu machen. Diese Redewendung stammt aus dem Mittelalter. Wenn jemand aus dem Volk mit dem König sprechen wollte, wurde im Thronsaal ein Teppich ausgelegt, der weit vor dem Thron endete. Die Bauern - meist mit verschmutzter Kleidung und Schuhen – wollten nicht unhöflich sein und deshalb bis nah an den Thron gehen, um mit Ihrem König zu sprechen. Dann wurden sie angewiesen, „auf dem Teppich zu bleiben“, weil es nur dem König und seinem Hofvolk erlaubt war, auf dem Marmor- oder Eichenparkettboden zu gehen.

Der Teppich gehört auf den Fußboden.

Doch ein Teppich am Himmel?

Musik 1 (Choral, Strophe 1, mit Overvoice):

1. Auf Seele, Gott zu loben

Gar herrlich steht sein Haus!

Er spannt den Himmel droben gleich einem Teppich aus.

Er fährt auf Wolkenwagen, und Flammen sind sein Kleid.

Windfittiche ihn tragen, zu Diensten ihm bereit.

Autor: „Er spannt den Himmel droben gleich einem Teppich aus.“ Der Himmel als Teppich? Eine ganz neue Perspektive. Das, was da oben ist, soll ein Teppich sein, der Fußboden für Gott? „Er fährt auf Wolkenwagen, und Flammen sind sein Kleid.“ Wie kommt es zu diesen Gedanken?

Das Lied ist eine Nachdichtung von Psalm 104. Die Psalmen stammen aus der jüdischen (Tempel-)Liturgie und spielen seit jeher eine wichtige Rolle auch in der Feier des christlichen Gottesdienstes. Durch alle Generationen hindurch verleihen Menschen ihrer Klage und ihrer Freude, ihrem Dank und ihrer Bitte Gott gegenüber Ausdruck und verwenden dabei die alten Worte, die im biblischen Psalter überliefert sind. (1) So auch in Psalm 104: er besingt unsere Welt in ihrer schönen Natur: Erde, Himmel, Berge, Täler, Flüsse, Meer, Tiere.

Der Psalmbeter sieht darin die Schöpfung Gottes und dankt Gott dafür. Gott selbst beschreibt er wie einen König: Licht ist sein Kleid, die Wolken sein Wagen. Und wenn der ganze Himmel sein Teppich ist, wird man sich ihm wohl nähern dürfen... Die Melodie dieses vertonten Psalms unterstreicht fröhlich und tänzerisch diese positive, fast verliebte Stimmung.

Musik 1 (Choral, Strophe 2+3, mit Overvoice):

2. Gott hat das Licht entzündet, er schuf des Himmels Heer.

Das Erdreich ward gegründet, gesondert Erd und Meer.

Die kühlen Brunnen quellen im jauchzend grünem Grund,

Die klaren Wasser schnellen aus Schlucht und Bergesgrund.

3. Vom Tau die Gräser blinken, im Wald die Quelle quillt,

Daraus die Tiere trinken, die Vögel und das Wild.

Die Vögel in den Zweigen lobsingen ihm in Ruh,

und alle Bäume neigen ihm ihre Früchte zu.

Autor: Die Verfasserin des Liedtextes, Martha Müller-Zitzk, war eine schlichte fromme Frau. Der christliche Glaube gehörte zu ihrem Leben.1899 wurde sie in Bodenfelde an der Weser geboren. Sie war Mitglied der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde und wurde später Autorin von christlicher Lyrik und Psalmnachdichtungen. Sie ist 1972 in ihrem Geburtsort im Weserbergland gestorben.

1947 hat sie dieses überschwängliche Lied gedichtet. Das überrascht. Denkt man doch bei diesem Lobgesang eher an Fülle, reichlich Essen und Trinken - aber 1947 herrschte in Deutschland Hunger.

Musik 2: Instrumental

Autor: „Auf Seele, Gott zu loben!“ Mit voller Kehle und aus tiefstem Gefühl heraus wird Gott gepriesen und gelobt. Das deutsche Wort Seele meint im ursprünglich hebräischen Text Kehle, Lebensatem, das, was den Menschen lebendig macht, sein Innerstes, den Sitz der tiefsten Gefühle. Wir sprechen ja heute manchmal vom Bauchgefühl. Wir meinen damit: die Gefühle wissen schon, bevor der Verstand einsetzt, was von einer Sache zu halten ist.

Wer Gott lobt, bei dem meldet sich das Innerste – ganz direkt und ohne Umwege.

