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Das Geistliche Wort | 14.08.2016 | 08:35 Uhr

Buch des Lebens

Autorin: Nach den Ferien geht’s für Christoph los mit dem Konfirmandenunterricht. Als Patentante steuere ich selbstverständlich die Bibel bei. In der Übersetzung Martin Luthers. Vorläufig erstmal noch die in der überarbeiteten Fassung von 1984. Im Oktober, zum Reformationstag, bekommt er dann die neu überarbeitete, die zum 500. Jubiläum der Reformation erscheint. Als wir uns zu Beginn der Ferien treffen, überreiche ich also die Bibel feierlich an Christoph und sage: „Das Buch des Lebens. So nennt man die Bibel auch oft. Ich wünsche Dir, dass Du sie als solches Buch des Lebens für Dich entdeckst.“ Christoph ist nicht sehr begeistert, schlägt seine Bibel aber höflich auf. Fast mittig. Und er liest:

Sprecher:

„Herr, du bist unsre Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!

Denn tausend Jahre sind vor die wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.

Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom,

sie sind wie ein Schlaf,

wie ein Gras, … das am Morgen blüht und sprosst und des Abends welkt und verdorrt.

Das macht dein Zorn, dass wir so vergehen,

und dein Grimm, dass wir so plötzlich dahinmüssen.“ (Psalm 90,1-7 Luther 1984)

Autorin: „Tolles Buch des Lebens!“ grinst Christoph spöttisch: „Wenn du das aufschlägst und liest, dann frag zu Risiken und Nebenwirkungen lieber deinen Arzt oder Apotheker.“

Das sitzt. Musste er auch ausgerechnet Psalm 90 aufschlagen? DEN Psalm, der an die Vergänglichkeit allen Lebens erinnert?

Für Christoph ist die Bibel vielleicht ganz interessant, auch ein bisschen geheimnisvoll und exotisch. Aber ein wichtiger Lebensratgeber? Wohl eher nicht. Vielleicht noch nicht.

Für mich ist die Bibel auch nicht unmittelbar das Buch des Lebens gewesen. Darum habe ich sie studiert. Habe gelernt, sie zu verstehen. Habe geübt, wie man die alten Texte in die heutige Sprache und Zeit überträgt. Damit ich selbst und auch andere verstehen, was sie mit dem Leben heute zu tun haben. Was Gott uns heute durch sie sagen will. Überwiegend Hilfreiches, finde ich. Aber die Bibel hat auch ihre dunklen Seiten. Die, die wir nicht mit unserem Leben in Beziehung setzen können. Sie ist auch kein sofort wirksames Medikament für gelingendes Leben. Die Bibel ist und bleibt als Urkunde des jüdisch-christlichen Glaubens ein umstrittenes Buch, das Fragen aufwirft:

Stimmt das, dass Jesus einmal fünftausend Leute nur mit ein paar Fischen und wenigen Broten satt gemacht hat? Hat Jesus wirklich Tote auferweckt? Und wer hat die Psalmen gedichtet? Wie viele davon hat wirklich König David verfasst?

Was in der Bibel steht darf, ja muss hinterfragt werden. Wie historisch zuverlässig sind die Texte? Wie glaubwürdig sind sie und wie gehe ich mit Widersprüchen um, die darin zu finden sind? Und haben sie überhaupt was zu sagen zu den Herausforderungen, vor denen wir heute stehen? Immerhin sind die ersten Texte der Bibel schon vor mehr als fast 3000 Jahren entstanden. Und vom ältesten bis zum jüngsten Text liegen über 1500 Jahre. Die Bibel - sie darf hinterfragt werden. Und sie muss es auch. Damit ich entdecken kann, was mir zu leben hilft.

Musik 1: Gitarre, eg 320 Nun lasst uns Gott dem Herren

CD „Choräle auf sechs Saiten“; Track 11; Titel: Nun lasst uns Gott den Herren,

Interpret: Reinhard Börner, Text: J. Mentzer1704; Melodie: J.B. König 1738;

Bearbeiter: R. Börner; LC 06860; Label: cap-music, Verlag: cap-music

Autorin: Im Gegensatz zu allen anderen heiligen Büchern der Religionsgeschichte erzählt die Bibel einfach Geschichten. Viele wurden lange mündlich weitergegeben. Dann aufgeschrieben von Menschen der jeweiligen Epoche und mit den Ereignissen der damaligen Weltgeschichte verwoben. Menschen, die ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Gott gemacht haben. In guten und schlechten Zeiten. Und diese in vielfältigen literarischen Facetten zum Ausdruck bringen: Sie erzählen und berichten, dichten, beten und lehren. Sie schreiben Briefe und entwerfen Zukunftsbilder.

