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Kirche in WDR 4 | 27.06.2016 | 08:55 Uhr

Aufklärung

„Aufklärung – Meine Damen und Herren, Aufklärung beginnt mit einem Blitzableiter!“ – So eröffnete mein Kirchengeschichtsprofessor in Münster vor vielen Jahren eine seiner Vorlesungen. Professor Angenendt neigte dazu, gewisse Sachverhalte recht anschaulich und temperamentvoll zu erläutern, weshalb ich mich an diese Zeit immer wieder gerne erinnere. „Stellen Sie sich vor,“ rief er in den Vorlesungssaal „stellen Sie sich vor, bislang galt: Gewitter, Blitz und Donner sind der Ausdruck des Zornes Gottes. Und dann kommt da einer, baut sich nen Blitzableiter auf’s Dach und wird nicht mehr vom Blitz getroffen. Und das Schlimme: Der braucht dafür gar keinen Gott.“ – Ja, die Aufklärung fordert in der Tat immer wieder den Glauben an einen Gott heraus. Bis heute.

Denn seitdem klingt vieles nach Rückzug. Was bringt es noch, an einen Gott zu glauben, wenn er nicht Herr der Naturgewalten ist? Was bringt der Glaube heute überhaupt noch?

Interessanterweise stoße ich immer wieder auf Untersuchungsergebnisse, die mir gerade die Nützlichkeit des Glaubens in unserer ach so aufgeklärten Welt vermitteln wollen. Da heißt es dann: Christen und andere religiöse Menschen setzen sich überdurchschnittlich für das Gemeinwohl ein. – Oder: Wer regelmäßig betet, hat eine höhere Lebenserwartung. – Oder aber auch: Katholische Frauen bekommen im Schnitt mehr Kinder als andere und steuern dadurch dem demographischen Wandel entgegen.

Und gerade in der Flüchtlingsdebatte und in Fragen von Ethik und Moral kommt dann immer schnell das Argument: Ja, zu glauben bringt, dass wir auf der Erde bessere Menschen haben. Wer glaubt, der ist dadurch ein ethisch und moralisch integrer Mensch, der sorgt sich um die Bedrängten und so weiter und so fort. Aber ist das wirklich so?

Ich will mal meinen alten Kirchengeschichtsprofessor bemühen. Er hätte es vielleicht so ausgedrückt: „Stellen Sie sich vor, bislang galt: Wer christlich handelt, der hilft seinen Mitmenschen, der setzt sich für das Wohlergehen unserer Gesellschaft ein, der ist irgendwie sozial eingestellt. Und jetzt erlebe ich um mich herum viele Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen, die viele moralische und ethische Werte mit mir teilen. Aber diese Menschen haben es nicht so mit Gott. Die brauchen den auch gar nicht, um gute Menschen zu sein. Oder ganz schlimm: Die handeln sogar moralisch besser als Menschen, die an einen Gott glauben.“

Im Grunde erfahren die Glaubenden gerade in diesen Fragen auch eine Art Aufklärung. Wenn ich als Christ ehrlich bin, dann kann ich meinen Glauben nicht daraus begründen, dass an einen Gott zu glauben etwas bringt, eine bessere Gesellschaft zu formen. Da muss ich ja auch nur selbstkritisch in die Kirchengeschichte schauen. Und auch bei den anderen Versprechen: Wer glaubt ist schöner, erfolgreicher, zufriedener – am Ende läuft das alles auf Rückzug hinaus.

Und daher frage ich mich: Ob in dem Ganzen vielleicht einfach die Frage falsch ist. Und auch all die Versprechungen, die daraus abgeleitet werden. Vielleicht sollten wir aufhören, nach dem Nutzen zu fragen. Nicht mehr: Was bringt es, an einen Gott zu glauben? Vielleicht sollten wir eher nach den Konsequenzen fragen: Also vielmehr: Was bedeutet es, für mich und für meine Mitmenschen, an einen Gott zu glauben?

Kommen Sie gut in die Woche, das wünscht Ihnen Jan Hendrik Stens aus Köln.

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