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Das Geistliche Wort | 07.12.2014 | 08:40 Uhr

Bereitet dem Herrn den Weg!

Wieder hat’s nicht geklappt! Und das regt mich auf! Eigentlich wollte ich pünktlich da sein! Ich hatte sie nicht bedacht: die Baustelle auf der Autobahn! Zeitverlust etwa 25 Minuten. Auch diese Info half da wenig. Und dann waren da noch vier Ampeln in der Stadt – jedes Mal rot. Die Sitzung ging mal wieder ohne mich los. Dabei war es gerade heute wo wichtig! Ok. Selber Schuld – ich könnte ja früher aufbrechen oder rechtzeitig Verkehrsfunk hören. Heute war’s dafür zu spät.

Guten Morgen!

Musik 1

Zu spät zu kommen, das ist einfach ärgerlich. Wenn ich zu spät komme ärgere ich mich über mich selbst und andere ärgert es auch. Da helfen auch keine Entschuldigungen von wegen Baustelle, roter Ampel oder Umleitung.

Wie sehne ich mich danach, schnell und problemlos an mein Ziel zu kommen. Das gilt übrigens nicht nur für den Straßenverkehr mit all den verstopften Straßen, Baustellen und Umleitungen. Schnell und problemlos an ein Ziel zu gelangen, das wünsche ich mir auch für mein Leben: Problemlos die Prüfung bestehen, problemlos eine Herausforderung im Beruf meistern, problemlos mit meinen Kolleginnen und Kollegen zusammen arbeiten, problemlos mit dem lieben Nachbarn leben. Das wäre echt klasse – klingt aber zu schön, um wahr zu sein. Wie im Straßenverkehr ist auch das Zusammenleben oft gestört und führt nur auf Umwegen zum Ziel. Denn immer wieder erlebe ich gerade im Umgang mit Menschen, dass da Blockaden sind, ich Umwege gehen muss, um Menschen zu erreichen. Ich habe sogar erfahren, dass mir Knüppel zwischen die Beine geworfen wurden. Da wurde mir einmal unterstellt, dass ich mit Kirchengegnern kollaboriere, dabei ging es parteiübergreifend um ein soziales Projekt in unserem Stadtteil.

Im Rückblick fällt mir auf: Eigentlich konnte ich nur wenige Wege gerade und ungehindert gehen. Aber das machte mich nicht traurig. Mir fällt ein, dass es immer wieder Menschen gab und gibt, die mir den Weg gebahnt haben. Da hat ein Freund mir einen Rat gegeben, wo ich nicht weiter wusste.

Musik 2

Von einem Mann, der Wege ebnen will, erzählt auch die Bibel und zwar gerade jetzt in den Tagen des Advent – der Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Die Bibel beschreibt ihn als einen Typen, der aus dem Rahmen fällt, der anders lebt, als die Menschen seiner Zeit: Nicht in einer großen Stadt oder in einem Dorf. Er sitzt auch nicht an den Tischen und verhandelt mit den Politikern und Reichen seiner Zeit. Hält keine Zechgelage mit ihnen ab. Er lebt von Heuschrecken und wildem Honig in der Wüste. Und den neusten Modetrends läuft er auch nicht hinter her: Ein einfaches Gewand aus Kamelhaar ist seine Kleidung. Kurz gesagt: Er ist ein Exot. Aber gerade deshalb suchen ihn die Menschen auf. Für sie ist er ein Ratgeber. Einer der um Lösungen weiß wenn ich mich in der Sackgasse verrannt habe, wenn‘s gar nicht mehr weiter geht. Der Mann ist Johannes der Täufer! Er hat ein eigenartiges Selbstverständnis: Er weist von sich weg auf einen anderen hin: auf den Messias. Genau den erwartete das Volk, damals vor 2000 Jahren. Den Heilsbringer, mit dem eine neue Zeit anbrechen soll. Die Menschen glaubten allerdings, dass Johannes selbst dieser Heilsbringer sei. Er aber weist von sich weg auf Jesus hin. Mehr noch: Er sagt den Menschen: Bereitet diesem Jesus den Weg. Den Weg bereiten! Johannes greift damit ein Bild auf, dass die Menschen damals, zu seiner Zeit problemlos verstanden. Wege von einem Ort zum anderen quer durch die Wüste waren vor 2000 Jahren in Israel steil und gefährlich. Es war mühsam und beschwerlich auf ihnen zu gehen. Keine geraden und ebenen Straßen. Eher staubige Wege mit Geröll und Steinen, schmale Pfade, vielleicht gar nicht richtig zu erkennen.

