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Kirche in WDR 2 | 11.05.2015 | 05:55 Uhr

Betest du etwa?

Betest du etwa? Das fragte mich neulich ein Bekannter, der mit mir im Zug saß und merkte, dass ich für einige Zeit ganz konzentriert mit meinen Gedanken beschäftigt war. Ich nahm rundherum nichts anderes mehr wahr und hatte, glaube ich, auch die Hände gefaltet. Das war auffällig. Außerhalb von Kirchenräumen gehört Beten nicht zu den Dingen, die man im Alltag wahrnimmt. Und wenn zum Beispiel manche Fußballspieler, vor dem Anpfiff die Hände und den Blick zum Himmel öffnen, werden viele Zuschauer gar nicht wissen, dass da jemand eine Gebetshaltung einnimmt.

Der gestrige Sonntag fordert mit seinem traditionellen Namen „Rogate“ sogar zum Beten auf. „Rogate“ ist Lateinisch und heißt genau das: Betet! Auch das ist befremdlich und könnte vielleicht sogar unangenehme Assoziationen hervorrufen. Die Anordnung „Helm ab zum Gebet“ stammt aus einer unseligen deutschen Militärtradition. Und wenn uns in den Fernsehnachrichten Bilder vom Freitagsgebet in einer Moschee erreichen, dann erweckt auch dies bei vielen den Eindruck, als ob Beten hier nur dazu dient, eine Masse von Menschen auf Kommando in eine vorschriftsmäßige Stimmung zu versetzen. Auch wenn das so natürlich nicht stimmt.

Die meisten von uns wittern beim Beten etwas Peinliches oder gar Gefährliches. Das hängt damit zusammen, dass wir Beten in der Regel eher als etwas Persönliches, fast schon Intimes verstehen. Dazu lässt man sich nicht nötigen. Untersuchungen zufolge beten zwar mehr Menschen als man meint, aber im normalen Leben ist das Beten praktisch tabu. Wer’s tut, spricht nicht drüber. Das scheint auf den ersten Blick sein Recht zu haben. Immerhin hat auch Jesus bei einer bestimmten Gelegenheit einmal gesagt: Wenn du beten willst, dann geh in dein Kämmerlein – und sich damit deutlich dagegen ausgesprochen, das Beten als eine Art from-men Leistungssport öffentlich zur Schau zu stellen.

Trotzdem ist Beten alles andere als pure Privatsache. Derselbe Jesus hat in einer besonders dramatischen Situation klar und kompromisslos zum Gebet aufgefordert. Da erwartete er die Truppe, die ihn festnehmen sollte. Betet, hat er seinen Jüngern gesagt, damit ihr nicht in Anfechtung fallt. Hier kommt das Beten in seiner eigentlichen Bedeutung in den Blick, nämlich weder als Selbstgespräch noch als sinnloser Dialog mit einem nicht-existenten Gegenüber, sondern als eine ganz bestimmte Haltung, die es mir ermöglicht, in bestimmten Situationen bestimmte Kraftquellen zu wecken.

Es ist kein Zufall, dass in einer komplizierter werdenden Welt immer mehr Menschen zu Atemübungen, Ausdruckstanz, Yoga und Zen greifen und an jedem meditativen Bauchladen Rat und Hilfe suchen. Das mag vielen helfen, den Alltag zu bewältigen, und ich will das gar nicht abwerten. Persönlich kann ich sagen, dass ich mit der einfachen, aber wirkungsvollen Technik des Betens bislang ganz gut durchs Leben gekommen bin. Ich danke Gott, wenn es mir gut geht, ich klage Gott, wenn etwas Schlimmes passiert ist, ich bitte Gott, wenn jemand Hilfe braucht. Eine gute Praxis, die ich nachdrücklich empfehle.

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