Eines aber haben alle Geschichten der Bibel gemeinsam: Die Botschaft: Gott ist bei uns. Er hat gesagt: „Ich bin da und ich werde da sein für euch.“ In dieser Welt ist er mit uns unterwegs. Er bleibt bei uns. Er wird sogar einer von uns, wird in Jesus Christus Mensch. Mit ihren unterschiedlichen Schriften ist die Bibel eine Art Bibliothek mit zwei Teilen. Da ist das Alte oder Erste Testament, die Schriften der Juden. Und das Neue, das Zweite Testament, mit den Schriften der Christen. Da kann ich gar nicht anders, als immer wieder neu Fragen zu stellen und nach Deutungen zu suchen. Die Bibel ist anspruchsvoll und manchmal auch schwierig – dann aber auch wieder ganz einfach, ganz nah. Trost und Lebenshilfe zugleich. Eben Buch des Lebens.

Musik 2 = Musik 1

Autorin: Wie kann ich als Pastoren-Patentante den angehenden Konfirmanden Christoph überzeugen, dass die Bibel ein Buch des Lebens ist? Christoph hat sich mittlerweile schon mit seinen Freunden auf den Weg nach draußen gemacht. Ich hänge noch an meinen Gedanken darüber, warum die Bibel für mich so ein wichtiges Buch ist. „Zu Risiken und Nebenwirkungen frag lieber deinen Arzt oder Apotheker“ hat Christoph gesagt- kein Problem. Denn mit dem Arzt kann die Bibel dienen. Sagt doch Gott selbst in der Bibel im 2. Buch Mose von sich: „Ich, der Herr, bin euer Arzt.“(2. Mose 16, 26)

Und in der Tat: In der Bibel gibt es etliche Kranken- und Heilungsgeschichten. Und sogar so etwas wie einen Arztroman. Im Buch Tobit.

Es ist allerhand nachzulesen über Diagnosen und Therapien. Wir erfahren von Depressionen und psychosomatischen Störungen, von gynäkologischen Problemen und schweren psychischen Erkrankungen. Und natürlich auch von verschiedensten Formen körperlicher Gebrechen. Blindheit, Lahmheit, Hautprobleme bis zum Aussatz, ja selbst von Reanimationen weiß die Bibel schon zu berichten. Daneben gibt es noch manchen Ernährungs- oder Wellnesstipp.

Die Bibel als Buch des Lebens beschreiben. Das kann ich tatsächlich am besten mit diesen Geschichten von krank sein und heil werden. Mich beeindruckt, dass in ihnen nicht die Krankheit im Mittelpunkt steht, sondern der Kranke. Darum ist die Therapie auch stets ganz modern. Nämlich ganzheitlich. Im Fokus der ganze Mensch. Mit seinem Leiden, seinen sozialen Beziehungen, seinem Selbstverständnis und auch seiner Beziehung zu Gott. Denn er soll ja an Leib und Seele gesund werden. Medizin und Seelsorge gehören in der Bibel zusammen. Die biblischen Ärzte sind Propheten, Beter, Apostel. Menschen, die Gott dafür in den Dienst nimmt. Und natürlich Gottes Sohn selbst. Jesus Christus.

Musik 3: CD: „Lobe den Herren – Die schönsten Loblieder und – choräle“, Titel: „Nun lasst uns Gott dem Herren“, Interpret: Das Solistenensemble, Leitung: Gerhard Schnitter; Text: J. Mentzer1704; Melodie: J.B. König 1738, LC 07224; Label: hänssler-music, Verlag: Hänssler Verlag, Best.Nr.: 99956, EAN: 4010276017714

Sprecher: Ein Arzt ist uns gegeben, der selber ist das Leben;

Christus für uns gestorben, der hat das Heil erworben. (eg 320,4)

Autorin: Die Bibel als Buch des Lebens beschreiben – mit Geschichten von krank sein und heil werden. Da ist zum Beispiel König Saul. (1. Samuel 16,14-23) Der erste König von Israel. Doch sein Regierungsgeschick hat ihn verlassen. Er leidet unter schweren Depressionen, zumal sein Regierungsende näher rückt. Der Geist Gottes beflügelt ihn nicht mehr, sondern ein böser Geist quält ihn und nimmt ihm jede Lebensfreude. Der medizinische Rat: Musiktherapie. Ein junger Mann, David, versteht sich auf das Harfenspiel. Er kommt und spielt und es wirkt. Zuversicht kehrt in Sauls Seele zurück.

Am Ende wird David Sauls Nachfolger. Das war vielleicht nicht das Happy End, das sich Saul erhofft hat, aber immerhin: Saul ist dank der musiktherapeutischen Intervention geheilt.