Kein Wunder, dass auch damals schon die Sehnsucht der Menschen groß war problemlos und sicher ein Ziel zu erreichen. Johannes geht es aber nicht vordergründig um den Straßenbau. Johannes geht es um etwas ganz anderes in dem Bild vom Bereiten der Wege. Es geht ihm um den inneren Weg des Menschen zu Gott. Und dabei wird die Perspektive umgedreht: Nicht mehr der Mensch geht auf einem Weg zu Gott, sondern Gott kommt auf einem Weg zum Menschen. Und genau dieser Weg soll bereitet werden. Was das damals bedeutet hat, davon berichtet das Neue Testament:

Sprecher:

„Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündete Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.“

Musik 3

Johannes der Täufer ist der Rufer in der Wüste, der die Menschen auffordert: „Bereitet dem Herrn den Weg!“ Damit greift Johannes hier ein Zitat des Propheten Jesaja auf. Der lebte schon 500 Jahre vor ihm. Jesaja rief dem Volk Israel in der Verbannung zu: Bereitet dem Herrn einen Weg. Damit wollte er sagen: Vertraut auf Gott! Wenn er zu euch kommt, dann wird er euch auch aus der Verbannung durch die Wüste nach Hause begleiten – und das auf einem sicheren Weg. Auch hier geht es erst um den inneren Weg, den Weg Gottes zu den Menschen, damit sie aufbrechen können und einen neuen Weg gehen können, einen Weg in die Freiheit. Tatsächlich wurde das Volk Israel bald schon aus Babylonien in die Freiheit geführt, zurück nach Israel – wie es Jesaja verheißen hatte. Wenn der Weg Gottes zu den Menschen geebnet ist, dann gelingt auch der Weg des Menschen in die Freiheit. Auf diese konkrete geschichtliche Erfahrung konnte Johannes setzen, als er dann zu den Israeliten sprach: Bereitet dem Herrn einen Weg.

Und wenn ich heute diesen Ruf des Johannes höre? Dann geht es nicht darum, dass ich problemlos an ein Ziel komme. Dann geht es auch darum, Jesus einen Weg zu mir zu bereiten. Er soll in mein Leben Einzug halten. Dann erst kann auch mein Lebensweg in die Freiheit führen.

Und wie geht das? Jesus einen Weg bereiten? Es gibt nicht den einen Weg. Jeder Mensch muss wohl für sich entscheiden, wie er Gott einen Weg zu sich bahnen will. Ich kann Ihnen daher nur erzählen wie ich versuche, dieses Wort des Johannes zu leben, Jesus den Weg zu bereiten in meinem Leben:

Wenn ich die Sonntagspredigt vorbereite, dann ist das für mich nicht einfache Arbeit, die zu meiner Tätigkeit als Priester und Prediger dazugehört. Es ist für mich Wegbereitung, indem ich mich mit den Texten der Bibel intensiv beschäftige, sie an mich heran lasse: Und was hat dieses oder jenes Wort mit meinem Leben zu tun? Ich denke zum Beispiel an den Psalm 23 und zwar an diesen Satz, der mir wichtig ist: „Denn du bist bei mir, und dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.“ (Vers 4) Dieser Satz gibt mir wirklich Zuversicht: Ich bin nicht allein. Und das gibt mir Mut, getrost in die Zukunft zu gehen.

Und für mich als Priester ist noch etwas anderes sehr wichtig: die Feier der Hl. Messe – auch während der Woche. Frühmorgens, am Beginn des neuen Tages feiere ich dann nur mit wenigen anderen Menschen die heilige Messe im Dom zu Paderborn. Aber es sind genau diese Menschen, die mir zeigen, dass ich nicht allein auf dem Weg bin als Christ. Wir stellen die Begegnung mit Jesus in der Messe an den Anfang unseres Tages, durch Lob und Dank aber auch Bitte und Gebet. So bereiten wir Jesus einen Weg in das eigene Leben, denn auch hier hören in den biblischen Texten von ihm.

