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Kirche in WDR 4 | 28.03.2018 | 08:55 Uhr

Beten geht immer

Guten Morgen!

In den nächsten Tagen gehen Viele wieder zur Kirche. An Gründonnerstag, Karfreitag oder zu Ostern. Dann läuten die Glocken, die Menschen nehmen sich ein Gesangbuch, begrüßen Bekannte und suchen sich einen Platz aus. Bevor sie sich setzen, bleiben sie oft noch einen Moment ruhig stehen. Warum tun sie das? Eine spontane Umfrage im Bekanntenkreis ergab: Es gibt dafür offensichtlich keine festen Regeln. Viele danken Gott. Andere bitten ihn still: „Gott, hier bin ich. Hilf mir, jetzt zur Ruhe zu kommen und auf Dein Wort zu hören.“ Manche bitten um einen guten Gottesdienst. Nur Wenige können sagen, wer ihnen dieses Ritual erklärt hat. Die meisten tun es, weil es andere auch tun, „weil man das halt so macht“. Dabei haben sie den Sinn der Sache gar nicht verstanden. Ein Freund meinte: „Ich zähle bis fünf, bevor ich mich setze.“ Andere haben das kurze Ritual von ihrer Pfarrerin oder dem Großvater gelernt. Wieder andere versuchen einfach, sich zu konzentrieren und sich innerlich auf den Gottesdienst einzustellen. Fast alle, die ich befragt habe, waren der Meinung: Dieses kurze stehen bleiben und inne halten, bevor ich mich hinsetze – das ist ein sinnvoller Moment. Sie spüren: Der Kirchgang ist etwas anderes als ein Kinobesuch. Da ist der Raum. Schön hergerichtet, oft alt und ehrwürdig. Kirchenfenster, Kanzel, Altar oder Abendmahlstisch verweisen auf biblische Geschichten und die Gegenwart Gottes. Viele Generationen von Menschen haben hier schon gebetet, gesungen, gelacht und geweint, geglaubt und gezweifelt.

Kirchen sind besondere Orte. Zur römisch-katholischen Tradition gehört das Hinknien und das sich Bekreuzigen. Vielleicht ist daraus im Protestantismus der Moment des Innehaltens geworden. Menschen spüren die Würde des Ortes und der Feier und dass es jetzt nicht alltäglich zugeht. Vielleicht gut, dass es für dieses kleine Ritual keine festen Regeln gibt. So kann es jeder für sich füllen. Oder sich einfach so hinsetzen. Ein Tabu ist das sicher auch nicht.

Aber tatsächlich kann dieser Moment vor dem Beginn des Gottesdienstes ein guter Anlass sein, wieder einmal zu beten - egal, was die anderen tun. Ob schweigend oder mit konkreten Bitten oder konkretem Dank. Anlässe, mit Gott ins Gespräch zu kommen, gibt es genug. Und nicht umsonst heißt es in der Bibel: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft.“ (Psalm 66,20)

Was ich Gott sage, geht nicht ins Leere. Und zum Glück gibt es auch für das Beten keine Regeln. Da darf alles vorkommen. Freude und Fragen genauso wie Wut und Trauer. Der Theologe Karl Rahner hat einmal gesagt: „Ich glaube, weil ich bete.“ So eine große Bedeutung hat er dem Gespräch mit Gott zugemessen. Deshalb ist es eine gute Idee, diesen Moment vor dem Hinsetzen dafür zu nutzen. Niemand muss das tun. Aber wenn man sich unsicher ist: Beten geht immer.

Einen guten Tag wünscht Ihnen, Ihr Pfarrer Bernd Becker aus Bielefeld.

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