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Kirche in WDR 2 | 11.05.2016 | 05:55 Uhr

Autorität

Donald Trump: Warum ein frauenfeindlicher Schreihals, der mit pöbelnden Manieren und Gewalt sein Land groß machen will, sich ernsthaft um das Präsidentenamt in den USA bewerben kann, fragen sich viele. Die AfD: Warum ein Sammelsurium aus Vorbestraften, Karrieristen, Gescheiterten und berechnenden Rassisten die Spitze einer neuen Partei bilden kann, die in einen Landtag nach dem anderen gewählt wird, fragen sich auch viele. Donald Trump und die AfD wirken für die meisten verstörend, nicht weniger als der Vormarsch der Rechten in Polen, Ungarn und anderen EU-Ländern.

Das liegt an den Flüchtlingen, sagen die einen. Das sind die, die mal ihr Mütchen kühlen und auf den Tisch hauen wollen, sagen die anderen. Beides klingt nicht nach einer wirklichen Erklärung. Amerikanische Politikwissenschaftler, die das Phänomen genauer untersucht haben, sprechen vom Aufstieg eines „neuen Autoritarismus“. Das ist schon plausibler. Das verbindende Element der vielschichtig zusammengesetzten Gruppen, die Trump unterstützen oder AfD wählen, ist eine autoritäre Grundhaltung. Zu ihr gehören Furcht vor Minderheiten, Hass auf Fremde, Fixierung auf starke Persönlichkeiten und Angst um die eigenen Lebensumstände. Diese Teile der Gesellschaft, so das Resultat der amerikanischen Forscher, gab und gibt es immer. Normalerweise ruhen sie versteckt in sämtlichen Wählergruppen. In Krisenmomenten jedoch, und manchmal reicht schon ein Gefühl der Bedrohung, entfaltet sich die Sehnsucht nach der ordnenden Autorität, und die sucht sich einen politischen Ort.

Ich finde diese These schon deshalb interessant, weil sie auch in weiten Teilen der Bibel eine Rolle spielt. Von der Sehnsucht nach den Fleischtöpfen in Ägypten bis zum ängstlichen Fest-halten an Riten und Ritualen im Neuen Testament findet sich immer wieder die Hoffnung, in einer übergeordneten Autorität die eigene Identität zu sichern. Genau zu wissen, wer dazugehört und wer draußen bleiben muss. Hauptsache, die Richtung stimmt, damit man, ohne fehlzugehen, hinterherlaufen kann.

Im Alten Testament haben die Propheten solchen Sehnsüchten entgegengehalten: Es gibt nur eine einzige Autorität. Gott. Und haben folglich alle anderen Autoritäten konsequent kritisiert und demontiert. Und im Neuen Testament schreibt Paulus: „Christus hat uns befreit; er will, dass wir jetzt auch frei bleiben. Steht also fest und lasst euch nicht wieder ins Sklavenjoch einspannen!“ Bleibt die Frage, was denn die Christenmenschen tun können, wenn die Krisen brodeln und die Bedrohungen wachsen. Dazu nochmal Paulus: „Gott hat euch zur Freiheit berufen Aber missbraucht eure Freiheit nicht als Freibrief zur Befriedigung eurer selbstsüchtigen Wünsche, sondern dient einander in Liebe. Der Geist Gottes lässt eine Fülle von Gutem wachsen, nämlich: Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Freundlichkeit und Güte, Treue, Bescheidenheit und Selbstbeherrschung.“ Gut, dass klingt vielleicht für manchen eher naiv und harmlos. Und gegenüber den Krisen dieser Welt wirkt es merkwürdig unspektakulär. Aber der Glaube, dass so etwas am Ende die Welt retten wird, bezieht sich auf die Autorität Gottes. Wer diesen Glauben lebt, wird bestimmt nicht den Scheinriesen hinterherlaufen, die für Recht und Ordnung sorgen wollen. Stattdessen wird er sie üben: Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Freundlichkeit und Güte, Treue, Bescheidenheit und Selbstbeherrschung.

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