Doch je nachdem, an welchem Punkt wir gerade in unserem Leben stehen, dürfte es schwieriger sein, den Psalm mitzusprechen oder das Lied aus voller Kehle mit zu singen: So wie 1947 in Deutschland nach dem Krieg, als das Lied entstand. Und wie in allen anderen Zeiten im Leben, wenn mehr Leid da ist als Freude, wenn Schuld einen plagt, wenn Gebrechen zu schaffen machen, wenn Müdigkeit einen lähmt, wenn man in Einsamkeit versinkt, wenn es gnadenlos im Leben zugeht. Das Lied verdrängt diese Erfahrung nicht. Aber es spricht eine tiefe Sehnsucht an, ausgesöhnt, mit Gott und der Welt im Reinen zu sein.

Musik 3 (Choral, Strophe 6+7, mit Overvoice):

6. Den Menschen heißt am Morgen er an das Tagewerk gehen,

lässt ihn in Plag und Sorgen das Werk der Allmacht sehn.

Er ist der treue Hüter, wacht über Meer und Land,

Die Erd ist voll der Güter und Gaben seiner Hand.

7. Lass dir das Lied gefallen. Mein Herz in Freuden steht.

Dein Loblied soll erschallen, solange mein Odem geht.

Du tilgst des Sünders Fehde und bist mit Gnade nah.

Lob Gott, o meine Seele, sing ihm Halleluja.

Autor: Gnade, ja, die können wir gebrauchen: In dem Reformationsjahr 2017, in den Höhen und Tiefen unseres Lebens. Die meisten haben Sehnsucht nach Angenommensein, nach Bestätigung. Viele verspüren den Wunsch, nicht in allem so furchtbar perfekt sein zu müssen. Sie würden gerne mal die ständige Anspannung loslassen dürfen, es immer gut machen zu wollen. Und da bietet das Lied Trost an: „Dein Loblied soll erschallen, solange mein Odem geht. Du tilgst des Sünders Fehde und bist mit Gnade nah.“

Gnade ist die Erfahrung, dass uns Gott jederzeit in Empfang nehmen und willkommen heißen möchte, egal, wie gut oder wie schlecht wir das Leben bis heute gemeistert haben. Was uns schmerzhaft, mühsam und schwer ist, können wir zu Gott bringen und es uns durch Gottes Hilfe tragen lassen.

Gnade ist Zusage Gottes. Gott stellt uns seine Liebe und Hilfe zur Verfügung. Und so wird es möglich, all das loszulassen, was im Leben nicht so gelungen ist oder uns nicht so zugefallen ist, wie wir das gerne gehabt hätten. Weil Gott uns gnädig ist, können wir es selbst auch sein. „Jetzt bleib mal auf dem Teppich!“ Ja, das können wir tun. Wir können uns beruhigen, besonnen und vernünftig sein. Wir dürfen uns Gott nähern, weil er uns ganz nahekommt. Psalm 104 und dieser Choral besingen es: Wir bleiben auf dem Teppich, den Gott als Himmel für uns ausgebreitet hat.

Musik 2: Instrumental

(1)Arbeitsheft EKiR Gottesdienst 2008: Christian Verwold Den „Eingangspsalm“ vielfältig gestalten

Musik 1:

CD-Name: Lobe den Herren

Titel:Auf, Seele, Gott zu loben

Text:Martha Müller-Zitzke

Melodie:Johann Steurlein

Chor:Solistenensemble

Leitung:Gerhard Schnitter

Verlag:Hänssler Verlag

Label:Hänssler

LC-Nr.07224

Dauer der verwendeten Musik: 1:40

Musik 2:

CD-Name: Mit Herzen, Mund und Händen

Titel:Auf, Seele, Gott zu loben

Text:Martha Müller-Zitzke

Melodie:Johann Steurlein

Chor:Schwäbischer Posaunendienst

Leitung:Erhard Frieß

Verlag:imatel Mediengesellschaft, Gesangbuchverlag Stuttgart u.a.

Label:imatel

LC-Nr.03078

Dauer der verwendeten Musik: 1:19

Musik 3: Auf, Seele, Gott zu loben

CD-Name: WDR Kompilation

Titel:Auf, Seele, Gott zu loben

Text:Martha Müller-Zitzke

Melodie:Johann Steurlein

Chor:Evangelische Kantorei Arnsberg

Leitung:Gunther Schreiber

Verlag:Merseburger

Label:WDR Eigenproduktion

LC-Nr.Z2323

Dauer der verwendeten Musik: 1:01

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