Es gibt aber für mich noch eine andere Wegbereitung, damit Jesus in mein Leben treten kann, handfest und geerdet: Seit drei Jahren pflege ich meinen heute 85jährigen Vater. Da fragen mich Leute: Warum machst du das? Und ich antworte: Weil er sich einfach freut, wenn ich mittags mit ihm esse, weil er dankbar ist für die vielen kleinen Hilfen im Alltag, weil er es kaum erwarten kann, dass wir am Sonntag mit dem Rollator durch die Felder gehen. Und seine Freude steckt mich an. Ich habe den Eindruck, ich bereite nicht nur meinem Vater damit einen schönen Weg durch ein paar Stunden des Tages, in der Freude kommt auch schon etwas von Gott auf mich zu. Ja, so Jesus einen Weg bereiten. Für mich wird so das Wort des Johannes ganz konkret.

Musik 4

Jesus einen Weg bereiten im konkreten Alltag, da bin ich gefordert. Aber ich erfahre auch: Das ist keine Einbahnstraße. Jesus kommt auch auf mich zu und nimmt einen Platz in meinem Leben ein. Das geht nicht immer schnell. Das geht auch nicht ohne Umwege. Manchmal kann der Weg auch ganz schön steinig sein.

Übrigens: Die Geschichte der Kirche ist voll von Menschen, die das Wort Johannes des Täufers gelebt haben. Sie haben versucht Jesus einen Weg in ihrem Leben zu bereiten und gleichzeitig erfahren, er begegnet mir auch.

Für mich wird das deutlich am Beispiel der französischen Mystikerin und Sozialarbeiterin Madeleine Delbrel, die mich begeistert. Sie hat von 1904-1964 gelebt. In einem christlichen Elternhaus geboren, konnte sie irgendwann mit dem überlieferten Glauben ihrer Eltern nichts mehr anfangen. Sie hat sich vom christlichen Glauben völlig abgewandt. In ihren Jugend- und frühen Erwachsenenjahren bezeichnet sie sich selbst als Atheistin. Dann erlebt sie während des Studiums Mitstudenten, die einen Glauben lebten, Der sie ansteckt und begeistert. Und so ändert sie ihr Leben völlig; bisherige Wege lässt sie hinter sich. Ihre Lebensplanung wirft sie völlig um! Sie bereitet Jesus einen Weg in ihrem Leben. Dazu geht sie aber nicht ins Kloster. Sie geht als Sozialarbeiterin in einen kommunistisch geprägten Vorort von Paris. Völlig schräg für die damalige Zeit! Mit und unter den Menschen, denen sie dort begegnete, hat sie als Christin gelebt. Nicht weltabgewandt und zurückgezogen. Sie hat Gott den Weg zu sich bereitet, indem sie den Menschen begegnete, sei es im Beruf, in einem Straßencafé oder sonst wo. Jesus den Weg zu sich bereiten, indem sie den Menschen begegnete, wie sie nun einmal waren. Hier hat sie Jesus aber nicht nur einen Weg bereitet, sondern sie hat auch erfahren, dass er zu ihr gekommen ist, im alltäglichen Leben. Madeleine Delbrel schreibt:

Sprecher:

„Geht in euren Tag hinaus

ohne vorgefasste Ideen,

ohne die Erwartung von Müdigkeit,

ohne Plan von Gott,

ohne Bescheidwissen über ihn,

ohne Enthusiasmus,

ohne Bibliothek –

geht so auf die Begegnung mit ihm zu.

Brecht auf ohne Landkarte –

und wisst, dass Gott unterwegs

zu finden ist,

und nicht erst am Ziel.

Versucht nicht,

ihn nach Originalrezepten zu finden,

sondern lasst euch von ihm finden

in der Armut eines banalen Lebens.“

Sich von Gott finden lassen, indem man ihm den Weg bereitet in der Armut eines banalen Lebens. Mich berührt und fasziniert dieser Gedanke immer wieder neu.

Gott den Weg zu mir bereiten, nicht in außerordentlichen Übungen und hehren Vorsätzen, sondern in der Armut meines banalen Lebens.

Gott, ich will dir einen Weg bereiten zu mir, in dem was mir begegnet heute, an diesem Tag.

Musik 5

Aus Paderborn grüßt sie herzlich

Ihr

Domkapitular Andreas Kurte

1. Gebet in einem weltlichen Leben, 31f. [zit. n. Madeleine Delbrêl, Gott einen Ort sichern. Texte-Gedichte-Gebete, hrsg. von Annette Schleinzer, Kevelaer 2007, 38]; Joies venues de la montagne, Humour dans l’Amour, OC tome III Nouvelle Cité, 81.

Copyright Vorschaubild: CCO Public Domain Pixabay

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