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Kirche in WDR 2 | 16.08.2017 | 05:55 Uhr

Carearbeit

Autorin: Wenn meine Nachbarin nach der Arbeit noch ihre Mutter pflegt, tut sie das aus Sorge um ihre Mama – das nennt man neudeutsch „Carearbeit“ und die geschieht meist unentgeltlich. Aber es gibt auch bezahlte Carearbeit, die von Erzieherinnen, Krankenschwestern oder Altenpflegerinnen erledigt wird. Carearbeit ist in unserer Gesellschaft vornehmlich Frauensache und meistens schlecht bis gar nicht bezahlt.

Musik: Ich habe keinen Job, doch ich habe immer was zu tun. Vom Windeln wechseln bis zum Rollstuhl schieben – ohne Lohn. Es füllt mich aus, doch ist mein Konto immer leer. Ist meine Arbeit gar nichts wert?

Autorin: Laut dem Gleichstellungsbericht der Bundesregierung, leisten Frauen täglich 52 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer: Mit der Erziehung von Kindern, mit der Pflege von Angehörigen, mit Ehrenämtern und Hausarbeit.

Männer dagegen erledigen in unserer Gesellschaft immer noch mehrheitlich die Erwerbsarbeit, die gesellschaftlich anerkannter ist und mit Gehalt entlohnt wird.

Musik : Ist meine Arbeit gar nichts wert? I do care! I love it! I do care! I love it!

Autorin : Die Theologin Dr. Ina Praetorius fragt sich seit Jahren: Warum ignoriert die Wirtschaft die Carearbeit? Diesen immensen Teil der Arbeit von Frauen, die sie in der Privatsphäre, meist ungesehen erledigen? Sie regt an, die Sicht auf die Arbeit zu verändern.

O-Ton: Wir brauchen eine Care- Revolution, weil mehr als die Hälfte aller Arbeit, unbezahlt geleistet wird. Die ganze Ökonomie wird umgekrempelt, wenn wir das zur Kenntnis nehmen. Das bedeutet Care-Revolution.

Autorin: „Care-Revolution“ heißt auch ein Netzwerk, das aus über 80 Gruppen und Personen besteht, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv sind. Ihr Ziel ist eine gesellschaftliche Aufwertung von allen Tätigkeiten, die mit Sorge zu tun haben, d.h. konkret eine bessere Bezahlung von „Care“-Berufen.

Musik : Bei Tag und Nacht arbeite ich in einem Krankenhaus. Ich helfe Babys aus den Bäuchen ihrer Mütter raus. Ich werd gebraucht, doch manchmal denke ich, ich kann nicht mehr. Ist meine Arbeit gar nichts wert? I do care! Iove it! I Do care! Ilove i!

Autorin: Außerdem soll die private Carearbeit für Frauen und Männer möglich sein. Alle Menschen sollen jederzeit und unabhängig von ihrem Geschlecht die Möglichkeit haben, private Sorgearbeit mit Erwerbsarbeit vereinbaren zu können, so die Empfehlung der Kommission zum Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung.

Dr. Ina Praetorius:

O-Ton: Es ist wichtig zu sehen, dass dieses Carethema eigentlich kein Geschlechterthema ist, weil der Mittelpunkt des Ganzen ist unser aller Fürsorgeabhängigkeit und das gilt für Männer und Frauen und Kinder und Alte gleichermaßen.“

Autorin:

Was wäre, wenn sich unsere Ökonomie nicht mehr an Profitmaximierung orientiert, sondern an unseren tatsächlichen menschlichen Bedürfnissen? Wie würde sich unsere Gesellschaft verändern, wenn wir die Arbeit der Erzieherin, der Hausfrau oder des Pflegers mehr anerkennen würden? Und wie kann ein „gutes Leben für alle“ gelingen? „Wer der Gerechtigkeit und Güte nachjagt, der findet Leben, Gerechtigkeit und Ehre“, so heißt es in der Bibel. Wir brauchen Menschen, die diese Welt nicht so hinnehmen wie sie ist. Wir brauchen Menschen, die unbequeme Fragen stellen. Menschen, die „der Gerechtigkeit nachjagen“ und neuen Antworten finden.

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