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Kirche in WDR 2 | 29.07.2014 | 05:55 Uhr

Ausflug nach Paris

Wenn ich in diesen Tagen an den Gleisen des Kölner Hauptbahnhofs stehe, dann kann ich nicht anders, als mich zu fragen, wie es hier wohl vor hundert Jahren zugegangen sein muss. Von hier aus gingen damals die Züge nach Paris. Und die Gleise werden voll gewesen sein mit Soldaten. Gestern vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg. Anfang August trat Deutschland in die Kämpfe ein und eine Mobilisierungswelle ergriff das Land, dass sich die Bahnhöfe nur so füllten mit Kriegsfreiwilligen.

Es gibt heute noch dieses Foto, wo die Soldaten im August 1914 aus dem Zugwaggon winken. Außen mit Kreide aufgemalt Sprüche wie „Auf Wiedersehen auf dem Boulevard“ und „Ausflug nach Paris“.

Enthusiastisch zogen sie in den Krieg, als ob es ein Spaziergang sei, ein Ausflug. Dabei weiß man heute, wie naiv, wie selbstmörderisch diese Aufbruchstimmung war. Die Männer bestiegen zumeist den Zug in den Tod, ob von Köln Hauptbahnhof aus, oder von Düsseldorf, Münster, Bielefeld – wo auch immer sie einstiegen. Von wegen Ausflug: Kanonenfutter sind sie geworden. Menschliches Material für die Kriegsschlacht.

Ich frag mich, wie diese Männer tatsächlich gefühlt haben, als sie die Züge betraten. Euphorisch? Siegesgewiss? Weltmeisterlich? Hatten sie wirklich keine Ahnung, was sie da erwarten würde? Wussten sie um den hohen Preis für Kaiser, Volk und Vaterland, den sie zahlen würden? Für mich unvorstellbar: Viele glaubten sogar dies für Gott zu tun.

Ein Jahr vor Kriegsausbruch, 1913, wurde von einem anonymen Verfasser in Frankreich ein Gebet geschrieben. Es ist eines der bekanntesten Friedensgebete geworden. Es beginnt so: „Herr, mache mich zum Werkzeug Deines Friedens.“

Als Jugendlicher haben wir das oft in meiner Heimatgemeinde gebetet. Ich weiß natürlich nicht, wie und ob so ein Gebet Menschen tatsächlich verändern kann; ob es sie davon abhalten kann, Kanonenfutter zu werden; oder sich in die Luft zu sprengen, oder das Leben anderer zu zerstören. Ich habe mich damals jedenfalls entschlossen, Kriegsdienstverweigerer zu werden. Und wenn ich heute noch das Gebet vom Friedenswerkzeug spreche, dann hoffe ich, dass es immer mehr Wirklichkeit wird und das nicht nur bei mir.

Copyright Vorschaubild: commons.wikimedia.org/wiki/File:German_soldiers_in_a_railroad_car_on_the_way_to_the_front_during_early_World_War_I,_taken_in_1914._Taken_from_greatwar.nl_site.jpg

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