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Kirche in WDR 2 | 25.04.2016 | 05:55 Uhr

Barmherzig sein. Das Leben ist schon schwer genug!

Großzügig soll er sein! Ob in Nigeria, China, Australien oder Deutschland: Wenn Frauen und Männer befragt werden, welche Charaktereigenschaften sie sich bei ihrem Liebespartner wünschen, dann rangiert Großzügigkeit ganz weit vorne. Großzügigkeit wird weltweit höher bewertet als z.B. die Intelligenz und Gesundheit eines Menschen. Männer und Frauen aller Kulturen sind sich da einig: Großzügige Menschen sind attraktiv, denn sie sind nicht berechnend. Sie geben gerne und zwar nicht nur Geld, sondern auch Zeit, Küsse oder Nerven. Die Eigenschaft, die mit „großzügig“ beschrieben wird, hat große Ähnlichkeit mit einer anderen Charaktereigenschaft, die etwas aus der Mode gekommen ist: BARMHERZIGKEIT.

Der Sinn für Gerechtigkeit ist in uns Menschen angelegt, aber die Maxime „Gnade vor Recht“ gehört nicht zu unserem Basiswissen. Kleine Kinder können damit noch nichts anfangen. Es gehen viele Jahre ins Land, bis wir verstanden haben, wie sinnvoll es ist, anderen gegenüber barmherzig zu sein. Noch länger dauert es allerdings bis wir erkennen, dass wir auch uns selbst gegenüber barmherzig sein sollten.

Wir sind viel unbarmherziger mit uns, als es auf den ersten Blick scheint. Gewicht, Alterserscheinungen, Ärger über unsere eigenen Fehler – den meisten hängt der Leistungsgedanke im Nacken, getrieben von den Erwartungen an sich selbst. Unser Gespür, was wir uns zumuten und abverlangen können und was nicht, verlieren wir oft im Laufe des Lebens. Wir arbeiten bis zum „Geht-nicht-mehr“, quälen unseren Körper mit Diäten oder verlangen ihm sportliche Dinge ab, die in unserem Alter nicht angemessen sind. Bei unseren ganzen Bemühungen vergessen wir uns häufig selbst. Selten sind wir mit unserer Leistung rund rum zufrieden. Über peinliche Patzer ärgern wir uns oft noch, wenn sie unser Umfeld schon längst vergessen hat.

Mit sich selbst befreundet zu sein, sich einfach gern zu haben, fällt vielen schwer. Das Verbot der Selbstliebe ist in unserer abendländischen Kultur tief eingeschrieben. Und das Verrückte ist: bei den ganzen Bestrebungen immer besser zu werden, passiert genau das Gegenteil: Wir sind ernährungsbewusst wie nie, kochen aber schlechter als die Generationen vor uns. Nie wurden so viele Diäten gemacht wie heute, aber es gab auch noch nie so viele Übergewichtige. Das Leben beweist, dass wir den richtigen Dreh wohl nicht raushaben.

Wenn wir andere lieben sollen wie uns selbst, ist es entscheidend, wie gerne wir uns selbst mögen. Wenn wir anderen gegenüber barmherzig sein wollen, müssen wir zuerst mit uns selbst barmherzig sein. Wenn wir im Umgang mit uns selbst milde sind, dann fällt es uns auch viel leichter, anderen gegenüber liebevoll und geduldig zu sein, egal ob es beim Wegschnappen der Parklücke ist, bei der Dauerbeschallung durch Partygeräusche des Nachbarn, bei arbeitsunwilligen Kollegen oder unzuverlässigen Partnern. Wir selbst sind ja auch nicht perfekt.

Sicher ist: wir haben noch viel Arbeit in Sachen „Barmherzigkeit“ vor uns, denn meist sehen wir zuerst unsere Ziele, Vorsätze und Regeln. Bestimmt hilft es, wenn wir die anderen viel häufiger mit Mitgefühl betrachten, denn solche Barmherzigkeit geht überall unser Denken und Planen hinaus und dann ist das Leben ein wenig mehr so, wie Gott es sich schon immer vorgestellt hat.

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