Die nächste Geschichte führt uns nach Lystra, ins heutige Zentralanatolien. (Apostelgeschichte 14,8-20a). Der Apostel Paulus ist hier mit seinem Begleiter Barnabas unterwegs. Ein Gelähmter, der von Geburt an nicht gehen kann, hört wie Paulus das Evangelium verkündet. Paulus sieht den Gelähmten und spricht ihn an: „Steh auf, stell dich aufrecht auf deine Beine!“ Und es geschieht. Was dann kommt, können Paulus und Barnabas nur mit Befremden quittieren. Denn die umstehende Menge sieht in ihnen jetzt so etwas wie 'Halbgötter in weiß'. Das müssen sie klarstellen. „Nicht wir heilen, sondern Gott durch uns. Der Gott, an den wir glauben und für den wir unterwegs sind.“

Musik 4 = Musik 1

Autorin: Der bekannteste Heiler der Bibel ist Jesus, der Heiland. Von ihm wird erzählt, dass er vielen Menschen geholfen hat. An einem Tag wendet er sich einem Blinden zu.

Sprecher: Als Jesus zusammen mit seinen Jüngern und einer großen Volksmenge Jericho wieder verlassen wollte, saß da am Straßenrand ein blinder Bettler. Es war Bartimäus (gesprochen: Bartimä-us), der Sohn des Timäus. (gesprochen: Timä-us) Als er hörte, dass Jesus von Nazareth da war, fing er an, laut zu rufen: „Jesus, du Sohn Davids! Hab Erbarmen mit mir!“

Viele fuhren ihn an: „Sei still!“ Aber der Blinde schrie noch viel lauter: „Sohn Davids. Hab Erbarmen mit mir!“

Da blieb Jesus stehen und sagte: „Ruft ihn her.“

Die Leute riefen den Blinden herbei und sagten zu ihm: „Du kannst Hoffnung haben, steh auf, er ruft dich!“ Da warf der Blinde seinen Mantel ab, sprang auf und kam zu Jesus.

Jesus fragte ihn: „Was willst du? Was soll ich für dich tun?“

Der Blinde sagte zu ihm:

„Rabbuni, dass ich sehen kann!

Und Jesus sagte zu ihm:

„Geh nur, dein Glaube hat dich gerettet.“

Sofort konnte er sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg.(Markus 10,46-52, BasisBibel)

Autorin: Jesus weiß sich besonders zu den Kranken gesandt.

„Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“ hat er einmal gesagt. Ihn lässt ihr Rufen nicht kalt. Er lässt sie zu sich kommen. Er wendet sich ihnen zu, spricht sie an, oft berührt er sie auch. Er macht sie körperlich gesund. Aber er tut noch mehr. Er durchbricht ihre Isolation, ermöglicht ihnen, wieder am sozialen Leben teilzunehmen. Und er bietet ihnen eine heilsame Gottesbeziehung an. Denn er heilt mit seinem Wort. „Geh nur, dein Glaube hat dich gerettet!“

Jesus heilt nicht die Krankheit, sondern immer den Kranken. An Leib und Seele. Denn Heil und Heilung gehören für ihn untrennbar zusammen.

Darum unterscheidet die Bibel auch nicht, ob eine Heilung auf medizinisch „natürliche“ oder auf „wunderbare“ Weise geschieht. Entscheidend ist die Botschaft: Von Gott kommt das Leben. Und von Gott heilt auch ein Leben, das aus der Balance gekommen ist. Gleich durch welche Krankheit.

Selbst der „zerbrochenen Herzen“ nimmt sich Gott an. Von denen ist im Psalm 147 zu lesen.

Ja, und da sind wir dann wieder bei den Psalmen. Christoph kommt rein. Wir werden gleich zusammen Kaffee trinken und uns unterhalten. In den zwei Jahren Konfirmandenunterricht wird er hoffentlich spannende Entdeckungen machen im Buch des Lebens. Ich wünsche ihm, dass er dieses wichtige Glaubens- und Lebensbuch (zu) lieben lernt, mindestens (zu) achten. Dass er es hinterfragt, aber auch Lust hat, sich von seinen Glaubensvorfahren im Glauben an Gott bestärken zu lassen.

Vielleicht haben Sie ja jetzt Lust bekommen, wieder einmal in der Bibel zu lesen. Und ich verrate auch noch, was in Psalm 147 steht: „Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.“ (Vers 3)

Ich wünsche Ihnen einen guten Sonntag – mit oder ohne Buch.

Ihre Doris Damke aus Bielefeld.

Musik 5 = Musik 1

Quellenangabe: Arztgeschichten der Bibel. Biblische Taschenbücher, hrsg. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2005

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