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Hörmal | 25.06.2017 | 07:45 Uhr

Bergetappe

Mitte Juli ist es soweit: Ich werde die Alpen überqueren. Zu Fuß. Mit meiner Frau. Und gerade laufe ich Wanderschuhe dafür ein.

Zugegeben: Wir werden das wohl kontrolliert machen. In einer geführten Gruppe, keine Mörderpässe – aber für mich ist das schon etwas. Da habe ich Respekt vor und auch ein bisschen Schiss. Das wird ein Kampf, das weiß ich. Konditionell aber auch mental. Ich habe nämlich mit Höhenangst zu tun. Und ich fürchte, mein flachlandverwöhnter Körper wird auch nicht gerade jubeln, wenn ich ihn von Oberstdorf nach Meran schleppe. Egal. Das wollte ich eben immer schon mal machen, die Alpen zu Fuß überqueren.

Und, dass Hannibal damals sogar Elefanten über die Alpen gejagt hat, das hat mich als Kind schon fasziniert. Heute tröstet mich irgendwie der Gedanken, dass es auch Elefanten gepackt haben. Also warum nicht auch ich?!

Meine letzte richtige Bergetappe war mit den Pfadfindern. Wir waren damals im Sommerlager in Norwegen. Ich war Jungpfadfinder, so ungefähr 15. Und zum richtigen Sommerlager gehört ein Hike. So heißt das, wenn Pfadfinder ein paar Tage mit allem Gepäck loswandern, mit Zelten, Verpflegung und allem Zip und Zap – außer den Leitern. Der Hike in Norwegen gehört zu den krassen Erfahrungen meines Lebens – nicht nur wegen meiner Höhenangst. Wir waren auf einem Hochplateau in Norwegen unterwegs. Mit riesen Rücksäcken. Und ich weiß noch, wie wir an einem Abhang nicht vor und nicht zurückkamen. Ich mit meiner Höhenangst. Da habe ich das erste Mal gesehen, wie das ist, wenn Menschen in der Not beten. Und dann kam das Gewitter. Noch nie war ich der Natur so ausgesetzt wie in dieser Nacht. Nichts ging mehr. So gerade noch konnten wir unser Zelt aufbauen und kauerten dicht an dicht in unseren Schlafsäcken, während um uns die Welt in Blitzen und strömenden Regen unterzugehen schien. Zu Essen hatten wir noch ein paar Nüsse. Nur eine Flasche Wasser war übrig. Die ging reihum. Und jeder sagte „Nein, nimm du, du brauchst das mehr als ich“. Das Wasser hat bis zum Morgen gereicht.

Und was war das für ein Morgen! Frieden auf Erden. Nach einer Stunde kamen wir an einen See: endlich trinken! Noch nie hatte Wasser so gut geschmeckt. Wir hatten Fertig-Kartoffelpü dabei und daraus auf unserem Campingkocher mit dem Seewasser total vermatschte Bratlinge gebacken. Diese Bratlinge, die wir da in der Sonne auf großen Steinen am See geteilt hatten: Das war ein Fest!! Das war – ja, so was wie Eucharistie. Ein Dankessen. Wir hatten Gemeinschaft erfahren, Solidarität. Da gab es kein „ich zuerst“. Wir alle wussten, um was es ging. Wir alle waren dankbar, dass wir diese Nacht überstanden hatten und wir haben uns beschenkt gefühlt von der Natur, die nach einem Weltuntergang in der Nacht davor zeigte, dass etwas wie Auferstehung möglich ist. So schön war dieser Tag. So muss Noah sich gefühlt haben nach der großen Flut. Fehlte nur der Regenbogen.

Als wir nach 5 Tagen am Ziel ankamen zurück vom Hochplateau, da haben wir unseren Leitern nicht alles erzählt, unseren Eltern schon mal gar nicht. Das war eine Grenzerfahrung. Aber ich bin für diese Bergetappe in Norwegen extrem dankbar. Das Gefühl: Wir haben das gemeistert, weil wir zusammengehalten haben. Wo lernt man das heute noch so intensiv?

Warum erzähle ich das? Vielleicht, weil ich mir ein bisschen Mut anreden muss für meine Bergetappe in 2 Wochen über die Alpen. Natürlich hoffe ich, dass ich es nicht wieder so krass erlebe, wie damals in Norwegen. Aber ich weiß seit dem auch: Gerade, wenn ich an meine Grenzen komme, kann ich Dinge erfahren, für die das Leben sonst leider wenig Platz hat: Gemeinschaft, Solidarität und Vertrauen ... von der tollen Natur ganz zu schweigen.

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