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Kirche in WDR 2 | 12.05.2014 | 05:55 Uhr

Barmer Erklärung

Vor ein paar Tagen habe ich eine Vortragsveranstaltung besucht. Das Thema lautete: „Aufgaben der Kirche heute“, und das fand ich nicht uninteressant. In einer Zeit, wo es mit der Bedeutung und der öffentlichen Akzeptanz der Kirchen nicht mehr so weit her ist, kann man die Frage auch gar nicht so leicht beantworten. Der Vortragsredner ging dann auch gleich auf die inzwischen üblichen Themen wie Missbrauchsskandale, leer stehende Gotteshäuser und zurückgehende Taufzahlen ein. Daran anschließend kam das Positive. Aufgabe der Kirche sei es, „die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk“.

Vielleicht ergeht es Ihnen an den Radios ja wie mir in diesem Vortrag. Dann haben Sie sich in diesem Moment gefragt, wer diesen Satz eigentlich verstehen soll. Dabei ist er aus einem ehrwürdigen Text, der in unserem Sendegebiet sogar zu den offiziell anerkannten Bekenntnissen der evangelischen Kirche gehört. Er stammt aus der Theologischen Erklärung der Bekenntnissynode von Barmen am 31. Mai 1934, wird also in diesem Monat just 80 Jahre alt.

Die Barmer Theologische Erklärung genießt mit Recht hohes Ansehen. Damals war man drauf und dran, dass die offiziellen kirchlichen Gremien ähnlich wie die Gewerkschaften, die politischen Parteien und die anderen gesellschaftlich relevanten Institutionen von den Nazis übernommen wurden. In dieser Situation sammelten sich aufrechte Christinnen und Christen, denen an der Glaubwürdigkeit ihrer Kirche lag und die sie nicht den braunen Menschenver-ächtern überlassen wollten, in der sogenannten Bekennenden Kirche. Und in der Erklärung von Barmen schrieben sie fest, was in der Kirche geht und was nicht, dass sie in kritischer Unabhängigkeit vom Staat und seinen Apparaten bleiben muss, und dass sie eine eigenständige Sendung an die Gesellschaft hat, die sich aus der Bibel und nicht aus irgendwelchen menschlichen Verordnungen herleitet.

Diese Einsichten haben bis heute Gültigkeit. Und so gibt es bis heute kaum eine wesentliche Verlautbarung, in der nicht dies oder jenes schöne Zitat aus der Barmer Erklärung Verwen-dung findet. Das ist gut gemeint und traditionsbewusst. Die Frage ist bloß, ob das einen vernünftigen Zweck hat. Denn es ist ja nicht damit getan, dass die Sprache, in der diese Erklärung abgefasst ist, einem überdeutlich vor Augen führt, dass achtzig Jahre eine sehr, sehr lange Zeit sind. Wichtiger noch ist die Einsicht, dass unsere Kirche heute nicht in einer faschistischen Diktatur lebt, nicht um die nackte Existenz kämpft und auch keineswegs gezwungen ist, gegenüber dem demokratischen Rechtsstaat abgrenzende Bekenntnisse abzulegen.

Gewiss, in unserer Kirche lieben wir die zeitlosen Wahrheiten. Zu einer solchen scheint auch die 80 Jahre alte Barmer Erklärung herangereift zu sein. Tatsächlich ist aber noch nicht einmal die Bibel eine zeitlose Wahrheit, jedenfalls nicht das Buch an sich. Gerade sie will von jeder Generation mit offenen Ohren neu gelesen, neu verstanden und für die jeweilige Ge-genwart neu zur Sprache gebracht werden. Für Bekenntnisse aus der Kirchengeschichte gilt das erst Recht. Die Barmer Erklärung steht dafür, dass es der Kirche in einer kritischen Zeit gegeben war, zu rechten Zeit das rechte Wort zu finden. Es mag ja sein, dass unsere Kirche heute genau diese Fähigkeit abgeht. Dann hilft es aber nichts, wenn man stattdessen bloß pietätvoll zitiert.

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