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Kirche in WDR 4 | 21.07.2015 | 08:55 Uhr

Bekehrung

Guten Morgen! Manchmal lasse ich mich bekehren. Eigentlich ist mir jeder Bekehrungseifer zuwider. Ich lasse mich einfach nicht gern belämmern von selbsternannten Heilslehrern, Gesundheits- oder Moralaposteln.

Aber manchmal lasse ich mir etwas sagen und kriege dann auch die Kurve: „Willst du nicht vielleicht doch mal was Ehrenamtliches machen? Willst du nicht vielleicht mal das Auto stehen lassen und dich bewegen? Lass doch mal die Arbeit Arbeit sein und mach Urlaub!“

Erst sträube ich mich ein bisschen, aber dann bin ich doch dankbar für diesen Anstoß und merke: So eine Bekehrung ist gar nicht übel; sie hat – ganz gegen ihren schlechten Ruf - etwas Befreiendes. Ohne diese Anstöße würde ich keine neuen Wege ausprobieren. Ich kann ja nur das erfahren, worauf ich mich einlasse.

Das gilt auch für den Glauben.

Wenn ich wissen will, ob es gut für mich ist, Christ zu sein, gläubig zu sein, muss ich das Christsein praktisch ausprobieren.

Sie sind, wenn ich Sie gleich mal persönlich ansprechen darf, gerade schon dabei; denn wer wissen will, was zum Beispiel eine Andacht ist, kann ja mal zu Hause oder beim Autofahren eine Radioandacht hören, so wie Sie jetzt gerade. Und wer wissen will, ob ihm Gottesdienste etwas bedeuten, der kann ja mal wieder zur Kirche gehen, offen und unvoreingenommen. Und wer wissen will, ob die Bibel ihm etwas zu sagen hat, der kann ausprobieren, wie es ist, am Tagesbeginn oder am Abend Abschnitt für Abschnitt beispielsweise das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte im Neuen Testament zu lesen und diese Lektüre in sich nachwirken zu lassen. Ich kann auch ausprobieren, was passiert, wenn ich am Morgen oder am Abend für mich im Stillen ein Gebet spreche. Das Vaterunser ist ein schöner, geprägter Text, der mich hineinführen kann in die Gebetspraxis und mir außerdem viel zu denken gibt. Ausprobieren lässt sich auch, was geschieht, wenn ich die Praxis der Nächstenliebe, zum Beispiel in einem Ehrenamt, ganz bewusst zu in meinen Alltag einplane.

Das sind alles Möglichkeiten, die sich anbieten. Es kann sein, dass sich dabei Sichtweisen und Gewohnheiten verändern und sich so tatsächlich eine Bekehrung vollzieht. Es kann aber auch sein, dass ich – wenn es mir zu eng und zu viel wird, schmunzelnd, aber doch auch ernsthaft sage: „Nein danke, ich bin schon bekehrt.“

Einem weit verbreiteten Vorurteil zufolge heißt: „Bekehr dich“ ja leider so viel wie – „Schluss mit lustig!“ Du musst jetzt dies und das und jenes, kein Spaß mehr beim Feiern, kein Spaß mehr beim Sex, immer moralisch und immer der frommen Konvention angepasst. Mit diesem Missverständnis haben sich schon die ersten christlichen Gemeinden herumgeschlagen.

Zum Glück gibt’s auch die andere Erfahrung: Ich treffe immer wieder Jugendliche, die sich in der Kirche ausprobieren. Die drücken ihren Glauben in eigener Musik aus – spielen zum Beispiel in der Band bei der Jugendkirche oder produzieren youtube Videos mit spirituellen Inhalten oder finden in der Gemeinde andere, die wie sie keine Lust mehr haben auf reinen Konsum, sondern zusammen was erleben wollen. Das gilt natürlich nicht nur für Jugendliche.

„Meinst du nicht doch, dass du da mitmachen kannst?“ Warum nicht? Ich kann’s ja mal ausprobieren. Manchmal lass ich mich bekehren, auch wenn Bekehrungseifer nicht mein Ding ist.

Ihr Dieter Beese aus Bielefeld.

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