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Das Geistliche Wort | 09.07.2017 | 08:35 Uhr

Chrisam

Guten Morgen!

Ben, Paul, Jonas, das sind die drei beliebtesten Vornamen unter den Neugeborenen des vergangenen Jahres gewesen. Weit abgeschlagen auf Platz 34 steht Erik. Aber Erik ist der Name meines Sohnes und der ist jetzt 14 Monate alt. Warum meine Frau und ich den Namen ausgewählt haben?

Uns gefiel einfach der nordisch-skandinavische Name. Und das nicht erst seit einem Sommerurlaub in Schweden vor ein paar Jahren. Dort haben wir zwar im Dom zu Uppsala eine beeindruckende Statue von dem heiligen Erik von Schweden gesehen, die ihn als König und Märtyrer zeigt. Aber das trug nicht wirklich zur Namensgebung bei. Es war einfach so. Erik. Unser erstes Kind sollte Erik heißen.

MUSIK I

Der heilige Erik von Schweden ist der Namensparton meines Sohnes. Morgen ist übrigens sein Namenstag, den wir gerne mit unserer Familie und seinen Paten feiern! Meine Frau und ich, wir haben uns natürlich mit diesem Heiligen beschäftigt, vor allem in Hinblick auf die Taufe. Aber Geschichtlich lässt sich gar nicht so viel über ihn erfahren, außer ein paar Legenden, die ihn rühmen.

Wichtiger war uns daher die verschiedenen Handlungen während der Tauffeier zu verstehen. Die sind gar nicht so einfach zu verstehen – aber die Mühe hat sich gelohnt genauer zu verstehen, was bei der Taufe – nicht nur unseres Erik – geschieht. Die Feier ist so reich an Handlungen und hat mich dann, als es soweit war, emotional sehr berührt. Besonders beeindruckt hat mich dabei die Salbung mit Chrisam, die in der Reihenfolge etwas hinten ansteht.

Zuerst wurden wir, die Eltern und Eriks Paten an unsere eigene Taufe erinnert. Wir haben uns zu unserem Glauben an Gott bekannt. Und dann kam die eigentliche Taufe. Der Priester hat dreimal Wasser über das Köpfchen unseres Sohnes gegossen und die Taufformel gesprochen: "Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“.

Danach kam die Salbung mit Chrisamöl. Dazu hat der Priester seinen Daumen in ein Gefäß mit dem Öl getaucht und dann damit ein Kreuz auf die Stirn unseres Erik gezeichnet, ganz behutsam. Im Vergleich zum kleinen Köpfchen von Erik wirkte der Daumen riesengroß. Das Glitzern des Öls war dann noch lange zu sehen. Chrisam ist eigentlich nur Olivenöl, aber es riecht besonders gut. Andererseits ist Olivenöl auch nicht irgendein Öl. Es gilt seit jeher als eines der wertvollsten Öle. Es stammt aus dem Mittelmeerraum. Dort spielte es nicht nur in der Küche eine wichtige Rolle, sondern auch bei der Körperpflege. Die Menschen rieben sich damit ein.

Damit das Olivenöl aber wirklich zum Chrisamöl wird, wird ihm als duftender Zusatz das Harz des Balsamstrauches beigemischt. Dieses Harz riecht echt gut. Und so verwundert es auch nicht, wenn man vom „Balsam für die Seele“ spricht, will heißen, dass da etwas gut tut. Der geistliche Sinn der Beimischung besteht daher eben auch darin, dass die mit Chrisam Gesalbten, den „Wohlgeruch Christi“ verbreiten sollen. Was das bedeutet? Die neugetauften Christen sollen die Frohe Botschaft verbreiten. So wird das Öl auch zum Sinnbild für Gesundheit, Freude, Kraft und Glück.

