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Kirche in WDR 4 | 10.05.2014 | 08:55 Uhr

Berg der Seligpreisungen

Wir hatten lange in der Höhle am Abhang des leicht ansteigenden Berges gesessen. Plötzlich sagte einer: Es stimmt! Jesu Augen haben, wenn er hier saß, nicht viel anderes gesehen. Die Landschaft am See Genezareth, diese Vegetation in aller Verschiedenheit und doch in einer wunderbaren Gleichzeitigkeit, ist an dieser Stelle seit zweitausend Jahren noch nahezu unverändert.

Guten Morgen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer!

Später bin ich mit der kleinen Gruppe höher gestiegen. Unter uns lag der See. Ein paar kleinere Fischerboote waren zu der frühen Morgenstunde auf dem Wasser. Fischer zogen die Netze ein.

Irgendwo in dieser Gegend lokalisiert die christliche Pilgertradition die „Bergpredigt“ Jesu. Oder auch „Feldrede“ genannt. Sie beginnt mit Glücklichpreisungen, Seligpreisungen.

Entscheidend ist, wer da glücklich, bzw. selig gepriesen wird:

Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn i h n e n gehört das Himmelreich.

Selig die Trauernden; denn s i e werden getröstet werden.

Selig, die keine Gewalt anwenden; denn s i e werden das Land erben.

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn

s i e werden satt werden.

Selig die Barmherzigen; denn s i e werden Erbarmen finden.

Selig, die ein reines Herz haben; denn s i e werden Gott schauen.

Selig, die Frieden stiften; denn s i e werden Söhne Gottes genannt werden.

Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn i h n e n gehört das Himmelreich. (Mt 5,3-10)

Nicht weit von Kafarnaum entfernt gab es einen Ort, an dem ganz andere Menschen selig gepriesen wurden. Da hieß es:

Selig, die gegen die Feinde Israels Krieg und Gewalt anwenden und sie vernichten, denn s i e werden das Land erben. Selig, wer das Land reinigt von heidnischer Unreinheit, s i e werden die messianischen Tage sehen. Selig, die unbarmherzig mit den Feinden Gottes umgehen, denn s i e werden Kinder Gottes genannt werden.

Die so sprachen und dachten waren Eiferer, Zeloten für ein reines Judentum im Palästina der damaligen Zeit. In den Augen der Herrschenden waren sie Terroristen. Einer ihrer Orte hieß Gamla und lag in Sichtweite von Kafarnaum. Im Jüngerkreis Jesu gab es Simon, den Zeloten. Und manche vermuten sogar Judas als einen Anhänger dieser radikalen Richtung. Tatsächlich haben diese Zeloten ca 30 Jahre nach Jesu Tod, im jüdisch-römischen Krieg, den Aufstand gegen die Römer gewagt. Aber sie sind erbärmlich untergegangen, und kaum jemand von ihnen hat diesen Krieg überlebt.

Jesus setzt sich bewusst von dieser Bewegung ab. Er preist die Friedensmacher selig, die Barmherzigen, die Trauernden und nicht die laut Triumphierenden. Das ist seine Botschaft über die Jahrtausende hinweg. Es ist eine zutiefst menschliche und politische Botschaft, die leider bis heute durch eine menschenverachtende Politik nicht gehört wird. Ihre Missachtung, auch in manchen Jahrhunderten durch die Kirche oder in unseren Tagen durch nationalistisches Geschrei oder Waffenhandel, hat zu einer tiefen Blutspur in der Geschichte geführt. Jesus hat die Opfer einer solchen Gewalt im Auge. Er will Menschen, auch den Feind, „entdämonisieren“. Sein Gottesbild erlaubt es ihm nicht, nationale und religiöse Vorurteile zu pflegen. Das Judentum kennt den Satz: „Held ist, wer aus einem Feind einen Freund macht.“ In diesem Sinne war Jesus ein „Held“. Oder nach den Maßstäben, die unter Menschen und Völkern leider bis heute gelten, eher ein „Anti-Held“. Ihm folge ich aber lieber als den sogenannten „Großen“ der Geschichtsbücher.

Dass s i e heute einem solchen „Anti-Helden“, einem Menschen des Friedens und der Versöhnung begegnen, auch in sich selbst, wünscht ihnen Pfarrer Wilhelm Bruners aus Mönchengladbach.

Bildrechte: Dan Lundberg (flickr) CC-BY-SA 2.0

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