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Kirche in WDR 5 | 10.02.2016 | 06:55 Uhr

Bekenntnis meiner Würde

Guten Morgen!

Vor einiger Zeit erzählte mir eine katholische Religionslehrerin etwas für mich Kurioses: In einer katholischen Grundschule ließ sie die Kinder das liturgische Schuldbekenntnis aufschreiben, das immer mal wieder in der Eucharistiefeier gebetet wird. Sie ließ es aufschreiben, einfach damit die Kinder mit dem Wortlaut vertraut wurden und sie etwas über den Inhalt sprechen könnten. Nicht gerechnet hatte sie mit der Reaktion der Eltern. Ganz erbost kamen viele zu der Lehrerin und protestierten lautstark: sie würde die Kinder dazu bringen, dass sie sich vor Gott klein machen! Als sie es mir erzählte, war ich für einen Moment wirklich sprachlos.

Denn ich denke: Das Schuldbekenntnis, das in der Liturgie der katholischen Kirche gebetet wird, hat ganz und gar nichts mit Klein-machen zu tun! Im Gegenteil! Indem ich es aufrichtig spreche, übe ich ein christliches Grundverhalten ein: Wer auch immer ich bin, - ob klein oder groß, ob wichtig oder unwichtig in menschlichen Maßstäben –, ich stehe verantwortlich für mein Leben vor Gott. Viele Psychotherapien, die nichts mit Gott zu tun haben, würden es als Ziel der Reifung bezeichnen, bereit zu werden für die Verantwortung des eigenen Lebens. Und wie viele Menschen ducken sich fortwährend in ihrem Leben und fliehen vor der Verantwortung. Wer aber sein Leben selbst verantwortet, wird fähig sein, eine gesunde Beziehung zu einem anderen Menschen einzugehen. Christliches Grundverhalten ist immer zugleich auch ein soziales Grundverhalten, denn niemand ist allein Christ.

Wenn Christen in der Liturgie dieses Schuldbekenntnis gemeinsam sprechen, machen sie voreinander deutlich, dass sie zu ihrem Tun und Lassen stehen, vor Gott und vor der Gemeinschaft. Die Verantwortung zu übernehmen für das, was ich tue, lässt mich aufrecht stehen. Und daher ist das Schuldbekenntnis für mich ein Akt der Würde, nicht der Demütigung durch andere.

Ich selbst spreche ja in diesem Bekenntnis über meine Tun und es urteilt nicht jemand anderes über mich. Und wenn ich dann spreche „Ich bekenne, dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe“; dann wird mir jedes Mal wieder bewusst, dass so Manches, was großen Schaden für das Leben anderer nach sich zieht, gerade darin besteht, dass ich nichts tue. Ja noch mehr: das vermeintlich gut Gemeinte, kann böse Folgen für andere haben! Es gibt wohl keinen Menschen, der sich schon mal dabei erwischt hat, etwas zu tun, was auf keinen Fall gut war. Wie oft tun wir Menschen Böses an - ohne jede Absicht!

Das dem anderen gegenüber zuzugeben, klärt oft die Situation und schafft die Grundlage für Versöhnung. Zu dem persönlichen Schuldbekenntnis kommt noch etwas hinzu: In der Liturgie sprechen es alle gleichzeitig. Alle stellen sich also auf die gleiche Ebene. Alle sind gemeint, auch die, die der Liturgie vorstehen, die Priester, Bischöfe oder gar der Papst

Und nachdem ich dann beim Schuldbekenntnis in der Gemeinschaft bekannt habe, dass ich bereit bin, die Folgen für mein Lassen und Tun zu übernehmen, folgt ein weiterer Schritt: Ich wende mich an all die anderen um mich herum und bitte sie, mich in dieser Situation nicht fallen zu lassen, sondern für mich zu beten, das heißt mit mir vor Gott hinzutreten und für mich einzutreten. Und zwar bitte ich nicht nur die Menschen um mich herum, sondern auch alle Engel und Heiligen. Ich weiß mich zugehörig zu einer großen Gemeinschaft, die an einen lebendigen Gott glaubt, der vor allem eins ist: barmherzig.

Umkehr im Sinne des Schuldbekenntnisses bedeutet also die bewusste Hinwendung zum Leben, in der Gemeinschaft, vor Gott.

Heute, am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Früher hörte man noch öfter als heute, dass diese Tage eine Bußzeit sind. Für mich ist das keine Zeit des Kleinmachens. Ich erlebe es als eine überaus sinnvolle Übungszeit, mich den Realitäten meines Lebens zu stellen.

Dass Sie heute den Mut finden, sich dem Leben zuzuwenden, wünscht Ihnen Sr. Ancilla Röttger aus Münster.

Copyright Vorschaubild:nun Br. Christian Seno OFM CCBY 2.0 flickr

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