Schon die Sumerer und Babylonier, die im 3. und 2. Jahrtausend vor Christus lebten, kannten bereits die Salbung bei der Einsetzung von Priestern und Beamten. Auch die mächtigen ägyptischen Pharaonen salbten ihre höchsten Minister zum Zeichen der Machtübertragung. Und im Alten Testament findet man die Salbung eines Königs im ersten Buch Samuel. Dort steht, dass der Prophet Samuel Saul zum ersten König von Israel gesalbt hat. Die Bedeutung hier ist klar: Die Salbung soll also deutlich machen, dass der König seine Macht Gott verdankt.

Bemerkenswert: Diese göttliche Legitimation der Machtübertragung findet sich dann auch in den Königssalbungen im Frankenreich bei den Karolingern und später bei den Habsburgern. Dabei wurde auch eine bestimmte Formel verwandt, die die göttliche Dimension des Geschehens unterstrich: „Ich salbe dich zum König im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“.

MUSIK II

Als ich mich auf die Taufe meines Sohnes Erik vorbereitet habe, hat diese Salbung mit Chrisam einige Fragen bei mir hervorgerufen. Antworten habe ich unter anderem in der Bibel gefunden. Der Blick hinein hat sich für mich echt gelohnt. Denn dort wird Jesus von Nazareth als der Gesalbte bezeichnet, ja mehr noch: Er ist der Priester (vgl Hebr 3,1), der König (vgl. Lk 1,33) und der Prophet (vgl. Joh 4,19). Aber dabei bleibt es nicht. Diese Hoheitstitel gelten dann nach biblischem Befund auch uns, den Getauften. In der Offenbarung im Neuen Testament heißt es (Offb 1,6): „Christus hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott seinem Vater.“ Und der Apostel Petrus schreibt (1 Petr 2,9): „Ihr seid eine königliche Priesterschaft.“ Weiter heißt es in der Apostelgeschichte (Apg 2,17): „Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein.“

Menschen, die getauft sind, bekommen also Anteil an Jesu Königtum, seinem Priestertum und Prophetenamt. Der Priester spricht dann bei der Taufe: „Du wirst mit dem heiligen Chrisam gesalbt, denn du bist Glied des Volkes Gottes und gehörst für immer Christus an, der gesalbt ist zum Priester, König und Propheten in Ewigkeit.“

Aber was meint das jetzt konkret? Und ist mit so einem gewaltigen Amt nicht auch ein Auftrag verbunden? Oder ist mit der Salbung nicht eine Zusage, gar eine Bevollmächtigung verbunden? Viele Fragen und es gibt verschiedene Deutungsmöglichkeiten. Fangen wir also mit dem Priester an. Als Priester sind alle Getauften dazu gefordert, Wegbegleiter zu Gott zu sein, Vermittler der Gottesnähe. Und so sollen alle Getauften ein Segen für Andere sein. Das ist in einer Welt, in der Gott immer weniger eine Rolle im Leben der Menschen spielt, eine riesige Aufgabe. Ich persönlich habe viele Erfahrungen mit dieser Aufgabe – aber es bleibt eine Herausforderung: Manchmal reicht es schon einfach, von persönlichen Erfahrungen zu erzählen, die mich bewegt haben, wo ich staunte über das Wunder der Schöpfung. Dabei denke ich beispielsweise an die Geburt meines Sohnes. Oder ich erzähle von meinem Vertrauen, dass ich in Gott habe. Von seiner Reichweite in meinem Leben.

Die Salbung zum König könnte in die heutige Zeit übertragen meinen, sich in der Gesellschaft zu engagieren. Sich so zu kümmern, wie ein verantwortungsvoller König für sein Volk. Es muss ja nicht gleich als Politiker sein – oder warum eigentlich nicht doch? Es gibt so viele Möglichkeiten, das Zusammenleben mitzugestalten. Ich meine, dass wir die Verantwortung für das Zusammenleben haben und eine Beschützerfunktion gegenüber Benachteiligten. Dafür brauche ich nicht direkt die große Politik in Düsseldorf oder Berlin. Es fängt im Kleinen an, um mich so einzubringen, wie ich es kann.

Und dann gibt es da noch den Propheten. Der Prophet ist der Sprecher Gottes. In der Bibel verkündet er seine Botschaft und hat Visionen. Der Prophet erkennt die Zeichen der Zeit und deutet sie. Ich glaube ganz fest daran, dass Gott eine Botschaft für uns Menschen hat. Und so geht es auch mir. Auch ich habe Visionen von einem guten Leben. Davon kann ich erzählen. Ich kann weitererzählen, was Gott im Evangelium offenbart. Dass es sich lohnt, von seiner großen Liebe zu erzählen.

Die Bedeutung der drei Worte Priester, König und Prophet und vor allem die notwendige Konsequenz im Handeln können aber auch schwer wiegen. Wenn ich an meinen Sohn Erik, den kleinen Täufling denke, sind ihm gleich drei gewichtige Aufgaben zuteil geworden. Aber wie gut, dass er dafür Begleiter durch das Leben hat: seine Eltern, Paten, Familie, Freunde und Gott. Ich hoffe, dass wir als Eltern unseren Job gut machen, Erik durch das Leben zu führen. Ihm beim Erwachsenwerden zu helfen. Und wenn der Rest unserer Familie, besonders seine beiden Paten, aber auch unsere Freunde helfen, sollte das gelingen. Ich vertraue darauf, dass Menschen, die getauft sind, nicht nur Ämter übertragen bekommen. Denn wenn sie während der Taufe mit Chrisam gesalbt werden, dann werden sie als Priester, Könige und Propheten auch ausgestattet. Mit Fähigkeiten und Talenten, die Gott uns zuspricht. Und das ist eine starke Zusage Gottes. Und wir Getauften haben als Menschen die Freiheit, etwas daraus zu machen.

Mit Psalm 89 bekomme ich Unterstützung zugesprochen (Ps 89,21.22.25.27), denn darin wird an die Salbung König Davids erinnert.

Sprecher:

„Ich habe David, meinen Knecht, gefunden und ihn mit meinem heiligen Öl gesalbt. Beständig wird meine Hand ihn halten und mein Arm ihn stärken.

Meine Treue und meine Huld begleiten ihn, und in meinem Namen erhebt er sein Haupt.Er wird zu mir rufen: ‚Mein Vater bist du, mein Gott, der Fels meines Heils!‘"

MUSIK III

In der Geschichte wird Erik von Schweden als frommer, asketischer Mensch beschrieben. Manchen gilt er als großer Missionar. Er hat ein Königreich regiert. Unser Erik ist gerade 14 Monate alt und wird natürlich niemals ein Königreich regieren. Aber ihm kommt die gleiche Würde und der gleiche Auftrag in der Taufe zu, wie Erik, dem König von Schweden und wie allen anderen Menschen, die getauft sind. Sie alle haben die gleiche Aufgabe: als Priester, König und Prophet zu wirken. Eine große und großartige Aufgabe. Und ich glaube, dass Gott jedem Getauften beisteht, so wie es das Matthäus-Evangelium (Mt 11,28-30) beschreibt:

Sprecher:

„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“

Wenn mein Sohn Erik einmal groß ist und die Bedeutung der Salbung und die Beauftragung als Priester, König und Prophet selbst versteht, hoffe ich, dass auch er dieses Vertrauen findet, in den Gott, der Ruhe und eine leichte Last des Lebens verspricht, so dass die Aufgaben, die Verantwortung nicht drücken und das Päckchen, das jeder zu tragen hat, leicht ist. Und ich wünsche ihm – wie allen Getauften –, dass er voll Vertrauen die übertragenen Ämter erfüllen kann.

Als getaufter und gläubiger Christ, kann ich ehrlichen Herzens sagen – und das nicht erst seit der Taufe meines Sohnes Erik: Es ist großartig, in der heutigen Zeit als Priester, Prophet und König den Menschen dienen zu können.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

Aus Meschede im Sauerland grüßt Ihr Dirk Lankowski.

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